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Mobile Hufeisenschmiede
Fahrender Hufschmied zeigt altes Handwerk

Mit Leidenschaft dabei: Jurij Zschorlich (68) präsentiert auf dem Zeißighof mit seiner mobilen Hufschmiede die Arbeiten eines Hufschmiedes.
Mit Leidenschaft dabei: Jurij Zschorlich (68) präsentiert auf dem Zeißighof mit seiner mobilen Hufschmiede die Arbeiten eines Hufschmiedes. FOTO: Anja Guhlan/ang1
Zeißig/Dörgenhausen. Früher ist der Hufschmied in jedem Dorf seiner Arbeit nachgegangen. Heute ist die Zunft selten geworden. Anja Guhlan / ang1

Einer, der diesem alten Beruf noch mit Leidenschaft nachgeht, ist Jurij Zschorlich aus Dörgenhausen. Der heute 68-Jährige könnte den Hammer als Rentner längst ruhen lassen, doch er kommt nicht los vom Huf.

Jurij Zschorlich ist auch am Wochenende wieder unterwegs mit seiner mobilen Hufeisenschmiede. Er kommt nach Zeißig zum Zeißighof. Denn zur Kirmes sind alte Traditionen vom köstlich duftenden Brot aus dem Holzbackofen und dem bäuerlichen Schlachten bis zur schweren Arbeit zu erleben.

Mit seiner Erfahrung ist Jurij Zschorlich dabei. Denn der 68-Jährige übt seit nunmehr 53 Jahren den Beruf des Hufschmiedes aus. Wie viele Hufe er in seinem Leben schon in den Händen hatte, weiß der Dörgenhausener nicht genau. "Tausende müssen es wohl schon gewesen sein", meint er. Seine Augen leuchten, wenn er von seinem Handwerk erzählt. Er hat es von der Pike auf gelernt. 1965 ist er in Schwarzkollm in die Lehre gegangen, hat die Fachschule in Berlin besucht und war drei Jahre auf der Wanderschaft durch Mecklenburg. "das war eine aufregende Zeit", sagt er.

1985 hat er sich selbstständig gemacht. Anders als früher, wo jedes Pferd mit seinem Besitzer noch zum Hufschmied kam, rollt Jurij Zschorlich seitdem mit seiner mobilen Hufschmiede direkt auf die Pferdehöfe und zu Veranstaltungen auf dem Lande, wie zum Zeißighof.

Hier wird der 55 Kilogramm schwere Amboss aufgestellt, der Hammer herausgeholt, das Eisen auf mehr als 1000 Grad Celsius erhitzt. Dann trifft mit einem schweren "Klonk, klonk" der Hammer das glühende Eisen. "Bis es abkühlt, kann ich es formen", erklärt er den Neugierigen, die ihm zuschauen. Immer wieder erwärmt er das Eisen und haut drauf. Am Ende entstehen für die Besucher Hufeisen für die Hosentasche als Glücksbringer.

Die Präsentationen auf Volksfesten machen dem Hufschmied zwar auch Freude, aber noch viel lieber arbeitet er mit dem Pferd. Für das er Hufe nach Maß anfertigt. "Die Faszination des Berufes ist für mich die Orthopädie für die Pferde", erklärt er. Jurij Zschorlich liebt die stolzen Tiere und hilft ihnen gern, gut unterwegs zu sein. Zwar ist das Tier am Horn selbst unempfindlich, dennoch liegen darunter empfindliche Nerven. "Hufeisen sind da wie Schuhe und schützen die Beine des Pferdes", erklärt er. Dabei ist jedes Hufeisen anders. "Schuhe nach Maß", schmunzelt Zschorlich. Das mache diesen Beruf zur Wissenschaft. Für jede Art und Rasse gibt es unterschiedliche Hufeisen. So brauchen Sportpferde unter anderem ein leichtes Hufeisen, während Arbeitspferde in der Landwirtschaft ein Stabileres benötigen. Auch kann mit dem Material variiert werden. Es muss nicht immer Eisen oder Stahl sein, in der Orthopädie ist auch Kunststoff üblich.

Der Job ist anstrengend. Der Hufschmied braucht Kraft, Ausdauer, ein gutes Auge, handwerkliches Geschick und einen guten Draht zu Tieren. "Ich kann viel Gutes für die Pferde tun", sagt Zschorlich zufrieden. Die Beschläge eines Pferdes sollten je nach Abnutzung alle sechs bis acht Wochen gewechselt werden. Das ist viel Arbeit für einen Hufschmied. Die regulären Geschäfte seiner Hufschmiede hat inzwischen Sohn Frank übernommen. Jurij Zschorlich ist froh darüber, vertritt seinen Sohn aber auch in Ausnahmefälle und bei diversen Veranstaltungen. Denn so richtig kommt der Mann aus Dörgenhausen nicht los vom Huf. "Vielleicht ist das auch ganz gut so", stellt Jurij Zschorlich nüchtern fest, bevor er wieder den Hammer am Amboss schwingt und das nächste Eisen mit offensichtlich lange geübter Hand in Form schlägt.

Zum Thema:
Der Kulturverein Zeißig pflegt die sorbische Kultur und das Brauchtum, unterstützt den Erhalt der sorbischen Sprache und Trachten und macht traditionelle ländliche Arbeits- und Lebensweisen erlebbar. Neues und Bekanntes sind in der Ausstellungen "Bäuerliches Handwerk" im Westflügel des Zeißighofes und in der Fotoausstellung "20 Jahre Kulturverein Zeißig" im Kuhstall zu entdecken.Der Kulturverein Zeißig ist 1997 gegründet worden und hat heute rund 75 aktive Mitglieder.