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| 18:31 Uhr

Naturschutz und Bergbausanierung
Streit um Spreetaler Wolfshöhle

 Das Luftbild zeigt die derzeit weitestgehend gesperrte Innenkippe Spreetal mit der Blickrichtung von Ost nach West, Höhe Spreetaler See.
Das Luftbild zeigt die derzeit weitestgehend gesperrte Innenkippe Spreetal mit der Blickrichtung von Ost nach West, Höhe Spreetaler See. FOTO: LMBV / Peter Radke
Spreetal. Gefährden Sprengarbeiten auf der Innenkippe Spreetal Wolfswelpen? Der BUND sieht das wegen einer Wolfshöhle so und fordert den Stopp. Die Bergbausanierung könnte dadurch weiter verzögert werden. Von Rita Seyfert

Der Wolf ist mal wieder Streitthema. Diesmal entzünden sich die Gemüter der sächsischen Naturschützer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) an einer Wolfshöhle auf der Innenkippe Spreetal. Die angebliche Bruthöhle könnte bei Sanierungsmaßnahmen durch die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) gesprengt und Wolfsjunge getötet werden, so die Sorge.

Doch von vorn: Bereiche der Innenkippe des ehemaligen Tagebaus Spreetal werden nach geotechnischer Begutachtung als verflüssigungsgefährdet eingestuft. Heißt: Geländeeinbrüche wie zuletzt bei der Rutschung 2010 sind jederzeit möglich. Wie der LMBV mitteilte, sei zur Herstellung der öffentlichen Sicherheit und gefahrlosen Nutzung der derzeit gesperrten Flächen eine Sicherung „zwingend“.

Zur Sicherung der Innenkippenflächen setzt die LMBV das Verfahren der schonenden Sprengverdichtung ein. Demnach werden die Kippenflächen dabei fortschreitend mit kleineren Sprengflächen durch Stützsäulen gesichert. Dazu wird Sprengstoff in sieben bis maximal 30 Meter tiefe Bohrlöcher eingebracht. Die Zündungen erfolgen in drei Sprenggruppen mit je drei Bohransatzpunkten. Der Abstand der Sprengbereiche beträgt auf der Innenkippe Spreetal 500 Meter.

Einsturz von Wolfshöhlen durch Sprengung in Spreetal befürchtet

Durch das Verfahren der schonenden Sprengverdichtung verfestigt sich der abrutschende Boden vor allem im Zentrum. Die hervorgerufenen Flächensetzungen sind trichterförmig. Deren Ausdehnung beträgt maximal 20 Meter Durchmesser. Die Geländeabsenkung im Zentrum erreicht etwa einen halben Meter.

Das angrenzende Gelände werde durch dieses Verfahren jedoch nicht beeinträchtigt. „Auch ein Einsturz von Wolfshöhlen ist damit sehr unwahrscheinlich“, stellt die LMBV klar.  

 Der Wolf ist auch in der Bergbaufolgelandschaft unterwegs. Unterdessen lebt Isegrim nicht nur im Freigehege – wie hier in einem Tierpark in Sachsen-Anhalt –  sondern auch überall in der Lausitz.
Der Wolf ist auch in der Bergbaufolgelandschaft unterwegs. Unterdessen lebt Isegrim nicht nur im Freigehege – wie hier in einem Tierpark in Sachsen-Anhalt –  sondern auch überall in der Lausitz. FOTO: dpa / Klaus-Dietmar Gabbert

Doch genau diese Befürchtung hat der Bund. „Es ist davon auszugehen, dass in Wolfs- und anderen Höhlen lebende Tiere durch die Sprengverdichtung bei lebendigem Leib begraben werden“, hieß es.

Tote Wölfe seien jedoch kein Kollateralschaden. Gefordert werde daher eine sofortige Unterbrechung der Arbeiten und eine Untersuchung. Die geplanten Sprengungen sollten in einen Zeitraum verlegt werden, in dem höhlenbewohnende Lebewesen keine Jungen werfen oder aufziehen. Laut BUND graben Wölfe mehrere Bruthöhlen und entscheiden sich für die am besten geeignete, um ihre Welpen zwischen März und Juni aufzuziehen.

LMBV hat die Tötung von Wölfen ausgeschlossen

Mit den Testsprengungen wird laut LMBV in der ersten Juniwoche begonnen. Danach erfolge eine 14-tägige Auswertung der Spreng-Erfolge. Während dieser Zeit ruhen die Arbeiten. Entsprechend der Ergebnisse sei derzeit die Weiterführung der Sprengarbeiten in der letzten Juniwoche vorgesehen.

 Bereits in der Planungsphase stimmte sich die LMBV mit den zuständigen Behörden ab. Die Genehmigungen liegen vor. Dr. Alexander Harter vom Naturschutzgroßprojekt Lausitzer Seenland wurde mit der ökologischen Baubegleitung beauftragt. Speziell für den Schutz des Wolfes kooperiert er mit dem Büro Lupus. Dieses konnte jedoch bei der jüngst auf den Sanierungsflächen gefundenen Wolfshöhle die Funktion als „Wurfhöhle“ nicht bestätigen.

Die Flächen in den Sprengbereichen wurden durch die ökologischen Baubegleitung nochmals vorsorglich abgesucht. Weitere Wolfshöhlen wurden jedoch nicht gefunden. Auch Fotofallen blieben ergebnislos.

Wie die LMBV mitteilte, konnte bei der Beratung mit der Naturschutzbehörde des Landkreises Bautzen im April sowohl für das Verfahren der Sprengarbeiten als auch den Beginn der Maßnahme im Juni eine Tötung von Wölfen ausgeschlossen werden.

Damit wollen sich die Naturschützer aber offenbar nicht zufrieden geben und haben eine Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz an die Landesdirektion Sachsen gerichtet. Die Anfrage kommt einer Aufforderung nach behördlichem Einschreiten gleich. Bleibt abzuwarten, ob der BUND mit seiner Forderung durchkommt. Sollte dem so sein, könnte sich die Bergbausanierung in der Lausitz weiter verzögern.