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Zamperzeit bringt Farbe auf die Straßen

Die Blunoer Schulkinder sind eine verschworene Zampergemeinschaft. Mit von der Partie waren "Mafiosi" Simeon Mosig (3.v.r.), "Schlumpf" Alexander Chlebowski (4.v.r.) sowie Michelle Terno (hintere Reihe, Hut mit Stern). Die Kinder wurden von mehreren Eltern begleitet.
Die Blunoer Schulkinder sind eine verschworene Zampergemeinschaft. Mit von der Partie waren "Mafiosi" Simeon Mosig (3.v.r.), "Schlumpf" Alexander Chlebowski (4.v.r.) sowie Michelle Terno (hintere Reihe, Hut mit Stern). Die Kinder wurden von mehreren Eltern begleitet. FOTO: amz1
Bluno/Zeißig. Wenn Indianer, Schlumpf und Kuschel-Huhn durch die Straßen ziehen, ist es wieder soweit – Zamperzeit. Auch in den Orten rund um Hoyerswerda bringen Jung und Alt jede Menge Farbe auf die Straße. Dass hinter dem Zamperbrauch mehr als Verkleiden und Sammeln steckt, wissen aber längst nicht mehr alle Teilnehmer. amz1

Trotz Schnee und Eis hat sich Bluno am Sonnabend ganz bunt präsentiert. 25 Schulkinder von der ersten bis zur siebten Klasse sind auf Zampertour gegangen. Traditionelle sorbische Kostüme wie Erbsbär oder Storch werden allerdings schon seit sehr langer Zeit gegen originelle Faschingsverkleidungen eingetauscht. Die alten Begriffe sagen den Kindern kaum mehr etwas. Ein Steppke fragt zumindest, warum neben Süßigkeiten und Geld auch Eier im Dorf eingesammelt werden. Die Antwort weiß Mitorganisatorin und Mutter Viola Wogawa: "In der Fastenzeit vor Ostern durfte früher kein Fleisch gegessen werden. Stattdessen haben die Leute die eingezamperten Eier verspeist."

Simeon Mosig ist beim Schulkinderzampern bereits ein "alter Hase". Schließlich darf der Siebtklässler des Hoyerswerdaer Focault-Gymnasiums schon seit mehreren Jahren mitlaufen. Diesmal muss Opas altes Jackett herhalten. Oma habe vor der Tour noch einen kleinen Oberlippenbart ins Gesicht gezaubert - und fertig ist der "Mafiosi". Wie ihm macht das Zampern auch Michelle Terno unheimlich viel Spaß: "Die Stimmung ist echt klasse." Laut der Siebtklässlerin der Oberschule Lauta sind in Bluno die ursprünglichen Zampertraditionen kaum mehr bekannt. Selbst die Erwachsenen verkleideten sich eher karnevalsähnlich. Doch ganz verzichten wollen die Blunschen auf ihre Zamperwurzeln nicht. Denn die traditionelle Hauptkasse befindet sich mitten im bunten Tross. Mit dem Geld werde alljährlich der Zamperausflug finanziert.

Auch durch Zeißig zogen am Samstag fast 50 Zampersleute. Neben traditionellen Figuren wie Schornsteinfeger und Schneemann waren auch trendige Verkleidungen zu bewundern. Anders bei den sogenannten Straußenmännern: Hier wird sorgsam auf Tradition geachtet. Erkennbar am dunklen Anzug, über den die sorbische Schürze gebunden ist, und geschmückter Schirmmütze, führen sie den Zug an.

In Bluno geht es bereits am kommenden Samstag mit den erwachsenen Zampersleuten weiter. Anfang Februar ziehen dann die Kita-Kinder durchs Dorf und bitten um kleine Gaben.