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Wo Knochenarbeit geleistet wurde

Dagmar Steuer führt Dirk Kobalz, Heidi und Nele Kockot durch die Bockwindmühle.
Dagmar Steuer führt Dirk Kobalz, Heidi und Nele Kockot durch die Bockwindmühle. FOTO: K. Demczenko/dcz1
Dörgenhausen. Eine verschworene Gemeinschaft sind die Mitglieder des Mühlenvereins Dörgenhausen, die wie jedes Jahr den Deutschen Mühlentag als Höhepunkt im Leben ihres Dorfes organisieren. Dagmar Steuer gehört zu ihnen und stellte die Geschichte und die Technik der über 300 Jahre alten Bockwindmühle den vielen Besuchern vor. Katrin Demczenko / dcz1

Die Mühle ist auf dem Bock drehbar gelagert und konnte in den Wind gedreht werden. So ließ sich jedes Lüftchen zum Mahlen verschieden grober Mehle, von Hirse stampfe und Kleie ausnutzen, erklärte Dagmar Steuer. Als die Bockwindmühle 1920 aus Polen nach Dörgenhausen gebracht und aufgebaut wurde, standen rundherum keine Häuser, damit der Wind die vier 19 Meter langen hölzernen Flügel gut erreichen konnte. Das dokumentiert ein erhalten gebliebenes Foto aus jener Zeit.

Heute wird das technische Denkmal mit einem Motor angetrieben, damit die Besucher wenigstens hören können, in welcher Geräuschkulisse Müller Werdin und seine Gesellen ihre körperlich schwere Arbeit verrichtet haben, erzählte Dagmar Steuer. Die Bockwindmühle war bis 1941 in Betrieb, wurde unter der Leitung des Mühlenbaumeisters Max Lorenz Anfang der 1960er-Jahre restauriert und gehört seit 1977 Dörgenhausen als technisches Denkmal.

"Das muss doch ein Knochenjob gewesen sein", sagte Heidi Kockot aus Hoyerswerda beeindruckt, die das erste Mal in ihrem Leben in einer Mühle stand. Jetzt könne sie ermessen, wie viel Arbeit notwendig ist, um aus Getreide Mehl herzustellen und welchen Wert Brot für die Menschen früher gehabt haben muss. Ihr Mann Günter, der die Bockwindmühle schon kannte, hatte den Fahrradausflug vorgeschlagen, dem sich Kinder und Enkel des Rentnerehepaares anschlossen.

Aus Dresden war Familie Kaden mit dem Auto nach Dörgenhausen gekommen, die schon seit Jahren an jedem Deutschen Mühlentag eine andere Wind- oder Wassermühle besucht. Die Geschichten, die sie über die technischen Denkmale erfahren, faszinieren sie, sagte Ina Kaden. Josef Modczygemba und seine Frau aus Hoyerswerda kommen in erster Linie zur Dörgenhausener Mühle, weil sie hier Bekannte treffen und den familiären Charakter des Festes mögen.

Damit dieses jedes Jahr am Pfingstmontag mit selbst gebackenem Kuchen, Bratwurst und am Nachmittag mit Livemusik stattfinden kann, leistet der Mühlenverein Dörgenhausen viel Vorbereitungsarbeit. Übers ganze Jahr pflegt er die Bockwindmühle sowie das Areal rundherum und organisiert notwendige Reparaturen, sagte Vereinsmitglied Hans-Joachim Lanzky. Er findet gut, dass die Aktiven dabei von allen Dorfbewohnern nach Kräften Unterstützung erhalten. Der 65-jährige Lanzky und seine Frau sind seit zwölf Jahren im Mühlenverein und diese Mitgliedschaft hat den damals Zugezogenen den Weg in die Dorfgemeinschaft geebnet.

Er erwähnte auch, dass zum Fest am Deutschen Mühlentag immer Gäste eingeladen werden. Der Rassekaninchenzuchtverein S 28 Hoyerswerda und Umgebung zeigte seine Tiere und die Imkerei Hentschel aus Zeißig hatte Honig mit. Die Hobbymalerin Petra Walter aus Wittichenau stellte ihre Landschaftsgemälde und filigran gezeichneten Blumenbilder aus. Die Korbflechter der Wohnstätte der Lebenshilfe Dörgenhausen brachten ihre Produkte mit und leiteten die Jüngsten an, ein Körbchen zu flechten. Die Kinder- und Jugendfarm Hoyerswerda organisierte für sie das Ponyreiten und Eis-Ulli sorgte ebenfalls für ein schönes, gut besuchtes Mühlenfest.