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| 17:01 Uhr

Historica 2019 in Hoyerswerda
Auf du und du mit Fürst und Gräfin

 Josefine (M.) aus Rietschen steht im Schloss Hoyerswerda in barocker Robe Modell für ein Foto mit der Zarentochter Zarewna von Russland, der Gräfin Orcelska und dem Kammerherrn von August dem Starken. Möglich war dies bei der 2. Historica in Hoyerswerda.
Josefine (M.) aus Rietschen steht im Schloss Hoyerswerda in barocker Robe Modell für ein Foto mit der Zarentochter Zarewna von Russland, der Gräfin Orcelska und dem Kammerherrn von August dem Starken. Möglich war dies bei der 2. Historica in Hoyerswerda. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Das Familienfest „Historica“ in Hoyerswerda lud in Schloss und Zoo zur Zeitreise ein. Von Katrin Demczenko

Auf eine Zeitreise durch die Jahrhunderte sind am Wochenende die Gäste der 2. Historica – des Familienfestes in Schloss und Zoo Hoyerswerda – gegangen. Kälte und Dauerregen erschwerten zwar am Samstag die geplanten Freiluftpräsentationen. Trotzdem hatten die Besucher bei den Vorführungen des Traditionsvereins Dresdner Barock, bei den mittelalterlichen Handwerkern, bei Schwertkämpfen und den Kinderbelustigungen ihre Freude.

Der fünfjährige Karl ist ein richtiger Mittelalterfan und hat seine Familie überredet, Samstag in den Zoo zu gehen. Mit Regenschirm und wetterfester Kleidung ausgestattet, erkundeten sie den Festplatz und bestaunten bemalte Holzschilde, Schwerter, Streitäxte und Ritterrüstungen der Gruppe Elblandkrieger. Bei besserem Wetter zeigen die Männer in ihren Outfits Schaukämpfe, doch jetzt war die Reparatur ihrer metallenen Kettenhemden dran. Sarwürker heißen die Handwerker, die diese Teile einer Rüstung herstellen und reparieren können, erklärte Alexander Stein mit einer Sarwürkerzange in der Hand. Das Kettenhemd besteht aus 17 000 bis 20 000 Flachringen, die mit dreieckigen Keilnieten verknüpft werden. Es schützt den Oberkörper vor Hieben und Stößen mit Schwertern und anderen Waffen. „Kettenpanzer haben schon die alten Kelten erfunden“, erzählte der junge Mann.

Leon Söhnel ist der Färber der Elblandkrieger, denn Ritter trugen ja Kleidung, wenn sie nicht gerade kämpften. „Krappwurzel färbt rot, Brennessel grün und Löwenzahnblüten gelb“, gab der Lehramtstudent Einblick, der später Chemie unterrichten will. Zuerst muss er die naturfarbene Wolle in einer heißen Lösung mit Alaunsalz und Weinstein beizen. Dann wird sie gespült, getrocknet und kann nun den Farbton des Pflanzensudes annehmen.

Der kleine Karl interessierte sich nun am Stand von Karsten Wollny-Sanftleben für die aufgebauten handlichen Katapulte. Auf den Schlachtfeldern im römischen Reich und später im Mittelalter waren wesentlich größere Exemplare im Einsatz, erfuhren der Junge und seine Familie. Die Waffen wurden vor jeder Schlacht aus Holz und Stricken neu gebaut und sie hatten Räder, um sie in die richtige Schussposition zu bringen. Wie damit auf Burgen geschossen wurde, konnte Karl ganz praktisch ausprobieren. Das genaue Zielen und die Wucht, mit der die Kugel abgeschossen wurde, bestimmten den Erfolg seiner Treffer. Einige Holzklötzchen, die Burgwächter symbolisierten, konnte der Junge von den Palisaden abräumen. Dafür bekam er einen kleinen geschliffenen Achat geschenkt. „Ich will noch Bogenschießen“, drängte er gleich darauf seine Eltern.

Karsten Wollny-Sanftleben gehört zur Gruppe Federwolf aus Torgau. Er zeigte den Besuchern auf der Zoowiese auch die Glasbläserei und das muskelkraftbetriebene Kinderkarussell, das der Verein aufgebaut hatte.

Im Schlosssaal kamen vorwiegend Mädchen auf ihre Kosten, denn sie durften für ein Foto eine Robe aus vergangenen Zeiten anziehen und mit Adligen aus der Zeit des Dresdner Barock tanzen. Das erfreute die elfjährige Josefine aus Rietschen, die mit ihrer Mutter zur Historica gekommen war. „Ich fühle mich toll“, sagte die Schülerin, als sie mit Charlotte Christiane Zarewna von Russland, Anna Catherina Gräfin Orcelska aus Polen und dem Kammerherrn von August dem Starken fotografiert wurde. Die adligen Persönlichkeiten lebten einst wirklich und wurden alle von Mitgliedern des Traditionsvereins Dresdner Barock dargestellt. Die aufwändigen Gewänder entsprechen den historischen Vorbildern, sagte „Gräfin Orcelska“. Der Verein will den Zuschauern Historie, Lebensstil und Kultur dieser Zeit nahe bringen. „Die feine Gesellschaft hat zwar auf eine blasse Haut wert gelegt, gepudert wurde diese aber erst später im Rokoko“, erklärte die Gräfin aus dem Barock.

 Josefine (M.) aus Rietschen steht im Schloss Hoyerswerda in barocker Robe Modell für ein Foto mit der Zarentochter Zarewna von Russland, der Gräfin Orcelska und dem Kammerherrn von August dem Starken. Möglich war dies bei der 2. Historica in Hoyerswerda.
Josefine (M.) aus Rietschen steht im Schloss Hoyerswerda in barocker Robe Modell für ein Foto mit der Zarentochter Zarewna von Russland, der Gräfin Orcelska und dem Kammerherrn von August dem Starken. Möglich war dies bei der 2. Historica in Hoyerswerda. FOTO: Katrin Demczenko