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INTERVIEW KATRIN ERB
Vermieter werden oft vermisst bei City-Marketing

 Die Mieten sind nicht die alleinige Ursache, warum immer wieder Läden schließen, beobachtet Katrin Erb, Leiterin Standortpolitik bei der IHK Cottbus. Es gibt viele andere Faktoren, wenn Händler zum Aufgeben gezwungen sind, sagt sie im RUNDSCHAU-Gespräch.

Frau Erb, liegt es an den Ladenmieten, dass Lausitzer Innenstädte viele leere Schaufenster haben?

Erb: Die Ladenmiete kann der berühmte Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt, aber es ist nicht so, dass Ladenmieten allein die Ursache für das Ladensterben sind. Die Gewerbemieten in Südbrandenburg sind nur sehr moderat gestiegen; in vielen Teilmärkten stagnieren sie. Das geht aus der aktuellen Datenerhebung hervor, die wir in den kommenden Tagen veröffentlichen werden. Und es gibt auch sehr gute Beispiele, wie insbesondere kommunale Vermieter auf potenzielle Mieter zugehen.

Wo zum Beispiel?

Erb: Zum Beispiel in Calau. Hier ´bietet die kommunale Wohnungsbaugesellschaft WBC Gewerbetreibenden beim Neustart oder Geschäftsübernahmen ein Starterpaket an, das im ersten Geschäftsjahr 50 Prozent Nachlass auf die Netto-Kaltmiete gewährt. Sie organisiert Beratungen mit der IHK Cottbus zur Existenzgründung vor Ort in Calau, und sie unterstützt Händler und Gewerbetreibende mit Marketing-Aktionen.

Es gibt auch viele private Vermieter. Was lässt sich da bewegen?

Erb: Wenig. Bedauerlicherweise sind private Vermieter nicht so interessiert, unbedingt zu vermieten. Und wenn, dann sind sie kaum zu bewegen, auf eine Nutzungsmischung zu achten, so wie es kommunale Vermieter im Auftrag der Städte können. Auffällig ist auch, dass bei Stadtmarketingaktivitäten zur Belebung der Innenstädte, in den allermeisten Städten die Immobilienanbieter fehlen. In anderen Bundesländern gibt es bereits Gesetzesinitiativen, die regeln, dass Eigentümer verpflichtet werden können, mitzuwirken.

 Händler und Gewerbetreibende klagen oft über Umsatzeinbußen durch Baustellen. Wie unterstützt die IHK Cottbus betroffene Händler?

Erb: Das ist ein Problem, mit dem Gewerbetreibende oft alleine gelassen werden. Bauvorhaben

sind gerade der Landesbetrieb erfüllt seine Pflichten immer sehr gewissenhaft. Wenn Sie hier jemanden direkt ansprechen wollen, könnte das so sein:

Bauvorhaben sind den sogenannten Vorhabenträgern, also beispielsweise dem Landesbetrieb Straßenwesen, den Stadtwerken vor Ort oder den Trink- und Abwasserverbänden oft lange vor Beginn bekannt. oft bereits lange vor Beginn in den Verwaltungen bekannt. Wir raten immer dazu, rechtzeitig und ganz direkt alle Betroffenen einzubeziehen. Und es sollte ein vernünftiges Baustellenmarketing, vor allem in den Innenstädten, geben.

Welche Rechte haben Gewerbetreibende, wenn ihnen Baustellen regelrecht Umsatz abgraben?

Erb: Einen Rechtsanspruch auf Entschädigung gibt es in der Regel nicht. Anders als in Brandenburg, hat aber das Land Berlin ein Sonderprogramm für solche Fälle. Dort können Gewerbetreibende Überbrückungshilfe beantragen, wenn ihr Geschäftsbetrieb durch außergewöhnlich umfangreiche und lang andauernde Straßenbaumaßnahmen existenziell behindert wird, und sie das auch nachweisen können. Dabei handelt es sich um freiwillige Leistungen, und die bürokratischen Hürden sind hoch. Aber auch in Brandenburg könnte so ein Sonderprogramm helfen, Ladengeschäfte und alle weiteren gewerblichen Anlieger in der Region zu unterstützen.

Mit Katrin Erb sprach Beate Möschl