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| 17:03 Uhr

Wirtschaft
Wenn Geschwister ein Unternehmen leiten

Ein gutes Team: Die Geschwister Nicole und John Arko leiten zusammen das Unternehmen Pieprz in Hoyerswerda.
Ein gutes Team: Die Geschwister Nicole und John Arko leiten zusammen das Unternehmen Pieprz in Hoyerswerda. FOTO: Anja Guhlan
Hoyerswerda . John und Nicole Arko haben gemeinsam die Bäckerei Pieprz in Hoyerswerda übernommen. Von Anja Guhlan

Mit dem Bruder oder der Schwester ein Unternehmen leiten – für viele unvorstellbar. Doch in der Region gibt es einige Unternehmen, die von Geschwistern geführt werden – John und Nicole Arko zum Beispiel. Im März 2018 haben sie die Jana Backwaren Vertriebsgesellschaft mbH gegründet, um die  Bäckerei Pieprz nach deren Insolvenz zu führen.

Einer Forsa-Umfrage zufolge vertrauen 88 Prozent der Deutschen eher Familienunternehmen als Konzernen. Dem Mittelstand geht es scheinbar viel stärker um das Wohl am Arbeitsplatz und die Gemeinschaft als  vermeintlich anonymen Großkonzernen.

Auch Nicole (22) und John Arko (23) war schon relativ früh klar, dass sie gerne zusammen arbeiten würden. „Ich fand den Gedanken schon immer schön“, sagt John Arko. Obwohl beide im Kindesalter oft zänkisch miteinander waren, habe sich das bereits im Jugendalter gelegt. Ihre Eltern führen bereits die Landbäckerei Schmidt in Leupoldishain als Familienunternehmen. Nun haben die Kinder die Chance erhalten ein eigenes Unternehmen zu führen.

„Zu zweit verteilt sich alles auch auf mehrere Schultern“, sagt Nicole Arko. Während Nicole Betriebswirtschaft mit der Vertiefung Foodmanagement studiert hat und die betriebswirtschaftliche Seite genau kennt, hat sich John zum Bäcker ausbilden lassen und den Meister gemacht. Beide wollen mit dieser Kombination das Unternehmen gemeinsam führen und gemeinsam geschäftliche Entscheidungen treffen.
„Als Jungunternehmer haben wir bisher noch keinen klassischen Führungsstil. Wir müssen da erst Erfahrungen sammeln“, erklärt John Arko. „Jedoch ist uns beiden das gute Verhältnis zu den Mitarbeitern wichtig. Wir wollen mit ihnen immer stark kommunizieren, was optimiert oder besser gemacht werden kann“, fügt er hinzu. „Zudem sind wir beide qualitätsbewusst. Lieber eine stimmige Qualität statt Quantität. Klasse statt Masse“, fügt Nicole an.

Damit alles im Unternehmen rundläuft, müssen die beiden sich vertrauen und aufeinander verlassen können. „Das können wir als Geschwister gut. Wir kennen uns ja quasi schon unser ganzes Leben lang“, so Nicole Arko. „Zudem schafft man zusammen immer mehr als alleine“, ist  John überzeugt. Und tatsächlich, selbst in Krisenzeiten bleiben Familienunternehmen standhaft.  Laut einer Analyse des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung stockten die 500 größten Familienunternehmen zwischen 2006 und 2008 ihre inländische Belegschaft um etwa 100 000 Stellen auf, während jene 26 Dax-Konzerne, die nicht in Familienhand waren, etwa 100 000 Stellen abbauten.

Doch was sich so romantisch anhört, ist in Wahrheit mindestens eine Herausforderung. Wenn sich private und geschäftliche Rollen, Ziele und Werte miteinander vermischen, kann der Faktor Familie auch eine belastende Hypothek sein. Doch Konfliktpotenzial gibt es bei Arkos nicht oft, sagen die Geschwister.  „Wenn wir uns mal uneinig sind, reden wir vernünftig miteinander und finden Kompromisse“, erklärt der 23-Jährige. Klar habe auch jeder für sich  noch Entwicklungsaufgaben und  lernt jederzeit dazu.

Bisher sind sie stolz in den ersten sieben Monaten ihre rund 40 Mitarbeiter immer noch halten und jeden Monat die offenen Rechnungen bezahlen zu können. „Wir haben bereits Schulungen für unsere Mitarbeiter veranstaltet und wollen das Unternehmen gesund  und nachhaltig wachsen lassen.“ Während Nicole von John eher als diplomatisch, zielstrebig und ruhig beschrieben wird, bezeichnet Nicole ihren Bruder als ehrgeizig, ehrlich und direkt. Beide empfinden diese Charaktereigenschaften gekoppelt als eine gute Kombination, mit der sie beide noch möglichst lange das Unternehmen leiten wollen. „Vielleicht ist es auch der geringe Altersabstand. Wir schwimmen auf derselben Wellenlänge und sind oft derselben Ansichten“, vermuten beide.