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Geierswalde
Das Richtfest gibt es erst 2018

Am Material hapert es auf der Baustelle des Segel- und Inklusionszentrums in Geierswalde nicht. Doch der ambitionierte Zeitplan der Lausitzer Wassersportler geht nicht ganz auf. Wann der Rohbau fertig ist, lässt sich noch nicht absehen.
Am Material hapert es auf der Baustelle des Segel- und Inklusionszentrums in Geierswalde nicht. Doch der ambitionierte Zeitplan der Lausitzer Wassersportler geht nicht ganz auf. Wann der Rohbau fertig ist, lässt sich noch nicht absehen. FOTO: Sascha Klein / LR
Geierswalde. Stein auf Stein geht es im Moment am neuen Segel- und Inklusionszentrum am Geierswalder See. Allerdings ist der Bau noch lange nicht so weit, wie sich das der künftige Hausherr vorgestellt hatte. Von Sascha Klein

Dezember-Wetter wie aus dem Bilderbuch: Die Sonne strahlt am Mittwochvormittag über dem Geierswalder See und taucht auch die Baustelle des Segel- und Inklusionszentrums in ein warmes Licht. Trotzdem pfeift ein ordentliches Lüftchen. Es ist spürbar frisch.

Mit Blick auf den Bau bleibt es auch ein wenig frostig, denn: Das Weihnachtsgeschenk, das sich der 1. Wassersportverein Lausitzer Seenland (1.WSVLS) selbst machen wollte, wird der Weihnachtsmann nicht aus dem Sack zaubern können. Zur Grundsteinlegung am 10. November hatte die Vereinsspitze gehofft, dass zu Weihnachten der Rohbau steht und Richtfest gefeiert wird, damit der Innenausbau zügig in den ersten Monaten des Jahres 2018 starten kann. Doch diese Hoffnung wird sich nicht erfüllen. Der Stand kurz vor Weihnachten ist: Zurzeit wird noch am ersten Geschoss gebaut, das zweite folgt anschließend. Schon jetzt ist klar: Fertig wird der Rohbau für das neue Aushängeschild im sächsischen Seenland definitiv erst im kommenden Jahr.

Trotzdem ist das Segelzentrum noch im Zeitplan. Ende 2018 soll der Bau spätestens abgeschlossen und das Gebäude für den 1. Wassersportverein Lausitzer Seenland nutzbar sein. Der Verein hofft jedoch, das Areal schon im Spätsommer nutzen zu können. Für die Region ist die neue Heimstatt der Segler etwas ganz Besonderes. Denn dort sollen Wassersportler und Wassersportler mit Behinderungen gleichermaßen Sport treiben können. Deutschlandweit gibt es bis jetzt nur vier dieser Inklusionszentren für das Segeln, unter anderem in Berlin-Grünau und in Plau am See an der Mecklenburgischen Seenplatte. Geierswalde kommt als drittes in Ostdeutschland dazu und könnte deshalb später bundesweite Aufmerksamkeit genießen.

Das Segel- und Inklusionszentrum soll etwa 850 000 Euro kosten. Etwas mehr als die Hälfte der Gesamtkosten stammen aus Fördermitteln des Freistaats Sachsen (450 000 Euro), weitere 50 000 Euro stammen vom Landkreis Bautzen. Den Rest der Summe muss der Wassersportverein selbst tragen, ein Teil davon ist Eigenleistung.

Der 1. Wassersportverein Lausitzer Seenland hat sich mit seinem Programm „Wir sind Wir - Inklusion in Sailing“ zu einem großen Teil der Inklusion verschrieben. Das bedeutet: Behinderte und Nichtbehinderte sollen gleichermaßen am Vereinsleben teilhaben können. Sie sollen die Vereinsanlagen barrierefrei erreichen und somit das gesamte Spektrum der Angebote nutzen können. Möglich sein soll nicht nur Breitensport, sondern auch Rehabilitations- und Leistungssport. Die paralympischen Segler aus Deutschland gehören seit vielen Jahren zur Weltspitze. Ziel ist jetzt für den Verband, junge Sportler auszubilden, die einmal in die Fußstapfen der erfolgreichen Generation treten können. Diese könnten dann auch aus der Lausitz stammen.

Die Ziele, die der Lausitzer Verein verfolgt, sind ambitioniert. Der 1.WSVLS will sächsisches Landesleistungszentrum für Segler mit Handicap werden. Weiterhin strebt der Verein an, Inklusionsstützpunkt der „Sailing Team Germany Academy“ zu werden, um gezielte Förderung für den Paralympischen Segelsport zu betreiben.

Das große Wettkampfziel heißt deshalb: Qualifikation für die olympischen und paralympischen Wettbewerbe im Jahr 2024 in Paris. Das Segeln soll in Marseille stattfinden. Bis eine Olympia-Qualifikation jedoch Realität wird, werden noch viele Segelboote über den Geierswalder See gleiten. Zunächst müssen die Bauarbeiter an Land erst einmal den Rohbau des neuen Segelzentrums fertigstellen.

Der Blick auf die Segelzentrum-Baustelle von der Landseite. Im Hintergrund ist die Anlage des Geierswalder Leuchtturms zu sehen.
Der Blick auf die Segelzentrum-Baustelle von der Landseite. Im Hintergrund ist die Anlage des Geierswalder Leuchtturms zu sehen. FOTO: Sascha Klein / LR