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| 22:47 Uhr

Naturaufnahmen in der Bergbaufolgelandschaft
Wolfsfilmer hat den Wiedehopf im Visier

 Den Wiedehopf versucht Sebastian Koerner vor die Kamera zu bekommen. Das ist schwer. Dieses Foto hier gelang Dirk Donner im Naturparadies Grünhaus.
Den Wiedehopf versucht Sebastian Koerner vor die Kamera zu bekommen. Das ist schwer. Dieses Foto hier gelang Dirk Donner im Naturparadies Grünhaus. FOTO: Dirk Donner
Spreewitz. Sebastian Koerner aus Spreewitz will die Artenvielfalt der Bergbaufolgelandschaft in einem neuen Film präsentieren. Dafür hat der 55-Jährige nur ein kleines Zeitfenster. Von Torsten Richter-Zippack

Sebastian Koerner gilt als einer der bekanntesten Wolfsfilmer Deutschlands. Seit vielen Jahren dreht der gebürtige Osnabrücker, der seit rund anderthalb Jahrzehnten in Spreewitz lebt, im Lausitzer Wolfsgebiet. Streifen mit den Titeln „Deutschlands wilde Wölfe – wie sie wirklich sind“ oder „Familie Wolf – Gefährliche Nachbarn?“ sind bereits in mehreren TV-Sendern ausgestrahlt worden. Jetzt will der Biologe und Naturfilmer gemeinsam mit den hiesigen Fotografen Karsten Nitsch (Neustadt/Spree) und Lennert Piltz (Spremberg) die Tier- und Pflanzenwelt der Lausitzer Bergbaufolgelandschaft mit der Kamera einfangen.

„Erstmals stehen dabei nicht die Wölfe im Mittelpunkt“, sagt Koerner. Stattdessen liege dieses Mal der Fokus auf dem Reichtum der Landschaft nach der Kohle. „Ich filme unter anderem Feldlerchen, Zauneidechsen und Ameisenlöwen“, sagt der Kameramann. Begeistert berichtet der 55-Jährige von Aufnahmen einer Trichterspinne, die in romantischer Morgenstimmung ein riesiges Netz über Silbergras ausspannt. „Allerdings ist es mir bislang noch nicht gelungen, Wiedehopfe genügend lange vor die Kamera zu bekommen“, bedauert Sebastian Koerner. Die stolzen Vögel sind ebenfalls in der Bergbaufolgelandschaft heimisch, aber sehr scheu.

Koerner, Nitsch und Piltz haben für ihre Aufnahmen nur ein begrenztes Zeitfenster. „Bereits im Herbst müssen alle Bilder vorliegen“, sagt der Spreewitzer. Denn schon im kommenden Frühjahr soll der Streifen im Filmstudio des deutsch-französischen TV-Senders Arte geschnitten werden. Mit der Ausstrahlung sei wohl erst im Jahr 2021 zu rechnen, dann im Rahmen einer Serie im Umweltbereich, die weltweit alte Industrielandschaften thematisiert.

 Sebastian Koerner filmt derzeit für eine Natur-Dokumentation.
Sebastian Koerner filmt derzeit für eine Natur-Dokumentation. FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack

Für den 52-minütigen Film ist Sebastian Koerner insbesondere auf den Flächen des Naturschutzgroßprojektes Lausitzer Seenland unterwegs. Dieses Areal erstreckt sich auf knapp 6000 Hektar von Spreetal bis zum Erika-See an der Grenze zu Brandenburg. Darüber hinaus sollen auch Aufnahmen aus dem Naturparadies Grünhaus zwischen Lauchhammer und Finsterwalde sowie aus der Tagebaulandschaft von Wanninchen bei Luckau zu sehen sein.

Sebastian Koerner wollte eigenen Angaben zufolge bereits als Kind Tierforscher und Tierfilmer werden. Kein Wunder, dass der gebürtige Osnabrücker an der Universität seiner Heimatstadt ein Biologie-Studium aufnahm. In den 1990er-Jahren fungierte Koerner als Mitarbeiter und späterer Leiter der Nabu-Naturschutzstation Kranenburg am Niederrhein. Über Tätigkeiten für das Biosphärenreservat Schorfheide-Chrin gelangte der Tierfilmer in die Lausitz. Nach der Jahrtausendwende zog es ihn zum Wildbiologischen Büro Lupus in Spreewitz. Im Jahr 2003 entstanden die ersten Aufnahmen Lausitzer Wölfe.

Das Wichtigste dabei sei eine extreme Geduld und Ausdauer. „Mal eben so einen Wolf vor die Kamera bekommen, funktioniert in aller Regel nicht“, weiß Koerner. Ebenso verhalte es sich mit zahlreichen weiteren Tierarten. Manchmal zahle sich selbst stundenlanges Warten nicht aus. „Ein wenig Glück gehört eben auch dazu“, sagt der Spreewitzer Tierfilmer.