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Zeitumstellung macht Zootieren zu schaffen

Trampeltier Jeani und die Esel lassen gerade ihr schönstes Winterfell wachsen. Tierpflegerin Kathrin Proske führt die beiden stolz vor.
Trampeltier Jeani und die Esel lassen gerade ihr schönstes Winterfell wachsen. Tierpflegerin Kathrin Proske führt die beiden stolz vor. FOTO: Würz
Hoyerswerda. Nasskalter Nieselregen und drohende Nachtfröste – das ist Novemberwetter zum Liegenbleiben. Im Zoo Hoyerswerda fallen Bären und Igel deshalb nach und nach in den Winterschlaf, während anderen Tieren die kalten Winde nichts ausmachen. Die am Sonntag bevorstehende Zeitumstellung spüren dagegen auch Zootiere noch für Tage ganz real an ihrer "inneren Uhr". Catrin Würz

Die Bärenbrüder Björn und Bengt machen sich rar in diesen ungemütlichen Tagen. Die Lieblinge der Zoobesucher liegen jetzt schon öfter auf der faulen Haut in ihrem Bärenhaus oder in der selbstgegrabenen Höhle im Gehege. Die beiden dürfen das - denn eine ausgiebige Winterruhe ist den Braunbären in die Gene geschrieben. "Allerdings haben wir einen richtig ausgedehnten Winterschlaf der beiden wegen der milden Winter in den vergangenen Jahren noch gar nicht erlebt. Sie sind immer wieder zum Vorschein gekommen", sagt Heidi Sladek, die Leiterin des Raubtierreviers im Hoyerswerdaer Zoo. Björn und Bengt haben sich jedenfalls in den vergangenen Wochen bereits ein schönes Fettpolster angefressen - für alle Fälle!

Die Tierpfleger des Zoos haben derzeit alle Hände voll zu tun, um den Wechsel von Sommer- auf Winterbetrieb zu organisieren. So sind die Pelikane und weitere Vögel wie die Roten Sichler, die Seidenreiher und Witwenpfeifgänse bereits in ihr Winterdomizil im Flamingohaus eingezogen. Hinter Glas sind die Vögel für die Besucher trotzdem zu sehen. Die Rosa Flamingos selbst stehen dagegen zumindest tagsüber auch im Nieselregen noch mit ihrem leuchtenden Gefieder am Ufer des Schlossgrabens. "Für die wird es erst gefährlich, wenn der Schlossgraben zugefroren ist. Aber nicht wegen der Kälte, sondern weil dann Verletzungsgefahr für die Füße besteht", erklärt Anne Siegl, die Leiterin des Vogelreviers. Auch die vier putzigen Humboldt-Pinguine frieren im Moment noch nicht. Aber Eis und Schnee gefallen den aus Südamerika stammenden Wasservögeln trotzdem nicht. Bei Minusgraden könnten sich die Frackträger ihre Füße erfrieren, die keine Federn haben. Sie bekommen deshalb wie viele andere Zootiere jetzt auch ein wärmendes Strohnest und eine Rotlichtlampe.

Im Haus der Galapagos-Schildkröten ist jetzt bereits die Fußbodenheizung angestellt. Die Großschildkröten, die nicht wie andere Schildkröten Winterschlaf halten, dürfen jetzt das Haus nicht mehr verlassen.

Igel schnarchen im Zoo

Als Notquartier für kranke oder untergewichtige Igel hat sich der Zoo Hoyerswerda bereits seit einigen Jahren einen Namen gemacht. Auch jetzt ist alles vorbereitet, damit zirka ein halbes Dutzend junger Igel hier überwintern können. "Ein Zuchtkaninchenstall im Freien wird dafür hergerichtet", erklärt Tierpflegerin Sabine Jahn. Igel, die vor den kühlen Tagen nicht mehr genug aufgepäppelt werden können, um ausgewildert zu werden, schnarchen ihren Winterschlaf dann eben im Hoyerswerdaer Zoo.

Auch Tiere haben "innere Uhr"

Wenn am Sonntag die Uhren wieder von der Sommerzeit auf die Winterzeit um eine Stunde zurückgestellt werden, kriegen das auch die Tiere des Zoos zu spüren. Dann verlagern sich die Fütterungszeiten für die Tiere um eine Stunde nach hinten. "Da gucken die erstmal auch ziemlich irritiert", weiß Revierleiterin Kathrin Proske vom Huftierrevier ganz genau. Eseln, Trampeltieren oder Ziegen geht es da ziemlich ähnlich. "Die Tiere haben wie wir Menschen auch eine innere Uhr. Sie wissen ganz genau, wann morgens das Tor aufgeht und wann wir Tierpfleger mit welchen Arbeiten beginnen", erzählt sie. Deshalb bringt die Uhrenumstellung auch die Welt der Zootiere für ein paar Tage durcheinander.

Der sich ankündigende Winter lässt die Hoyerswerdaer Tierpfleger zu Baumeistern werden. In den Ställen von Zebra, Antilope & Co. werden derzeit die Scheiben und Windschutz-Türen angebracht. Für Stefanie Jürß vom Zoomarketing hat der Herbst und Winter jedoch noch etwas Besonderes: "Alle Tiere bekommen ihr schönstes Winterfell."

Zum Thema:
Als Winterschlaf bezeichnet man einen schlafähnlichen Zustand, in den bestimmte Tiere unter Herabsetzung ihrer Körpertemperatur während der kalten Jahreszeit verfallen. Die Winterruhe des Bären ist nicht zu verwechseln mit dem tiefen Winterschlaf kleinerer Säugetiere, wie zum Beispiel Igel. Ein Bär verringert Kreislauf, Atmung und Herzschlag nur so weit, dass er jederzeit seine Höhle verteidigen kann. Quelle: Bärenwald Müritz