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Ich kaufe Regional
Hürdenlos einkaufen

Bewusstsein für Barrierefreiheit: Hörakustiker-Meisterin Gina Norrmann zeigt auf eine Klingel am Treppenaufgang, die Menschen mit Behinderung betätigen können, um mit Hilfe ins Hörgeräte-Fachgeschäft einzukehren.
Bewusstsein für Barrierefreiheit: Hörakustiker-Meisterin Gina Norrmann zeigt auf eine Klingel am Treppenaufgang, die Menschen mit Behinderung betätigen können, um mit Hilfe ins Hörgeräte-Fachgeschäft einzukehren. FOTO: Anja Guhlan / Guhlan Anja
Hoyerswerda. Einkaufen mit einer Behinderung ist gar nicht so einfach. Im Einzelhandel in Hoyerswerda gilt derzeit: Vieles wurde für Barrierefreiheit getan, aber noch ist viel zu tun.

Die Fleischerei von Fleischermeister Danilo Dubau in Hoyerswerda zeigt sich durchaus barrierefrei. Der Eingang ist ebenerdig und mit einer automatischen Schiebetür ausgestattet. Im Verkaufs- und Speiseraum sind keine Treppen. Die Gänge sind breit und nicht verstellt. Die Räume gut ausgeleuchtet. „Ich achte in allen meinen Filialen auf Barrierefreiheit. Gerade in Hoyerswerda mit einer alternden Bevölkerungsstruktur ist das von großer Bedeutung“, sagt Danilo Dubau. Er hat sich bewusst und ausgiebig mit dem Thema beschäftigt.

Auch das Sportfachgeschäft „Sport Eck“ am Lipzeker Platz zeigt sich barrierefrei und hat sich als einziges inhabergeführtes Fachgeschäft in Hoyerswerda dies mit dem Qualitätssiegel „Generationen-freundliches Einkaufen“ auch seit dem Jahr 2011 zertifizieren lassen. Inhaber Conni Böhme sagt: „Mir ist das wichtig, weil gerade auch in Hoyerswerda eine ältere Kundschaft präsent ist. Das fängt beim barrierearmen Eingang an, geht über breite Gänge und feste Sitzgelegenheiten bis hin zu sichtbar größeren Preisschildern.“

Auch große Fachmärkte wie das Electronic-Service-Center in Hoyerswerda oder Supermarktketten wie Rewe, Kaufland und Globus sind ohne Stolperfallen und haben sich das mit dem Qualitätssiegel zertifizieren lassen. Da vollkommene Barrierefreiheit oft mit hohen Investitionen verbunden ist, können sich diese in erster Linie große Märkte leisten. Im Einzelhandel sind die Hürden größer.

So können beim Hörgerätefachgeschäft „Kind Hörgeräte“ am Markt die mobilitätseingeschränkten Kunden eine Klingel am Treppeneingang betätigen. „Unsere Mitarbeiter helfen dann beim Einkehren ins Geschäft – notfalls auch über den Seiteneingang. Wenn eine Einkehr gar nicht möglich ist, bieten wir auch Hausbesuche an“, erklärt Hörakustiker-Meisterin Gina Norrmann. „Auch sollten unsere Mitarbeiter nicht sichtbare Behinderungen wie Hör-, Lern- oder Sehbehinderungen oder Einschränkungen, aber auch altersbedingte Probleme erkennen können und entsprechende Hilfeleistungen anbieten. Das klappt in den meisten Fällen sehr gut.“

Beim Modehaus von Evelin Graf an der Friedrichstraße sind einige Treppen zu überwinden. „Ich bin hier in dem Altbaugebäude Mieterin und habe nur wenig Einfluss auf einen barrierefreien Umbau“, erläutert Evelin Graf.

Gerade in der Altstadt sind Einzelhändler in Bestandsimmobilien ansässig, die bauliche Barrieren haben oder wo der Denkmalschutz keine Umbauten zulässt. „Ich bin schon froh, dass beim Treppenaufgang vor einigen Jahren ein Handlauf angebracht wurde“, sagt Evelin Graf. Sie bietet daher einen Hol- und Bringservice von Kleidung an, bei dem der Kunde drei Tage lang die Sachen zur Anprobe zur Verfügung gestellt bekommt.

Wie Stefan Heynatzsky vom Fachgeschäft für Orthopädie-Schuhtechnik in der Friedrichstraße berichtet, ist es in seiner Branche quasi eine Vorschrift, barrierefrei zu sein. „Leider habe ich im Eingangsbereich auch Treppen. Jedoch kann ich mobilitätseingeschränkte Menschen über den Hintereingang zu mir ins Geschäft holen“, erklärt er. Am Ende sind nicht kostspielige Umbauten, sondern leicht zu bewerkstelligende Verbesserungen und ein guter Service gefragt.