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Wo rohe Kräfte sinnlos walten

So sah es vor wenigen Tagen am Ehrenhain in Hoyerswerdas Neustadt aus. Unbekannte haben die oberen Betonteile der Begrenzungsmauern mit roher Gewalt zerstört und herumgeschmissen.
So sah es vor wenigen Tagen am Ehrenhain in Hoyerswerdas Neustadt aus. Unbekannte haben die oberen Betonteile der Begrenzungsmauern mit roher Gewalt zerstört und herumgeschmissen. FOTO: Stadt Hoyerswerda
Hoyerswerda. Vandalismus und Zerstörungswut nehmen in Hoyerswerda kein Ende. Fast täglich muss der städtische Bauhof irgendwo die Folgen hirnloser Exzesse beseitigen – und dafür Geld und Arbeitskraft binden. Es gäbe Besseres zu tun. Catrin Würz

Die letzten Tage waren wieder mal extrem. Kurz vor dem Wochenende haben Unbekannte am Ehrenhain in der Neustadt und im Stadtpark am King-Haus gewütet. Mit roher Gewalt haben sie Betonelemente der kleinen Begrenzungsmauern zerschlagen und herumgeworfen. Im Park wurde eine Sitzbank komplett zerlegt. Und am Samstagmorgen mussten Mitarbeiter des städtischen Bauhofes dann zwei mit brutaler Gewalt zerschlagene Mülleimer am Aussichtspunkt Scheibe-See aufräumen. "Diese Mülleimer waren mit gut sechs Zentimeter Beton ummantelt. Wir dachten, sie wären nicht zu zerstören", sagt Bauhofleiter Ulf Scholz. Wieder einmal wurde er eines Besseren belehrt. Vermutlich arbeiteten sich die Randalierer mit einem Vorschlaghammer an dem harmlosen Papierkorb ab.

Fast täglich hat der Bauhof im Stadtgebiet mit den Folgen solcher Zerstörungswut zu tun oder mit anderen Beschädigungen, wie umgebogenen Verkehrszeichen, herausgerissenen Leitpfosten, beschädigten Spielgeräten, Graffiti-Schmierereien oder mutwilligen Vermüllungen. Schadensbeseitigung und Reparatur fressen nicht nur Geld für Neuanschaffungen und Material. "Vor allem die aufgewendete Arbeitszeit ist enorm. Wenn ich alles zusammenrechne, ist ein ganzer Mitarbeiter übers Jahr gerechnet nur mit solchen Dingen beschäftigt", sagt Ulf Scholz. Ein Jahresgehalt kostet es die Stadt also, all das wiederherzustellen, was ohne Sinn und Verstand zerstört wird.

Dabei hätten Bauhof und Grünflächenamt mit ihren derzeit 23 Mitarbeitern Besseres zu tun. "Es ist schon frustrierend, an manchen Stellen immer wieder von vorn anzufangen", so Scholz. Und nicht immer können seine Mitarbeiter alles stehen und liegen lassen, um Hinterlassenschaften der Randalierer zu beräumen. Am Ehrenhain wurden die zerstörten Betonelemente deshalb erstmal nur sichergestellt. In welcher Form das repariert werden kann, muss noch geklärt werden. Und wie die nächste "bomben sichere" Variante von Papierkörben am Scheibe-See aussehen könnte, weiß heute noch niemand. Was müsste gegen diese Entwicklungen getan werden? Ulf Scholz zuckt mit den Schultern. Fast nie finden sich Zeugen für die Taten, fast nie wird so ein Vorfall aufgeklärt.

Auch die Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda hat regelmäßig mit Vandalismus zu kämpfen. Vor allem im Zentralpark im Neustadt-Zentrum. Allein in diesem Jahr musste das Wohnungsunternehmen dort schon viermal Beschädigungen feststellen, bestätigt WH-Sprecherin Petra Scholz. Beschmierte Bänke, kaputte Papierkörbe, angekokelte Lampen sind ständig dabei. Insgesamt 6700 Euro kosteten die Reparaturen und Erneuerungen seit Jahresbeginn. Und das Jahr ist noch nicht um. "Es ist völlig unverständlich, wie manche Menschen mit den Dingen umgehen, an denen sich viele andere erfreuen wollen", sagt Petra Scholz. Die Wohnungsgesellschaft registriert einen Anstieg solcher Zerstörungen. Voriges Jahr hatte es insgesamt nur zwei Vandalismus-Fälle im Zentralpark gegeben, sie kosteten 2500 Euro. Für dieses Jahr wird die Summe ungleich größer.

Auch die Lebensräume Hoyerswerda können ein trauriges Lied von mutwilligen Beschädigungen singen. "Wir können zwar keinen Schwerpunkt-Ort unter unseren Wohnanlagen benennen", sagt Vorstand Axel Fietzek. Aber das Problem sei auch bei der Genossenschaft latent vorhanden: Graffiti-Schmierereien und Diebstähle, die teure Schäden an der Bausubstanz anrichten, benennt er. Vor einigen Jahren hatten Unbekannte an der Schöpsdorfer Straße Kupferplatten herausgerissen und gestohlen, die über die Historie von Schöpsdorf erzählten. Und erst vor eineinhalb Jahren versuchten Diebe, die Zunftzeichen an den Eingängen der neuen Wohnanlage Altstädter Eck abzureißen. Bei einem Kupferrelief gelang es, bei anderen blieben Zerstörungen zurück. "Alles, was wir heute neu bauen, müssen wir vandalismusfest gestalten und müssen immer mit dem Schlimmsten rechnen. Das ist wirklich sehr traurig."