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Wölfe reißen zwei Schafe in Rachlau

Furchtbarer Anblick: Das gerissene Mutterschaf in Rachlau.
Furchtbarer Anblick: Das gerissene Mutterschaf in Rachlau. FOTO: Gebhard
Wittichenau/Rachlau. Die Meldungen der letzten Tage kommen Schlag auf Schlag: Ende August töten Wölfe bei einem Schafhalter in Cunnewitz ein Tier und verletzen weitere so schwer, dass sie eingeschläfert werden müssen. In der Nacht zum vergangenen Dienstag reißt ein Wolf ein Schaf aus einer Herde bei Rosenthal. Catrin Würz

Scheinbar hat das Raubtier dabei einen 1,30 Meter hohen Weide- und Elektrozaun mit Flatterband übersprungen - ein Schutzzaun, der nach allen Regeln der Kunst und gemäß aller Vorschriften errichtet war.

Nur eine Nacht später schlagen dann Wölfe in Rachlau bei Wittichenau zu: Ein großes Mutterschaf und ein Bock werden in einem Garten mit 1,50 Meter hohem Maschendraht direkt neben einer Scheune gerissen - und teils dort auch noch gefressen.

Hobbyzüchterin Editha Gebhard ist noch immer fix und fertig, wenn sie davon erzählt, wie sie am Mittwochmorgen alles vorgefunden hat. Sie und ihr Lebensgefährte Hartmut Mann halten Schafe und Ziegen in drei kleinen Gruppen, mit denen sie quasi Grünpflege für Nachbarn betreiben. "Die älteren Leute sind uns dankbar, dass die Schafe die Grünflächen kurz halten, die sie selbst nicht mehr bewirtschaften können", ergänzt Hartmut Mann.

Und nun sind die Rachlauer Hobby-Tierhalter schon zum zweiten Mal Opfer eines Wolfsangriffs geworden. Vor knapp zwei Jahren hatten Wölfe im Oktober 2015 schon mal eine Ziege und ein Schaf in einem mit Maschendraht umzäunten Gehege gerissen. Die Raubtiere haben sich jeweils unter dem Zaun durchgegraben. Editha Gebhard weiß, dass der Maschendraht bei den Wolfsschützern nicht als geeignet für die Wolfsabwehr empfohlen wird. "Aber wir sind doch hier mitten im Dorf direkt neben der Bebauung", sagt die 52-Jährige verzweifelt. "Ich bin nicht gegen den Wolf. Aber wenn er so nah an die Dörfer kommt, muss was getan werden."

Das Landratsamt Bautzen bestätigt, dass es sich beim Rachlauer Wolfsriss um das Rosenthaler Rudel handeln könnte. Jenes "Problemrudel", das bereits im vergangenen Jahr mit zahlreichen Übergriffen auf Nutztierherden und mit überwundenen Schutzzäunen für Schlagzeilen gesorgt hatte. In diesem Jahr zählt das Landratsamt bislang elf Schafe, die auf das vermutliche Territorium des Rosenthaler Rudels fallen. Insgesamt wurden innerhalb des Landkreises seit Jahresbeginn 41 tote oder verletzte Schafe registriert, bei denen der Wolf als Verursacher gilt.

Das Kontaktbüro "Wölfe in Sachsen" in Rietschen appeliert indes weiter an die Tierhalter, ihre Schutzmaßnahmen zu erhöhen. Im Territorium des Rosenthaler Rudels sei es unbedingt erforderlich, Elektrozäune durch das Anbringen eines "Flatterbandes" (Breitbandlitze) zusätzlich zu sichern. Das Band wird 20 bis 30 Zentimeter über den stromführenden Zaun gespannt und soll es dem Wolf erschweren, die Höhe des Hindernisses abzuschätzen. "Die Tierhalter im Territorium des Rosenthaler Rudels können das Flatterband und Weidepfähle kostenfrei bei der Biosphärenreservatsverwaltung ausleihen", teilt Sophia Liehn vom Wolfs-Kontaktbüro mit.

Der Bautzener Landrat Michael Harig (CDU) hatte indes erst vor wenigen Tagen erneut vorgeschlagen, das "Problemrudel" von Rosenthal zu entnehmen, weil einzelne Wölfe gelernt haben, die Weidezäune zu überwinden. Der Antrag wird derzeit bei den Landesbehörden bearbeitet.

Editha Gebhard treibt nun allerdings eine weitere Angst um. Keine zehn Meter von jener Stelle, an der die Wölfe Dienstagnacht den Maschendraht überwunden haben, stand ihre kleine Shetlandpony-Gruppe auf der elektroumzäunten Weide. Die Rachlauerin befürchtet, dass eines Tages auch diese Tiere ins Visier der Wölfe geraten könnten. "Das wäre furchtbar."