ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:03 Uhr

Theorie und Praxis
BTU-Studenten verleihen der Schwalbe elektrische „Flügel“

Hoyerswerda. Bei einem bemerkenswerten internationalen Projekt können Senftenberger Maschinenbau-Studenten an Lösungen für die Praxis tüfteln.

Es ist eine der grundlegenden Fragen, wenn es um den wirtschaftlichen Wandel in der Lausitz geht: Wie kann sie gelingen, die effektive Vernetzung von mittelständischer Wirtschaft und wissenschaftlicher Expertise?

Das Lausitzer Technologiezentrum „Lautech“ in Hoyerswerda ist eine Einrichtung, die sich auf die Fahne geschrieben hat, die Barrieren zwischen Theorie und Praxis konsequent abzubauen. Beim Projekt „Transfer21 Showroom“ war dazu am Dienstagnachmittag wieder Gelegenheit. Technologieaussteller aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus Südbrandenburg und Sachsen nutzten dabei die Gelegenheit, mit Entscheidern aus Lausitzer Firmen direkt in Kontakt zu kommen.

Andrzej Serwecinski und Master-Student Waldemar Mack tüfteln gemeinsam am E-Sperber. Die Batterien sollen einmal im Tank verschwinden.
Andrzej Serwecinski und Master-Student Waldemar Mack tüfteln gemeinsam am E-Sperber. Die Batterien sollen einmal im Tank verschwinden. FOTO: LR / Jan Siegel

Mit einem bemerkenswert innovativen Vorhaben präsentierte sich dabei am Dienstag die BTU Cottbus-Senftenberg in der nordostsächsischen Stadt. In Senftenberg hat der Maschinenbau-Professor Sylvio Simon gemeinsam mit dem Lehrbeauftragten und Diplom-Ingenieur Andrzej Serwecinski eine bemerkenswerte deutsch-polnische Kooperation auf dem Gebiet der Elektromobilität auf die Beine gestellt. Im Zentrum dabei stehen Mokicks der guten, alten „Vogelserie“ aus der Produktion des legendären Simson-Werkes im thüringischen Suhl. Im Grunde geht es darum, den betagten „Schwalben“, „Sperbern“ oder „Star“-Mopeds statt des knatternden Zweitakt-Motörchens einen bemerkenswert preiswerten, elektrischen Antrieb einzupflanzen.

Entwickelt hatte die Idee der Tüftler Andrzej Serwecinski. Der gebürtige Pole hatte selbst ab 1974 in Senftenberg Bergbautechnik studiert und danach lange Jahre bis zu dessen Ende im Tagebau Scheibe gearbeitet. Heute arbeitet Serwecinski als Übersetzer und unterstützt an der Hochschule grenzüberschreitende Projekte der Technischen Universität in der Lausitz. Der Bergbautechniker hatte im Eigenbau für seine Enkeltochter eine „Schwalbe“ elektrisch umgerüstet. Das war die Grundlage für das Uni-Projekt, an dem jetzt in jedem Jahrgang mehrere Senftenberger Maschinenbau-Studenten mitarbeiten und sich unter anderem damit auch auf die praktischen Herausforderungen der inzwischen immer mehr gefragten Elektromobilität vorbereiten.

Zu denen, die an den alten Mopeds schrauben, deren Baujahre sämtlich in den 1970er-Jahren liegen, gehört Waldemar Mack. Der Maschinenbau-Student, der auf dem Weg zum Masterabschluss ist, entwickelt gemeinsam mit seinen Kommilitonen die elektrische Antriebs- und Batterietechnik für die alten „Vögel“ aus Suhl weiter. Und dabei haben die Senftenberger Studenten bereits einen beachtlichen Ideen-Reichtum entwickelt. Waren die ersten Elektroroller Marke „BTU“ noch ganz einfach, haben die Nachwuchs-Ingenieure inzwischen ausgeklügelte Halterungen und Abdeckungen entwickelt und konstruiert, die sie im 3-D-Drucker an der Uni selbst fertigen können. Unterstützung bekommen sie dabei auch von einer Kfz-Berufsschule in der polnischen Nachbarstadt von Görlitz, in Zgorzelec. Und weil sich außerdem auch die Maschinenbau-Studenten in der polnischen Partner-Universität in Zielona Gora auf ähnliche Weise mit Fragen der Elektromobilität befassen, hat Andrzej Serwecinski auch dorthin die Fäden einer Kooperation gesponnen. Auf diese Weise ist ein grenzüberschreitendes Berufsschul-Universitäres-Netzwerk entstanden, bei dem alle Beteiligten von den technischen Erfahrungen der Partner profitieren.

Ziel der Senftenberger ist es, ihre Fahrzeuge vielleicht sogar einmal zu vermarkten. Davor aber steht der Tüv. Obwohl die Tüftler außer dem Antriebsaggregat am Fahrwerk der bewährten Suhler-Mopeds nichts verändern, brauchen ihre Gefährte eine „elektromagnetische Verträglichkeitsprüfung“, die kostet für eine Serienproduktion leicht um die 20 000 Euro kostet.

Derweil arbeiten Waldemar Mack und seine Mitstreiter weiter an der technischen Verfeinerung ihrer elektrischen Mopeds. Die Zeit arbeitet für sie. Während die Fahrt über 100 Kilometer mit dem alten Zweitaktmotor mehr als zehn Euro kostet, kommen ihre Elektro-Mopeds mit der Hälfte aus. Die Kosten für den Umbau eines alten Mopeds schätzt Andrzej Serwecinski auf nicht mehr als 200 Euro.