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| 14:52 Uhr

Pflegekinder
Jedes Kind hat eine Familie verdient

Die Sozialarbeiterinnen des Pflegekinderdienstes Daniela Dolgner und Susanne Kockert informieren über  die Aufgaben der Pflegeeltern. Die langjährige Pflegemutter Theresia Bialas (M.) informiert über den Alltag und darüber, was Pflegekinder besonders brauchen.
Die Sozialarbeiterinnen des Pflegekinderdienstes Daniela Dolgner und Susanne Kockert informieren über die Aufgaben der Pflegeeltern. Die langjährige Pflegemutter Theresia Bialas (M.) informiert über den Alltag und darüber, was Pflegekinder besonders brauchen. FOTO: Anja Guhlan
Wittichenau. Pflegekinderdienst des Kreises sucht neue Pflegeeltern und veranstaltet erstmals einen Informationsabend in Wittichenau. Von Anja Guhlan

Der Appell ist deutlich. „Wir suchen neue Pflegeeltern“, sagt Susanne Kockert, Sozialarbeiterin beim Allgemeinen Sozialen Dienst des Landratsamtes Bautzen, die für den Kinderpflegedienst mit zuständig ist. Ein fremdes Kind, das aus einer Krisensituation in der eigenen leiblichen Familie herausgeholt wurde, in seine Familie aufzunehmen, ihm Schutz, Liebe und Ruhe zu geben, darum geht es beim ersten Informationsabend des Pflegekinderdienstes des Landkreises.

35 Interessierte sind gekommen, um sich erstmalig zu informieren. „Wir suchen sowohl Pflegeeltern für die Vollzeitpflege als auch für die familiäre Bereitschaftspflege. Denn die Zahl der zu vermittelnden Kinder steigt“, erläutert Daniela Dolgner, ebenfalls Sozialarbeiterin im Pflegekinderdienst.

Zurzeit gebe es im Landkreis 220 Pflegekinder. Dabei werde zwischen befristeter und unbefristeter Vollzeitpflege und der Bereitschaftspflege unterschieden. Bei einer Bereitschaftspflege ist die Mitwirkung der Pflegeeltern schnell erforderlich. In diesen Fällen wird ein Kind oft plötzlich wegen eines Unfalls, wegen Krankheit, Gewalt oder Sucht der Eltern aus der Familie geholt, erläutert Kockert. Während die Bereitschaftspflege zeitlich begrenzt ist, gehe es in der unbefristeten Vollzeitpflege darum, Kindern ein dauerhaft neues Zuhause zu geben. „Oft bleiben die Kinder bis zur Volljährigkeit oder darüber hinaus bei den Pflegeeltern“, berichtet Kockert.

Doch was braucht ein Pflegekind? Diese Frage konnte Pflegemutter Theresia Bialas (67) aus Wittichenau, die in 22 Jahren bereits 16 Pflegekinder in unterschiedlichen Pflegeformen betreut hat, gut beantworten. „Die Kinder sollten ein schützendes Umfeld mit Liebe und Fürsorge bekommen, in dem sie unbeschwert erwachsen werden können. Wer ein Pflegekind betreuen möchte, braucht Geduld, Belastbarkeit und besonderes Einfühlungsvermögen. Denn die Mädchen und Jungen bringen ihre eigenen Päckchen mit ihrer Lebensgeschichte mit, haben Unterschiedliches erlebt. Um dieses Päckchen zu öffnen, braucht es oft viel Zeit“, berichtet sie.

Die Arbeit als Pflegemutter empfindet Bialas als schöne und bereichernde Aufgabe. Auch wenn es manchmal gilt, Herausforderungen zu bewältigen. Denn sowohl in der Bereitschaftspflege als auch in der Vollzeitpflege gilt es den Kontakt zu den leiblichen Eltern aufrechtzuerhalten. „Es gibt daher regelmäßige Besuchskontakte mit den Herkunftseltern“, erklärt Kockert. Die Pflegeeltern beider Bereiche erhalten immer eine umfassende Unterstützung von Pflegekinderdienst und Jugendamt.

Doch wie können Interessierte zu Pflegeeltern werden? „Erst einmal werden in einem vereinbarten Erstgespräch alle noch offenen Fragen beantwortet. Sollte dann ernsthaftes Interesse bestehen, werden die künftigen Pflegeeltern einem Überprüfungsprozess zur Eignung unterzogen sowie mit einer Pflegeelternschulung auf die kommende Zeit vorbereitet“, erklärt Kockert.

Pflegeeltern sollten physisch und psychisch gesund sein, in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen leben und mit ihrem Einkommen unabhängig von den Leistungen sein, die sie für das Pflegekind erhalten. „Pflegeeltern zu werden ist ein Prozess. Mitunter kann es bis zu einem Jahr dauern, bis sie als Pflegeeltern ein Kind betreuen“, so Dolgner.

Am Ende freuen sich beide Sozialarbeiterinnen über das große Interesse. „Sollte nur die Hälfte der anwesenden Interessierten am Ende verbindliches Interesse zeigen, wäre das schon ein großer Erfolg“, sagt Kockert. Letztendlich habe jedes Kind eine Familie verdient, in der es behutsam aufwachsen kann. Über weitere Informationsabende werde indessen nachgedacht.