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| 16:51 Uhr

Lausitzer Tradition und Brauchtum
Zeißiger Hoffest zieht viele Besucher an

 „Serbska Reja“ spielen auf. Gregor Kliem (links) spielt die Nyckelharpa.
„Serbska Reja“ spielen auf. Gregor Kliem (links) spielt die Nyckelharpa. FOTO: Katrin Demczenko
Zeißig. Bei schönstem Spätsommerwetter hat am vergangenen Wochenende das Hoyerswerdaer Hoffest im Ortsteil Zeißig stattgefunden. Von Katrin Demczenko

Seinen Hof öffnete unter anderem Ortsvorsteher Jens Sarodnik, der die Kartoffel vorgestellt hat. Fest kochende eignen sich zum Beispiel für Kartoffelsalat, mehlig kochende für Kartoffelsuppe, klärt Annett Sarodnik auf und erzählt: „Die ganze Familie hat Freitag bis Mitternacht Kartoffeln geschält und geschnitten, um den Gästen zum Hoffest diese Suppe anbieten zu können.“ Weil Zeißig mit der Mutterkuhhaltung Agrar-Produkte-GmbH Wittichenau gute Beziehungen pflegt, stellte diese Firma Kartoffeln für den Tag zur Verfügung.

Die Schüler Thomas und Franz führen in sorbischer Tracht vor, wie früher Kartoffeln mit einer handbetriebenen Maschine nach der Größe sortiert worden sind. Die großen waren zum Essen, die mittleren wurden Pflanzkartoffeln fürs nächste Jahr und die kleinen bekam das Vieh, erklärt Franz. Der Wittichenauer kennt die schwere bäuerliche Feldarbeit aus Erzählungen seiner Oma und kann nun eine der damals verwendeten Maschine selbst ausprobieren.

 Thomas und Franz bedienen die Kartoffelsortiermaschine.
Thomas und Franz bedienen die Kartoffelsortiermaschine. FOTO: Katrin Demczenko

Das Zeißiger Hoffest wird vor allem von sechs dort lebenden Familien, dem Kulturverein, Sportverein, dem Sorbischen Kinderverein und der Freiwilligen Feuerwehr organisiert. Für Unterhaltung sorgt den ganzen Tag die Gruppe „Serbska Reja“ aus Leipzig, die nacheinander auf allen Höfen alte sorbische Melodien auf neue Art spielt. Die Mitglieder aus der Lausitz, Leipzig, Norddeutschland und sogar den USA nutzen neben Geige, Flöte und Kontrabass auch Gitarre, Akkordeon und die schwedische Nyckelharpa. Gregor Kliem erklärt dazu, er bewege mit den Fingern hölzerne Tasten, die die verschiedenen Saiten niederdrücken. Mit der anderen Hand führt er einen Bogen wie bei der Geige. Mit dem Klang dieses Instruments lässt sich die Nyckelharpa auch vergleichen.

 Steven Gutsche und Michael Jaeger von der Sorbischen Trachtengruppe Seidewinkel fertigen einen Stiel für einen hölzernen Rechen an.
Steven Gutsche und Michael Jaeger von der Sorbischen Trachtengruppe Seidewinkel fertigen einen Stiel für einen hölzernen Rechen an. FOTO: Katrin Demczenko
 Steven Gutsche und Michael Jaeger von der Sorbischen Trachtengruppe Seidewinkel fertigen einen Stiel für einen hölzernen Rechen an.
Steven Gutsche und Michael Jaeger von der Sorbischen Trachtengruppe Seidewinkel fertigen einen Stiel für einen hölzernen Rechen an. FOTO: Katrin Demczenko

Familie Schubert öffnet ihren Hof ebenfalls, und dort dreht sich alles um das Thema Jagen. „Wir sind naturverbunden und haben Freunde, die auf Jagd gehen“, sagt Rene Schubert. Als Experten hat er Michael Amelung aus Schwepnitz eingeladen, der mit seiner Familie an Wochenenden gern auf Jagd geht.

Die zahlreichen Gäste führt Michael Amelung anhand mitgebrachter Trophäen, Felle und aufklärender Plakate an die Jägerei heran. Natürlich kann jeder auch leckeren Gulasch, Schinken und Salami aus Wildfleisch probieren. „Beim Jagen verbindet sich das unmittelbare Erleben des Waldes mit der Freude über den Jagderfolg und dem aktivem Naturschutz“, sagt Michael Amelung, der natürlich die für jedes Tier vorgeschriebenen Schonzeiten beachtet.

Der Lautaer Falkner Dieter Gäbler zeigt auf diesem Hof seinen Uhu Kalle, mit dem er auf Festen, in Kindergärten und Schulen Menschen an sein Hobby und die Natur heranführt. Der Vogel ist drei Kilogramm schwer und hat circa 1,60 Meter Flügelspannweite. Der sechs Jahre alte Uhu kommt nur zum Falkner zurück, weil er von ihm täglich auf der Faust mit Fleisch gefüttert wird. Das Tier könnte mit seinen kräftigen Krallen ohne weiteres einen Jungfuchs oder einen Hasen schlagen, erfahren die staunenden Zuschauer.

Zu ihnen gehörten Hans Jürgen Schubert und seine Frau aus Hoyerswerda, deren Sohn Jäger ist. Deshalb interessiert beide der geöffnete Hof der Zeißiger Schuberts ganz besonders. Das Ehepaar besucht jedes Jahr die Hoffeste, die abwechselnd in Schwarzkollm, Dörgenhausen und Bröthen stattfinden, denn dort treffen sie meist Bekannte und erfahren Neues aus anderen Teilen der Stadt. Monika Groba und eine Freundin aus Schwarzkollm sind auf der Veranstaltung, um schon erste Ideen für das Hoffest 2020 zu sammeln, das ihr Ortsteil ausrichten wird.