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| 15:55 Uhr

Tag des offenen Museums
Zeitreise in der Kutsche der Fürstin

Josephine Ludwig und Robert Brinckmann haben es ausprobiert: Sie schlüpften im Schloss Hoyerswerda in die barocke Kleidung zur Zeit von August dem Starken und nahmen in der Kutsche Platz.
Josephine Ludwig und Robert Brinckmann haben es ausprobiert: Sie schlüpften im Schloss Hoyerswerda in die barocke Kleidung zur Zeit von August dem Starken und nahmen in der Kutsche Platz. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Beim Hoyerswerdaer Museumsfest „Historica“ geht es um Verwandlung und um Geschichte. Von Katrin Demczenko

Eine Reise in die Vergangenheit - das war am vergangenen Wochenende im Schloss Hoyerswerda möglich. Das Mittelalter wurde hier in historischer Kulisse wieder lebendig beim Museumsfest „Historica“.

Im Spätmittelalter war es auch, als die Stadt Hoyerswerda am 1. Mai 1268 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Und von 1704 bis 1737 erlebte sie durch das Wirken der Reichsfürstin Ursula Katharina von Teschen einen wirtschaftlichen Aufschwung. Wie die Welt der Adligen, Handwerker, Kaufleute und Bauern zu jener Zeit ausgesehen hat, konnten Besucher der zweiten „Historica“ in Schloss und auf dem Gelände des Zoos nachvollziehen.

Lucy-Marie aus Weißwasser probierte auf der Zoowiese begeistert den Übungsparcours für junge Ritter aus. Auch ein Mädchen könne diese Ritterdisziplinen wie Ringzielwurf und Galgenkegeln üben, befand die Siebenjährige. Aurion, ein freischaffender Künstler, der zum Verein Eysenkraut aus Lauchhammer gehört, brachte ihr das Schießen mit einer kleinen Armbrust bei. Aber auch im Brettchenweben, Schnitzen und Korbmachen konnten sich die Besucher dank der Angebote des Eysenkraut-Vereins ausprobieren. Diese Stationen waren ebenfalls gut besucht. Die Leipziger Gruppe Ohrenpeyn sorgte derweil für musikalische Unterhaltung, wie sie im Mittelalter üblich war.

Im Schloss erfreute der Dresdner Barock e.V. die Museumsbesucher. Eine illustre Gesellschaft trat in originalgetreu nachgearbeiteter Kleidung jener Zeit auf. Die Vereinsmitglieder verkörpern Personen, die am Hof von August dem Starken gelebt haben, unter anderem Maria Aurora Gräfin von Königsmarck, die erste Mätresse August des Starken. Durch die Anwesenheit des Vereins erstrahlte der Schlosssaal im Glanz des Barock und Gäste konnten sich vorstellen, wie es damals gewesen sein mochte. Das Team des Hoyerswerdaer Stadtmuseums hatte Kostüme aus der Barockzeit organisiert, in denen sich Gäste im originalen Schlitten der Reichsfürstin von Teschen fotografieren lassen konnten. Josephine Ludwig und Robert Brinckmann aus Hoyerswerda unternahmen neugierig diese kleine Zeitreise in die Vergangenheit. Der junge Mann setzte die Perücke, die adelige Männer damals getragen haben, jedenfalls gern wieder ab. „Darunter kommt man ja ganz schön ins Schwitzen“, sagte er.

Freiwillig in der Kleidung eines Landsknechtes oder eines Burgfräuleins zeigten sich dagegen Mitglieder einer Gruppe aus Weißbach bei Königsbrück. 2015 gingen die Freunde erstmals zusammen auf ein Mittelalterfest in Dresden und erlebten die meisten anderen Besucher in der Mode der Vergangenheit, erzählt Pierre Riemer. „In Zivil“ fühlten sich die Weißbacher dort nicht wohl und beschlossen, von nun an nur noch verkleidet auf solche Veranstaltungen zu gehen. Ihre zum Mittelalter passenden Kleider, Hemden und Accessoires ermöglichen ihnen einen kurzzeitigen Ausstieg aus der Hektik der Gegenwart - das ist ihre Philosophie. Pierre Riemer ist auch vom mittelalterlichem Handwerk begeistert und will in seinem Bauernhaus von 1850 eine Schmiede einrichten. Das „Historica“-Fest in Hoyerswerda hat ihm geholfen, dafür weitere Anregungen zu finden.