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Wo einst Europas größter Bus fuhr

Kässbohrer-Karosse von 1936: Europas größter Bus, hergestellt für das Hoyerswerdaer Bus-Unternehmen Hans Mietrach.
Kässbohrer-Karosse von 1936: Europas größter Bus, hergestellt für das Hoyerswerdaer Bus-Unternehmen Hans Mietrach. FOTO: Sammlung Uwe Jordan
Ebay verhieß unter dem üblichen Hoyerswerda-Krempel zur Internet-Auktion etwas, das mich aufschauen ließ: „Hoyerswerda, Bus, Mietrach”. Moment mal . . . Ein Leser hatte uns eine gerasterte Kopie zugesandt, gefunden im Buch „Das neue Universum” von 1941; 62.Band, Seite 236 – mit der Information, dies sei der damals größte Omnibus der Welt gewesen, „angeschafft von einem geschäftstüchtigen Hoyerswerdaer” namens „Mietrach” für den Arbeitertransport nach Lautawerk. Von Uwe Jordan

Das war freilich dünn. Sollte sich jetzt eine neue Chance auftun, Genaueres zu erfahren„ Das Foto ward ersteigert, und, o Wunder: Es war eine tadellose Werksfotografie, zeigend den Bus, gefertigt bei Karl Kässbohrer in Ulm, vor dem dortigen Münster. Auf der Rückseite versehen mit dem strengen Hinweis: "Diese Abbildung darf ohne unsere Genehmigung weder copiert, noch sonst vervielfältigt, noch dritten Personen oder Konkurrenzfirmen zugänglich gemacht werden. (Gesetz vom 11. Juli 1870 § 43) Karl Kässbohrer, Ulm a.D. Wagen- u. Karosseriefabrik”.
Diese Erlaubnis samt mehr Wissen hätte ich ja gerne eingeholt - aber Kässbohrer hat sich längst von seiner Bus-Sparte getrennt. Bei den Erben-Firmen mit neuen, anderen Profilen weiß keiner mehr was; erst recht nicht EvoBus, der Erwerber der Bus-Sektion Kässbohrers.
Doch da ist ja auf dem Foto, auf der Beifahrertür, deutlich zu erkennen, dass der Bus an "Hans Mietrach, Hoyerswerda, Ruf 284” geliefert würde.
Telefonieren muss ich da ja wohl nicht, aber im Internet . . . werde ich fündig! "Mietrach Reisen Bielefeld”, auf der Website ein Foto wie meines; nur dass vor dem Bus eine Menge Leute stehen und die Hoyerswerda-Tür verdecken.
Geschäftsführer Carsten Mietrach leitet in dritter Generation das Familien-Unternehmen: Seine Großeltern, Hans und Elfriede Mietrach, sind 1953 aus der DDR geflohen, haben in Bielefeld neu angefangen. Der Bus“ Ja, klar: Der war 1936 gekauft worden. Ein 18,70 Meter langer Spezialbau von Kässbohrer, dessen mahagonibeschlagener Schwenkhänger 122 Fahrgästen Platz bot (exakt so viele stehen auf dem besagten Foto vor dem Bus) und der von einer Mercedes-Benz-Zugmaschine bewegt wurde.
Nicht als Reise-, sondern als Linienbus Dresden - Hoyerswerda - Lautawerk. An einer Kreuzung hatte man drei Eichen fällen müssen, damit der Bus die Kurve nehmen konnte - das habe ihm seine Großmutter kurz vor ihrem Tode noch erzählt.
Mit ihr war er nach der Wende auch ein paar Mal in Hoyerswerda, auf Spurensuche.
Das alte Mietrach´sche Gelände ist jetzt das Autohaus Socher in der Senftenberger Vorstadt. Selbst die Scheune an der Bahn, in der der Bus untergebracht war, habe man gefunden - und bei der Besichtigung das Misstrauen des gegenüber Wohnenden geweckt: "Was tun Sie denn da„” "Aber hier stand doch früher unser Bus”, antwortete Frau Mietrach senior. Woraufhin der Mann gerührt in Erinnerungen kramte: Den Bus, den habe damals doch sein Vater gefahren! Ja - und was ist nun aus diesem Wagen geworden, den es so in ganz Deutschland nur drei Mal gab, einmal davon obendrein als nur Kurzversion (in Dessau)“ Carsten Mietrach muss Betrübliches berichten: 1945, in den letzten Kriegstagen, hätten seine Eltern den Wagen retten wollen, wären damit über die tschechische Grenze - aber dort unter Beschuss geraten.
Der Bus brannte völlig aus. Unwiederbringlich. Nur das Foto gibt es noch. Und, ja, die Firma Mietrach.

Hintergrund Mietrach Reisen
 Wilhelmstr.14, 33602 Bielefeld, 0521/521930;
Angebot: Urlaubs-, Rund-, Erlebnis-, Kunst-und-Kultur-, Sport-, Advents-, Weihnachts-, Silvester-, Winter- und Schiffs- sowie Bus-Flugreisen www.mietrach-reisen.de