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Rückbau im Neustadtzentrum steht vorerst nicht zur Debatte
Zeichen gesetzt für sicheres Wohnen

Hier sind zwei sehr erfolgreiche, prestigeträchtige Projekte der Wohnungsgesellschaft aus der Vergangenheit auf einem Bild zu sehen: Der Teilrückbau und die Neugestaltung an der Virchowstraße sowie der Lausitz-Tower im Stadtzentrum (hinten). Auch zukünftig will die WH Akzente in der Neustadt setzen.
Hier sind zwei sehr erfolgreiche, prestigeträchtige Projekte der Wohnungsgesellschaft aus der Vergangenheit auf einem Bild zu sehen: Der Teilrückbau und die Neugestaltung an der Virchowstraße sowie der Lausitz-Tower im Stadtzentrum (hinten). Auch zukünftig will die WH Akzente in der Neustadt setzen. FOTO: Catrin Würz / LR
Hoyerswerda. Mit neuer Philosophie will die Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda die schwierigen Aufgaben der Zukunft meistern. Noch mehr Rückbau im Neustadtzentrum steht vorerst nicht mehr zur Debatte. Von Catrin Würz

Für Steffen Markgraf, seit gut einem halben Jahr Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda, ist das Glas im Zweifel immer halb voll - und nicht halb leer. Deshalb hat der neue Chef des größten Wohnungsunternehmens der Region für die Firmenphilosophie jetzt auch ein neues Selbstverständnis ausgerufen: Mehr kommunizieren und mehr auf die Menschen zugehen, lautet es. „Wir müssen uns den Zuzug in unsere Wohnungen selbst organisieren“, sagt der 46-Jährige selbstbewusst. Und er glaubt, dass dies auch gelingen kann.

Das bedeutet: Noch mehr Anstrengungen als bisher will die Wohnungsgesellschaft unternehmen, um auch im Umland Mieter für leerstehenden Wohnraum zu gewinnen. Deshalb wurde eine ausgefeilte Marketing-Offensive gestartet, mit neuer Imagebroschüre und Messeauftritten. Bis zirka 30 Kilometer im Umkreis wirbt die WH nun intensiv für das Leben und Wohnen in Hoyerswerda. „Wir richten uns an Menschen im ländlichen Bereich, die den Wunsch haben, in eine Stadt mit mehr Infrastruktur umzuziehen“, erklärt Markgraf.

Auch bei den großen Firmenneuansiedlungen und Unternehmenserweiterungen klopfe man an die Tür, um Wohnraum für die neuen Mitarbeiter anzupreisen. Für das entstehende Batteriewerk in Kamenz oder für Ludwig-Leuchten in Bergen werden sogar ganze Wohn-Angebots-Pakete geschnürt.

Darüber hinaus bleibe es aber weiterhin enorm wichtig, Wohnungen aufzuwerten und auf die Mieterbedürfnisse anzupassen, so Steffen Markgraf. „Damit Menschen auch im höheren Alter länger in ihrer vertrauten Wohnung leben können. Das haben wir im Blick.“ In den kommenden Jahren solle bei den Investitionen und auch beim Balkonanbau noch mehr der Fokus auf die Neustadt gelegt werden.

Mit all diesen Anstrengungen stemmt sich die Wohnungsgesellschaft weiter gegen die seit vielen Jahren schwierige Entwicklung in Hoyerswerda, geprägt von Einwohnerschwund und Wohnungsleerstand. Insgesamt 8000 Wohnungen sind derzeit noch im Bestand der Gesellschaft. Rund zehn Prozent davon stehen momentan leer. Ein Anteil, der zuletzt wieder etwas angestiegen ist und der dem Wohnungsunternehmen erhebliche Kosten beschert.

Dennoch sind die Pläne von großflächigem Wohnungsrückbau zumindest im Stadtkerngebiet erstmal vom Tisch. Nur die beiden schon dafür vorgesehenen Wohnblöcke Johann-Gottfried-Herder-Straße 14-18 und Bertold-Brecht-Straße 1-5 im WK III sollen in absehbarer Zukunft abgerissen werden. Alle weiteren Überlegungen zum Rückbau im Neustadt-Zentrum sind jetzt gestoppt, erklärt Geschäftsführer Steffen Markgraf. Vor zwei Jahren hatte es einen enormen Aufschrei unter den Bewohnern in diesem Stadtteil gegeben, als bekannt wurde, dass mehrere Blöcke aus dem Wohngebiet direkt im Zentrum entnommen werden sollen.

Inzwischen scheint es allgemeiner Konsens zu sein, dass die Wohnkomplexe I und III vorerst nicht weiter angetastet werden. „Sie gehören zum Kernbereich der Neustadt und sind durch die Nähe zur Lausitzhalle, zum Lausitz-Center und zum Seenland-Klinikum vor allem für ältere Menschen ein beliebter Wohnbereich, auf den wir uns in der Stadtentwicklung konzentrieren sollten“, so empfindet es auch der WH-Geschäftsführer. Dazu gehört für Markgraf, dass nach dem Abriss der Häuser nicht nur grüne Wiese entsteht. Grünflächen gebe es genug in der Zuse-Stadt. „Wir denken stattdessen an Parkplätze, Spielplätze und kleine Begegnungsbereiche, die das Wohngebiet als Ganzes noch aufwerten.“ Dazu gebe es jetzt auch schon konkrete Vorstellungen für den WK III, bestätigt Markgraf.

Dass diese Überlegungen richtig sind, beweist eines der jüngsten Projekte in der Otto-Damerau-Straße. Dort lässt die Gesellschaft im zentrumsnahen WK I ein zuvor von der Polizei genutztes Gebäude wieder in Wohnungen umbauen. Der Bedarf war groß, denn alle neu entstandenen Wohnungen sind ein halbes Jahr vor dem Einzug im Februar 2018 längst vermietet.

Insgesamt eine Million Euro will die Wohnungsgesellschaft pro Jahr in die Sanierung ihres Bestandes inklusive weiterem Balkonanbau stecken. Rund 100 000 Euro jährlich sind für die Aufwertung der Quartiere eingeplant. So ist es aus dem Handlungskonzept zum Leitbild „Hoyerswerda 2030“ zu entnehmen. Dort ist auch ein Projekt verzeichnet, das allerdings noch ganz im Anfangsstadium steckt. „Wir denken an ein Stadthaus für junge Familien mit Gartennutzung“.

Das Konzept der Mietergärten hat sich schon an anderer Stelle im Stadtgebiet bewährt. Freilich werde dieser Wohnhaus-Neubau - er ist als Einzelhaus mit höchstens einem Dutzend Wohnungen gedacht - die Mieterzahl der WH nicht drastisch in die Höhe treiben. „Doch es kann ein Zeichen setzen - es wird ein Zeichen für die Neustadt sein“, soviel kann Steffen Markgraf schon mal verraten.

Mit ihrem gegenwärtigen Konzept möchte die Wohnungsgesellschaft künftig noch mehr das „sichere Wohnen“ in den Fokus rücken. Viel Unruhe und Ängste verursacht es bei den Menschen, wenn das städtische Wohnungsunternehmen immer öfter nur mit Abriss, Rückbau und Leerstand in Verbindung gebracht wird. Eine neue Kommunikationskultur soll dagegenhalten. „Denn wir haben doch viel zu bieten: Guten Wohnraum für viele Wünsche und jeden Geldbeutel.“

Steffen Markgraf ist seit Mai Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Hoy­erswerda. Er favorisiert eine neue Herangehensweise an alte Probleme.
Steffen Markgraf ist seit Mai Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Hoy­erswerda. Er favorisiert eine neue Herangehensweise an alte Probleme. FOTO: Catrin Würz / LR