Von Anja Guhlan

Insgesamt 22 Studenten aus dem gesamten Bundesgebiet haben sich für drei Tage in Hoyerswerda zusammengefunden. Im Herzen der Lausitz wollen sie Zukunftsskizzen für eine Kleinstadt wie Hoyerswerda entwickeln.

Aufgeteilt in vier Gruppen, die sich den Schwerpunkten Umwelt, Wirtschaft, Tourismus und Soziales widmen, präsentieren die Protagonisten in den unterschiedlichsten Formen ihre Ergebnisse innerhalb von jeweils zehn Minuten. Ob als Improvisationstheater, in einem Impulsvortrag, mittels Plakaten oder mittels Computerpräsentation stellen die Studenten ihre Zukunftsideen vor.

Tiny-House-Bewegung aus den USA als Vorbild

So könnte Hoyerswerda eine Modellregion für neue architektonische Bauformen werden. Die Studentengruppe nimmt als Beispiel die neue Baubewegung der Tiny-House-Bewegung aus den USA auf, die das Leben in kleinen Häusern propagiert. Dies sei nach Ansicht der Studenten nachhaltig und auf Minimalismus ausgerichtet. „Eine Bauform, die Aufmerksamkeit auf eine Region wie Hoyerswerda ziehen könnte“, erklärt einer der Mitwirkenden.

In der Tourismus-Gruppe werden Ideen eines Museumsverbandes entwickelt, indem alle Museen der Region miteinander vernetzt wären. Auch alternative Unterkunftsformen wie Campingplätze und Hostels für Touristen werden angeregt. „Auch könnten Modelle wie die Unterkunft bei Gastfamilien eine neue Art des Tourismus werden, da man direkt bei den Einwohnern der Stadt einen viel intensiveren Einblick in die Stadt erhält“, schlägt eine Studentin vor.

Grünes Parlament und Sharing-Projekte

In der Umweltgruppe wird mit Ideen gespielt, das autonome Fahren mittels selbst fahrender Bussen in Hoyerswerda zu etablieren. Das würde ebenfalls Aufmerksamkeit auf die Stadt ziehen. Auch verschiedene Sharing-Projekte könnten innovative Ideen sein. Oder aber das Teilen von Fahrzeugen, Lebensmitteln beziehungsweise das gemeinsame Gärtnern in Stadtgärten. Landwirtschaftliche Produkte sollten zudem direkt vermarktet werden, Unverpackt-Läden Einzug in die Stadt halten, und eine grünes Parlament könnte initiiert werden, das sich bestimmte umweltspezifische Ziele setzt. Beispielsweise die Grünflächen der Stadt mehr zu beleben. Zudem wird angeregt, Vertreter aus den Gremien der unterschiedlichen Städte und Gemeinden zusammentreffen zu lassen, um gemeinsame Ziele für eine stärkere Region zu definieren.

Es sind viele Ideen, die sich auch lokale Akteure anhören. „Es ist immer gut, auch mal von Außenstehenden neue Impulse zu erhalten, statt immer nur im eigenen Saft zu schmoren. Da bleibt durchaus der eine oder andere Gedanke hängen“, berichtet Hans-Joachim Donath, ein Vertreter des Stadtrates in Hoyerswerda. Auch die heimische Architektin Dorit Baumeister zeigt sich begeistert. „An einigen Gedanken ist die Stadt und die Region ja schon durchaus dran. Dennoch ist es schön, mal von außen neue Ideenskizzen zu bekommen.“

Ländlichen Raum lebenswert erhalten

Die Regionalgruppe Leipzig/Halle des Studienförderwerkes der Stiftung der deutschen Wirtschaft hat die Ideenwerkstatt organisiert. Unter dem Titel „Stadt, Land, Flucht?“ sollen die Studenten vor allem für Städte im ländlichen Raum Aspekte finden, die den Raum lebenswert halten. „Wir möchten uns speziell mit Kleinstädten im ländlichen Raum beschäftigen. Da fiel mir persönlich sofort Hoyerswerda ein. Da ich hier mal ein Praktikum gemacht hatte, kannte ich diese Stadt schon. Und sie hat bei mir etwas hinterlassen“, erklärt Michael Mazurkiewcz, einer der Organisatoren.

„Bei diesem freiwilligen Seminar behalten die Beteiligten zwei Fragen im Hinterkopf, entlang derer sie Ideen entwickeln. Beispielsweise: Was erwarte ich von einer Stadt wie Hoyerswerda? Und was kann ich dorthin mitbringen?“, erklärt Paul Schacher, ein weiterer Organisator.

Alle Beteiligten nehmen unter anderem an einer architektonischen Tour durch den Gastgeberort teil, besuchen das Kraftwerk in Schwarze Pumpe, sprechen mit Akteuren in der Stadt und lassen die Stadt auf sich wirken.