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Ich kaufe regional
Händler sind mit Lage zufrieden

Die Kirchstraße in Hoyerswerda gilt als 1B-Lage der Stadt. Hier existieren viele Läden. Jedoch auch Leerstand gibt es in dieser Straße. Foto: Anja Guhlan
Die Kirchstraße in Hoyerswerda gilt als 1B-Lage der Stadt. Hier existieren viele Läden. Jedoch auch Leerstand gibt es in dieser Straße. Foto: Anja Guhlan FOTO: Anja Guhlan / Guhlan Anja
Hoyerswerda. Neue Mietanreize sollen die Stadt Hoyerswerda aufwerten und Leerstand vermeiden. Von Guhlan

Einkaufen ist in Hoyerswerda am Altmarkt, im Lausitz-Center oder am Stadtrand möglich. Dabei entscheidet jeder Händler nach seinen Möglichkeiten und nach Bedarf, wo er sich mit seinem Geschäft ansiedelt. So hat sich Optiker Thomas Böhm mit seinem Optikfachgeschäft bewusst für das Zentrum entschieden: „Hier,  direkt am Altmarkt, habe ich die entsprechende Laufkundschaft, und Stammkunden finden den Standort auch gut. Die Lage ist zwar nicht die günstigste, aber das ist es mir trotzdem wert“, sagt Thomas Böhm.

Tatsächlich zählt der Altmarkt in Hoyerswerda neben dem großen Lausitz-Center in der Neustadt zu den 1A-Lagen der Stadt, schätzt der Hoyerswerdaer Immobilienmakler und -verwalter Alexander Schneider ein. „1A-Lagen sind weiterhin gefragt“, ergänzt er. Aber auch 1B-Lagen, wie die Friedrichstraße, Kirchstraße oder die Einsteinstraße, seien begehrt.

Einen Gewerbemietspiegel für Hoyerswerda gibt es nicht. Der Experte schätzt, dass für Läden in relativ guter Lage Mieten von fünf bis acht Euro pro Quadratmeter erzielbar seien. In Randlagen können entsprechend niedrigere Mietpreise gelten. Auch die Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda, die über 260 Gewerbeeinheiten, darunter sowohl Ladenflächen als auch  Gewerberäumlichkeiten, verfügt und vermietet, teilt mit, dass sich die Mietpreise zwischen fünf bis 13 Euro pro Quadratmeter bewegen, je nach Größe und Lage beispielsweise.

Schneidermeisterin Sabine Nowak aus Hoyerswerda hat sich ganz bewusst für den Zentrumsrand entschieden. „Ich habe mir am Rande des Zentrums in meiner eigenen Immobilie eine Schneiderwerkstatt eingerichtet. Da spare ich mir die Ladenmiete. Ich habe einige Zeit im Zentrum Miete gezahlt und fand es irgendwann zu teuer“, sagt sie. Sie betont aber, dass die Standortentscheidung auch von der Branche, in der man tätig ist, abhängig ist. „Ich als Handwerkerin brauche nicht unbedingt die Laufkundschaft vor dem Laden. Andere Branchen sind darauf angewiesen.“

Wie Immobilienexperte Alexander Schneider zudem erläutert, geht der Trend eher zur Vermietung von Büroflächen. Im Einzelhandel gibt es derzeit weniger Nachfrage nach Ladenflächen. Schneider begründet das wie folgt: „Viele Händler wenden sich dem Online-Handel zu und brauchen demnach weniger Ladenflächen, dafür mehr Büroflächen.“ Die Folge: Immer mehr Ladengeschäfte stehen leer. „Zurzeit gibt es etwa 20 Prozent Leerstand in der Stadt“, schätzt Schneider. Auch die Wohnungsgesellschaft verfügt derzeit über freie Gewerberäume. Werden solche leer, ist es oftmals mit einer Geschäftsaufgabe verbunden, berichtet die Gesellschaft.

Im Einsteinhaus an der Einsteinstraße kämpft die Objektverwaltung – die WSG Wach- und Sicherheits GmbH – ebenfalls gegen derzeit leerstehende Räume. Die neue Idee: Im als Einsteinhaus bekannten Bürogebäude können sich demnächst Firmengründer, auch Start-Ups genannt, bis zur festen Etablierung des Geschäftes kostenlos einmieten. Wie Geschäftsführer Veit Burmeister erklärt, sollen fünf solcher Gründerbüros eingerichtet werden. Die Mieter müssen lediglich die Nebenkosten tragen. Burmeister will damit in erster Linie die Gründer selbst fördern und die Stadt Hoyerswerda damit unterstützen.  „Hoyerswerda braucht Investitionen in die Zukunft“, sagt er.  Nebenbei minimiert er den Leerstand. Für die angebotenen Räume gibt es auch schon Interessenten, versichert Burmeister. Ist das ein Appell an die vielen anderen privaten Vermieter? Immobilienexperte Alexander Schneider dämmt den Appell ein: „Letztendlich kommt es auf den Vermieter an, der jedoch auch manchmal unter Druck steht, unbedingt seine Räumlichkeiten zu vermieten. Mietanreize, wie kostenfreies Einmieten, sind da eher selten. Dafür übernehmen einige Vermieter bereits manchmal die Umzugskosten.“