Allgemeines Erstaunen bei den Gästen der Eröffnungsfeier für die Wolfsscheune, als Rietschens Bürgermeister Eberhardt Meier bei seiner Begrüßungsrede plötzlich eine Axt hervorholte. Keine gewöhnliche, wie er klarstellte, sondern ein ganz spezielles Beil, mit dem die Balken für ein Schrotholzhaus behauen werden. Der alte Rietschener Zimmermann Paul Röhle hatte sie 14 Tage vor seinem Tod Eberhardt Meier geschenkt, wie dieser der RUNDSCHAU später beim Rundgang durch die Exposition erzählte. Auch die Wolfsscheune mit ihrer Dauerausstellung ist in einem Schrotholzhaus untergebracht, das aus Spremberg stammt, wie Meier den Zuhörern erklärte. Es sei bereits in den 90-er Jahren in zerlegtem Zustand auf die Erlichthofsiedlung gekommen und war hier gelagert worden. Zuvor musste jeder Balken gekennzeichnet werden.

Dank an alle Helfer
Einheimische Handwerker, vorwiegend Rietschener Firmen selbst, haben nach Meiers Angaben das Haus wieder aufgebaut, das jetzt als Domizil für die Wolfsscheune mit dazugehöriger Ausstellung dient. So hinterließen an diesem Objekt unter anderem die Unternehmen Weso (Dach), Schuster (Heizung/Installation) und Mrusek (Maurerarbeiten) aus der Gemeinde ihre Spuren. 250 000 Euro habe das Vorhaben gekostet, wie der Bürgermeister den Anwesenden berichtete, wovon 80 Prozent über das EU-Programm Interreg IIIa gefördert worden seien. Hinzu kommen noch einmal 62 500 Euro für die Ausstellung selbst, erläuterte Jana Schellenberg, Projektleiterin des Kontaktbüros „Wolfsregion Lausitz“ , gegenüber der RUNDSCHAU. Sie richtete einen speziellen Dank an das Staatliche Museum für Naturkunde in Görlitz und hier speziell an Dr. Karin Hohberg für ihr Engagement von der Idee bis zur Fertigstellung der Ausstellung. Zu den Ehrengästen gehörten auch Gregor Beyer vom Nabu-Bundesverband und Michael Scholing von der Volkswagen AG. Nabu und VW fördern das Wolfsprojekt bundesweit.
Landrat Bernd Lange erinnerte an die Wolfskonferenz im Fema-Kulturhaus vor Jahren, als beim Thema Wolf Pro und Contra aufeinander prallten, die Emotionen hoch schlugen. Damals sei der Gedanke entstanden, eine Einrichtung zu schaffen, die auf wissenschaftlicher Grundlage fachlich fundierte Informationen über den vierbeinigen Heimkehrer liefert, aufklärend wirkt, zur Versachlichung der Debatte beitrage. Somit sei der Grundstein für das jetzige Wolfskontaktbüro gelegt worden. Lange würdigte in dem Zusammenhang die über dreijährige Tätigkeit von Jana Schellenberg und ihrer Mitstreiter, die in dieser Zeit oftmals ungerechtfertigten Angriffen in der Öffentlichkeit ausgesetzt gewesen seien.
Mit der jetzigen Eröffnung der Wolfsscheune erhalte der Bürger eine Übersicht über den Stand der Wolfsforschung, und gleichzeitig bekomme das Kontaktbüro verbesserte Arbeitsbedingungen.
Nachdem das Band am Eingang der Scheune durchschnitten worden waren, begaben sich die Teilnehmer der Eröffnungsfeier auf einen Rundgang durch das Gebäude. Es ist übrigens energiesparend gebaut worden, wird mit Erdwärme beheizt und besitzt dreifach verglaste Fenster.
Auf zahlreichen Informationstafeln in Deutsch, Polnisch und Englisch erhalten Besucher in der unteren Etage einen Überblick über das Leben der Wölfe. Zwei präparierte Exemplare erweckten das besondere Interesse der Gäste. Dort staute sich zeitweise der Strom der Gäste.

Echtes Wolfsgeheul ertönt
In Abständen von zehn Minuten ertönt etwa für eine halbe Minute echtes Wolfsgeheul aus dem Lautsprecher. Auch wenn es nicht von einem Wolf in freier Natur aufgenommen wurde, wie Jana Schellenberg der RUNDSCHAU verriet, ist die Wirkung auf die Ausstellungsbesucher nicht zu übersehen. Die haben die Möglichkeit, an einer anderen Stelle per Knopfdruck Lautäußerungen von Wölfen in vier verschiedenen Situationen abzurufen. Im Hörer vernimmt der Interessent akustisch die Auseinandersetzung von Wölfen, die Begrüßung eines bekannten Tieres, die Warnlaute der Wolfsmutter und das Heulen einer einsamen Wölfin. Bei letzterer handelt es sich um die Neustädter Wölfin, deren schaurige Stimme schon in zahlreichen Vorträgen von Jana Schellenberg im Lautsprecher ertönte.
Der Raum in der oberen Etage des Gebäudes ist Vorträgen, Foren, Diskussionen und anderen Veranstaltungen vorbehalten. Dort läuft auch, ebenfalls auf Knopfdruck der Besucher, der Film „Wölfe in der Lausitz“ von Sebastian Körner.

Zum thema Öffnungszeiten
 Die Rietschener Wolfsscheune kann dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr besucht werden. Während der Winterzeit gelten eingeschränkte Öffnungszeiten. Nach Voranmeldung ist das Haus auch zu anderen Zeiten zugänglich. Der Eintrittspreis beträgt einen Euro.