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Handwerk
Probeschüsse auf die Staatssicherheit in Bautzen

Harald Hoffmann ist - neben seinem Sohn Robert - der einzige Büchsenmachermeister im Kreis Bautzen. 2018 feiert seine Werkstatt das 25. Jubiläum.
Harald Hoffmann ist - neben seinem Sohn Robert - der einzige Büchsenmachermeister im Kreis Bautzen. 2018 feiert seine Werkstatt das 25. Jubiläum. FOTO: Uwe Menschner
Bautzen-Stiebitz. Die einzige Büchsenmacherwerkstatt im Landkreis feiert im Jahre 2018 Jubiläum: Harald Hoffmann arbeitet seit fast 25 Jahren im eigenen Betrieb. Von Uwe Menschner

Wann ist ein Handwerk selten? Wenn es in einem Landkreis wie Bautzen fünf, zehn oder 20 Meister seiner Zunft gibt? Das Büchsenmacherhandwerk pflegen hier nur zwei Meister – Harald Hoffmann und sein Sohn Robert. Sie arbeiten gemeinsam mit Ehefrau beziehungsweise Mutter Regina im Familienbetrieb in Bautzen-Stiebitz und setzen damit eine bereits von Harald Hoffmanns Vater Hans begründete Tradition fort.

Die Geschichte der Familie Hoffmann lässt die jüngere Geschichte des Büchsenmacherhandwerks in Bautzen wie in einem Spiegel aufleben. Harald Hoffmanns Vater Hans erlernte den Beruf in der Firma Specht, die sich am Lauengraben befand. Harald Hoffmann selbst absolvierte seine Lehre in der Waffenstadt Suhl und arbeitete von da an in der Waffenwerkstatt des Forstbetriebes, die ihren Sitz im Bautzener Justizgebäude Wand an Wand mit den Räumlichkeiten der Staatssicherheit hatte. „Das hätte heikel enden können, da wir manchmal Probeschüsse auf die dazwischen liegende Mauer abfeuerten. Wir dachten ja, dass sie genauso dick ist wie die übrigen Wände im Justizgebäude. Es stellte sich jedoch heraus, dass dies nicht der Fall war und dass bei der Stasi der Putz von der Wand fiel. Zum Glück fand sie den Grund dafür nicht heraus“, erinnert sich Harald Hoffmann schmunzelnd an diese Episode.

Hans und Harald Hoffmann arbeiteten mehrere Jahrzehnte lang Hand in Hand im Bautzener Justizgebäude, woran auch die Wende 1989/1990 zunächst nichts änderte. „Irgendwann kam die Justiz jedoch zu der Erkenntnis, dass eine private Waffenreparaturwerkstatt in ihrem Gebäude nicht geduldet werden kann. So mussten wir 1993 innerhalb kurzer Zeit ausziehen“, blickt Harald Hoffmann zurück.

Nachdem sich die Option, ein Gebäude an der Löbauer Straße zu erwerben, zerschlagen hatte, blieb nur noch, die Firma „nach Hause“, also auf das Familiengrundstück in Stiebitz, zu holen.

Bereits 1984 hatte Harald Hoffmann in Suhl den Meistertitel erworben. 2003 beendete Sohn Robert die Lehre in Suhl und schloss 2011 auch die Meisterausbildung erfolgreich ab: „Eine Zeitlang arbeiteten drei Generationen unserer Familie gemeinsam unter einem Dach.“ 2011 verstarb Hans Hoffmann. Heute bilden Vater, Mutter und Sohn das Familienunternehmen, dessen Haupttätigkeiten in der Reparatur und im Verkauf von Jagdwaffen und deren Zubehör bestehen.

Da es sich beim Büchsenmacherhandwerk um eine sehr sensible Branche handelt, unterliegt die ngesamte Geschäftstätigkeit strengen und oft kontrollierten Regeln. „Das ist auch gut und richtig so“, sagt Harald Hoffmann, der sich neben seinem Beruf auch als Lehrer für Waffenkunde in der Jägerausbildung und als Mitglied der entsprechenden Prüfungskommission engagiert.

Allerdings weist der Handwerksmeister auch darauf hin, dass „nicht die Waffe selbst, sondern derjenige, der sie führt“ die Verantwortung für ihre Verwendung trägt. Zu DDR-Zeiten durfte der Büchsenmachermeister übrigens nicht auf die Jagd gehen, da er in keiner Partei war.

Ein großes Hobby von Harald Hoffmann bildet die Entomologie (Insektenkunde); hier war er unter anderem an der Erarbeitung einer vierbändigen Bestandsaufnahme der einheimischen Schmetterlinge beteiligt und entdeckte sogar eine als verschollen geglaubte Spezies – den Segelfalter – wieder.