| 02:40 Uhr

Zeißiger Ostern – einst und heute

Johann Kasper erinnert sich an die Oster-Traditionen seiner Kindheit in Zeißig.
Johann Kasper erinnert sich an die Oster-Traditionen seiner Kindheit in Zeißig. FOTO: dcz1
Zeißig. Für den Sorben Johann Kasper sind die Osterfeste seines bisher 85-jährigen Lebens mit vielen Erinnerungen an besondere Traditionen in seinem Dorf Zeißig verbunden. Mancher dieser Bräuche wird auch bis heute sehr lebendig bewahrt. Katrin Demczenko / dcz1

Das Osterfest ist für Johann Kasper aus Zeißig immer etwas Besonderes. Die Vorbereitungen auf dieses hohe christliche Fest, das an den Tod und die Auferstehung Jesu Christi erinnert, beginnt schon immer in der "stillen" Fastenzeit, erzählt der Senior. Nach Aschermittwoch gibt es im Dorf keine Tanzveranstaltungen mehr, stattdessen werden wichtige Gemeindeangelegenheiten besprochen und die Frauen treffen sich zum Federnschleißen.

Während der 1930er-Jahre gingen die Sorbinnen vor Ostern noch in der schwarzen Trauertracht in die Johanneskirche Hoyerswerda und einige Pfarrer predigten dort auch auf Sorbisch. Das sei in der nationalsozialistischen Zeit mutig gewesen, denn die Sprache durfte in öffentlichen Einrichtungen nicht benutzt werden, erinnert sich Johann Kasper. Die Mädchen und Frauen gingen in der Fastenzeit auch Osterlieder singend durchs Dorf - ein Brauch, der seit den 2000er-Jahren im Zeißighof bei Frühlingsfesten auch jetzt wieder gezeigt wird.

In den Familien wurden und werden Eier gefärbt und in der Wachs-, Kratz- und Ätztechnik mit besonderen Mustern verziert. Der heute 85-jährige Johann Kasper hat von seiner Mutter gelernt, Ostereier mit Bienenwachs zu bemalen. Dieses Wissen wenden schon längst die jüngeren Generationen seiner Familie an. Natürlich wurde und wird das Kaspersche Wohnhaus mit Birkenzweigen geschmückt, an denen einige der kleinen selbstgeschaffenen Kunstwerke besonders gut zur Geltung kommen.

Während Johann Kasper in den 1930er und 1940er-Jahren von seinen Paten noch nach alter Tradition eine geflochtene Semmel, drei bunt bemalte Eier und manchmal ein Kleidungsstück geschenkt bekam, erhielten seine Kinder, die Enkel und jetzt die Urenkel zusätzlich Süßwaren und Spielzeug.

Ein bekannter Brauch ist auch das Osterwasser-Holen in der Osternacht: Wenn die jungen Mädchen in den Nachkriegsjahren das als heilkräftig geltende Osterwasser aus dem Bach schöpften, sprangen die Jungen aus den Büschen, um sie zu erschrecken. "Taten die Mädchen daraufhin nur einen Mucks, wurde ihr Osterwasser zu ,Plapperwasser' und somit wertlos", erinnerte sich Johann Kasper an einige Jugendstreiche.

Bis heute ist ihm der österliche Kirchgang wichtig, genau wie das große Familientreffen an den Feiertagen. Und wie früher werden für die Jüngsten am Ostersonntag im Garten bunte Eier versteckt. Auch während des Zweiten Weltkrieges wurde Ostern gefeiert und die Kinder bekamen ihre Geschenke, erinnert sich der Senior. Die Besuche bei Verwandten fanden jedoch nur im kleinen Rahmen statt.

Johann Kasper, der in der Zeißiger Ortschronik einen Text über Osterbräuche geschrieben hat, freut sich, dass diese in seiner Familie und im Ort noch immer gern gepflegt werden.