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| 17:39 Uhr

Wirtschaft
Millioneninvestition in Bernsdorf

Werkleiter Thomas Twarok (r.) zeigt Vertretern der sächsischen CDU, Stanislaw Tillich (l.) und Fraktionschef Frank Kupfer (Mitte) den Betrieb. Im Hintergrund laufen die heißen Jägermeister-Flaschen über das Band.
Werkleiter Thomas Twarok (r.) zeigt Vertretern der sächsischen CDU, Stanislaw Tillich (l.) und Fraktionschef Frank Kupfer (Mitte) den Betrieb. Im Hintergrund laufen die heißen Jägermeister-Flaschen über das Band. FOTO: Sascha Klein / LR
Bernsdorf. O-I Glasspack bekommt im kommenden Jahr eine neue Schmelzwanne und neue Maschinen. Von Sascha Klein

In der Produktionshalle des Glasherstellers O-I Glasspack in Bernsdorf laufen die Flaschen unaufhörlich vom Band. In der Spitze bis zu 300 Stück pro Minute werden produziert. 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche laufen die Maschinen. Die noch glühend roten Flaschen laufen wie an der Schnur gezogen über die Laufbänder. Für wen die Flaschen hergestellt werden, lässt sich an ihrer Form sehr gut erkennen. Jägermeister in Kamenz ist der Hauptauftraggeber für das seit mehr als 140 Jahren in Bernsdorf existierende Glaswerk. Insgesamt produziert O-I in Bernsdorf mehr als 90 Prozent für Spirituosenhersteller.

Im kommenden Jahr steht der Führungscrew um Werkleiter Thomas Twarok und den 104 Mitarbeitern etwas Besonderes bevor. Der O-I-Konzern wird Twarok zufolge eine zweistellige Millionensumme in sein Lausitzer Werk investieren. Die Glasschmelzwanne wird ersetzt. Zudem ist geplant, den Maschinenpark zu erneuern. Für die Bauarbeiten wird das Werk dann einige Wochen still stehen. „Die Glasproduktion liebt man oder hasst man“, sagt Twarok. Sie ist kompliziert. Er liebt sie offensichtlich. Seit sechs Jahren ist er Werkleiter, war davor Produktionsleiter am Standort.

O-I-Werkleiter Thomas Twarok (l.) zeigt MdL Stanislaw Tillich (v.r.) und CDU-Landtags-Fraktionschef Frank Kupfer (Mitte), mit welchem Rohmaterial der Betrieb arbeitet.
O-I-Werkleiter Thomas Twarok (l.) zeigt MdL Stanislaw Tillich (v.r.) und CDU-Landtags-Fraktionschef Frank Kupfer (Mitte), mit welchem Rohmaterial der Betrieb arbeitet. FOTO: Sascha Klein / LR

O-I Glasspack gibt es in Bernsdorf in dieser Form seit dem Jahr 2004. Damals hatte das Unternehmen Owens Illinois (O-I) die Produktionsstätte übernommen. O-I betreibt weltweit 78 Werke in 23 Ländern mit einem Umsatz von mehreren Milliarden Euro. Das Unternehmen ist Weltmarktführer in der Hohlglasbranche. In Europa gibt es 35 O-I-Werke, drei davon sind in Deutschland. Neben Bernsdorf wird noch in Holzminden und Rinteln (beide Niedersachsen) produziert. Die Hauptverwaltung von O-I Deutschland hat ihren Sitz in Düsseldorf.

Der Glasstandort Bernsdorf geht jedoch bis ins Jahr 1872 zurück, gegründet von den Gebrüdern Hoffmann. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Bernsdorfer Glas dann DDR-weit bekannt – unter dem Namen „Ankerglas“. Die Produkte hatten auf ihrer Unterseite einen großen Anker. Haushalts-, Konservenglas und Flaschen sind hergestellt worden. Im Jahr 1991 kaufte zunächst Gerresheimer Glas den Betrieb, im Jahr 2000 übernahm BSN Glasspack, 2004 schließlich O-I.

Noch heute besitzt das Bernsdorfer Glaswerk einen großen Standortvorteil: Die Wege vom Rohstoff bis zum ausgelieferten Produkt sind kurz. O-I Glasspack nutzt zu einem überwiegenden Teil Glasscherben für die Produktion. Diese werden bei Veolia in Großräschen so aufgearbeitet, dass O-I sie nutzen kann. Dazu kommen Scherben aus der eigenen Produktion. Der Glassand kommt aus dem Werk in Hosena. Und auch der Transport der fertigen Flaschen ist in den meisten Fällen extrem kurz. Von Bernsdorf bis ins Jägermeister-Werk nach Kamenz sind es lediglich sieben Kilometer. Doch auch Whisky-Hersteller in Schottland und England sowie Ölhersteller aus Italien nutzen das Glas aus der Lausitz. Ihr Anteil an der Jahresproduktion ist aber eher gering, mehr als vier Fünftel der Produktion bleibt in Deutschland.

O-I Glasspack Bernsdorf stellt im Jahr zirka 150 Millionen Flaschen her, insgesamt etwa 60 verschiedene Produkte. Täglich können mehr als 150 Tonnen Glas geschmolzen werden. Mit den neuen Maschinen macht der Glasstandort Bernsdorf einen deutlichen Schritt nach vorne. Nach der Umrüstung sei O-I Glasspack dann auf jeden Fall gut aufgestellt, sagt Werkleiter Twarok.