Nachdem im Laubuscher Kulturhaus am Vormittag eine diesen beiden Siedlungen gewidmete Ausstellung eröffnet wurde, fand am Nachmittag an jener Stelle im Kippenwald, wo sich einst die Mitte des Dorfes Lau busch befand, das Gedenken statt. Ein Findlingsstein aus dem Lausitzer Tagebau markiert diesen Ort als Stätte der Erinnerung, der Heimatverein Laubusch hat sie angelegt und pflegt sie.
Mit einem sorbischen Lied eröffnete der Chor der Brauchtumsgruppe „Krabat“ Schwarzkollm das Gedenken. Ortsvorsteher Otto Görke erinnerte in seiner kurzen Ansprache daran, dass die hier einst lebenden Menschen zwar wegen der Kohleförderung ihre Heimat verloren, doch auf der anderen Seite die meisten dadurch auch Arbeit hatten. Wie er, so dankte auch Lautas Bürgermeister Hellfried Ruhland dem Bundesvorstand der Domowina, der die Aktion initiiert hatte und damit dem Vergessen dieses Teils der regionalen Geschichte entgegenwirkt.
"Die Wahl für den Austragungsort des diesjährigen Gedenktages fiel nicht zufällig auf Laubusch", erläuterte anschließend der Domowina-Vorsitzende Jan Nuck den Versammelten, zu denen auch Manfred Wiehle (einstiger Laubuscher Dorfbewohner) und seine Frau Gisela (Lauta) aus Buxtehude sowie Hugo Jetter und seine Frau aus Schleswig- Holstein gehörten. „Das liegt nicht nur daran, dass sich der sorbische Ortsname Lubufl von Liebe ableitet und auch die Namenssage von zwei sich Liebenden erzählt. Wir fanden sowohl in der Dokumentation von Professor Frank Förster, Verschwundene Dörfer - Die Ortsabbrüche des Lausitzer Braunkohlereviers bis 1993' als auch im Heimatbuch von Laubusch den Hinweis, dass hier vor 80 Jahren ein Novum passierte.“ Denn erstmals wurde damals eine gesamte Ortslage, dabei handelte es sich um den Ortsteil Neu-Laubusch, nur 94 Jahre nach ihrer Besiedlung durch die Grube Erika der Ilse-Bergbau AG überbaggert. In der Festschrift des Bergbauunternehmens zu seinem 50-jährigen Bestehen 1938 hieß es dazu ganz lapidar: Das Dorf Neu-Laubusch kam, weil es auf wertvoller Kohle stand, 1924 zum Abbruch.
„Kein Wort fiel damals, dass 125 Personen den Verlust ihrer Heimat beklagten“ , sagte Domowina-Chef Jan Nuck am Sonnabend. Laubusch war aber nur der erste von vielen anderen Orten, die ein gleiches Schicksal zu teilen hatten. Um so größer sei auch die gemeinsame Verpflichtung gegenüber der Geschichte, einen weiteren Substanzverlust im sorbischen Siedlungsgebiet nicht zuzulassen, denn auch die sorbische Sprache sei von diesem Schicksal betroffen. Deshalb solle das Witaj-Projekt zur Revitalisierung der sorbischen Sprache von frühester Kindheit an hier in der Mittellausitz noch breitere Unterstützung erfahren, wünschte er sich.
Herzlichen Dank sagte der Do mowina-Vorsitzende den engagierten Bürgern und besonders dem Heimatverein Lau busch für dessen jahrelanges Engagement für diese Gedenkstätte.
Zur Erinnerung und symbolisch für das alte Dorf Laubusch mit seinem Ortsteil Neu-Laubusch wurden zwei Säulen-Wacholder gepflanzt. Der 75-jährige Gerhard Fechner, der als Kind und junger Mann ehemalige Bewohner des alten Dorfes Laubusch kennengelernt hatte, gab mit einem selbst geschriebenen Gedicht dieser Aktion einen feierlichen Rahmen. Darin heißt es: „Deckt auch der Wald mit seiner Ruh' jetzt des Bergbaus Narben zu, der uns Arbeit gab und Licht - vergisst man doch seine Wunden nicht.“