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Interview
Wirtschaft fördern und junge Leute anlocken

Seit mittlerweile mehr als zwölf Jahren ist Harry Habel (CDU) als Bernsdorfer Bürgermeister im Amt. Er möchte 2018 vor allem Grundlagen für Wirtschaftsansiedlungen schaffen und ein Industriegebiet auf den Weg bringen.
Seit mittlerweile mehr als zwölf Jahren ist Harry Habel (CDU) als Bernsdorfer Bürgermeister im Amt. Er möchte 2018 vor allem Grundlagen für Wirtschaftsansiedlungen schaffen und ein Industriegebiet auf den Weg bringen. FOTO: Catrin Wuerz
Hoyerswerda. Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel will mit Seenlandbahn und neuem Industriegebiet Bewegung in die Region bringen. Von Anja Hummel

Die RUNDSCHAU setzt heute die Interview-Reihe mit den Verwaltungschefs der Region fort. Sie skizzieren, was sie 2017 erreicht haben und welche Projekte jetzt wichtig werden. Heute: Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel.

Herr Bürgermeister, was haben Sie gemeinsam mit ihrer Verwaltung und dem Stadtrat in diesem Jahr für Ihre Bürger erreicht?

Harry Habel: Eine ganze Menge. Fangen wir bei den Kindern und Jugendlichen an: Wir haben die Außenanlagen an Grund- und Oberschule erneuert. Dort sind die kompletten Sanierungsbeiträge, circa 190 000 Euro, hineingeflossen. Nicht zu vergessen ist der Schulsportplatz. Auch in den Straßenbau haben wir investiert. Zum Beispiel ist die Wittichenauer Straße freigegeben worden, nicht zu vergessen der erste Bauabschnitt der Kamenzer Straße. Die Strecke war wirklich unzumutbar. In die Feuerwehr Zeißholz ist Geld in eine Teilsanierung geflossen, wir haben mit dem Dorfmuseum Zeißholz begonnen. Sanierungsarbeiten an der Sporthalle Straßgräbchen sind auch erfolgt. In Wiednitz wurde der Spielplatz verschönert. Wichtig war auch die weitere Vermarktung des Wohngebiets Am Schmelzteich. Wir haben außerdem zehn Jahre Mehrgenerationenhaus gefeiert und das Anlaufbüro „Kube 42“ ist verlängert worden.

Was hat Sie im Jahr 2017 persönlich besonders beschäftigt?

Habel: Das war vor allem die Abwassergeschichte in Straßgräbchen. Die steht nämlich in Zusammenhang mit dem geplanten Industriegebiet in Nähe des Klimakompressorenwerks. Die 20 Hektar große Fläche würde ich gerne in ein bis zwei Jahren in ein Industriegebiet umwandeln. Dafür muss aber die Abwasserfrage geklärt sein. Die Kläranlage Bernsdorf hat keine Kapazitätsmöglichkeiten dafür, während die Anlage in Deutschbaselitz bei Kamenz wesentlich größer ist und auch das Industrieabwasser verkraften würde. Wir haben die Aussicht, dass das Abwasser von Straßgräbchen nach Deutschbaselitz übergeleitet werden kann. In Erweiterung und Überleitung müssen etwa 14 Millionen Euro investiert werden. Und dafür brauchen wir Förderprogramme. Die erhalten wir nur durch zwei Investoren: TDDK in Straßgräbchen und Accumotive in Kamenz. Wenn alle mitziehen, dann ist das genau die Lösung, die wir für das neue Industriegebiet brauchen.

Welche Projekte stehen für das Jahr 2018 ganz oben auf Ihrer Agenda?

Habel: Zum einen feiern wir im September 50 Jahre Stadtrecht. Zum anderen soll die Feuerwehr in Zeißholz endlich ein neues Fahrzeug bekommen. Die Ausstattung ist für die Arbeit der Ehrenamtlichen sehr wichtig. Auch die Aufwertung des Naherholungsgebietes am Bebelpark mit dem Tiergehege hat Priorität. Außerdem soll in den Sommerferien die Seenlandbahn an den Wochenenden von Dresden über Kamenz, Bernsdorf, Hoyerswerda bis nach Senftenberg fahren. Wir müssen die Infrastruktur weiterentwickeln, da gehört die Bahn dazu. In der Kita Straßgräbchen sollen neue Hortplätze geschaffen werden und die Altlastensituation der Zinkweiß-Brache an der B 97 muss 2018 geklärt werden. Erst dann kann der Schandfleck abgerissen werden.

Die Region steht vor einem Strukturwandel. Was muss aus Ihrer Sicht passieren, damit er gelingt?

Habel: Der Strukturwandel gelingt, indem die geplanten Ansiedlungen von Unternehmen wie Accumotive auch tatsächlich beginnen. Dann können wir junge Leute zielgerichtet zurückholen. Und das Lausitzer Seenland muss weiter erschlossen werden. Das ist für mich der zukünftige Hoffnungsträger. Dort sollte man schauen, ob eine gewisse Entbürokratisierung möglich ist, damit es schneller voran geht. Auch die Seenlandbahnverbindung gehört für mich dazu, also die Anbindung von Dresden, Kamenz über Bernsdorf an das Seenland. Eine einfachere Ausreichung von Fördermitteln wäre natürlich auch hilfreich.

Wenn Sie für Ihre Stadt einen Wunsch frei hätten: Was würden Sie sich für Bernsdorf wünschen?

Habel: Ein Wunsch oder viele? Zum einen wünsche ich mir  Wirtschaftsansiedlungen und den Zuzug vieler junger Leute. Damit im Zusammenhang steht auch ein erweiterter Straßenausbau. Und Kähne auf dem Schmelzteich wären auch sehr schön. Was ich mir aber vor allem wünsche, ist ein engeres Zusammenrücken der Bürger. Ich hoffe, dass das Projektbüro „Kube 42“ noch mehr genutzt wird. Die Leute können mit ihren Sorgen, Problemen, Nöten zu uns kommen. Und ich wünsche mir, dass die ehrenamtliche Arbeit so wunderbar weitergeht wie bisher. Wenn Verwaltung, Ortschaftsrat, Stadtrat und Bürger an einem Strang ziehen, möglichst in die gleiche Richtung, dann kann man wirklich etwas bewegen.

Mit Harry Habel sprach
Anja Hummel