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Hoyerswerda
„Wir wollen Familienkino bleiben“

Hoyerswerda: Toni Züchner (27) ist Leiter des Kinos in Hoyerswerda. In diesem Jahr sieht er noch einem Höhepunkt entgegen: dem Start des achten Star-Wars-Teils.
Hoyerswerda: Toni Züchner (27) ist Leiter des Kinos in Hoyerswerda. In diesem Jahr sieht er noch einem Höhepunkt entgegen: dem Start des achten Star-Wars-Teils. FOTO: Sascha Klein / LR
Hoyerswerda. Der neue Hoyerswerdaer Kino-Chef Toni Züchner zieht eine erste Bilanz. Sein Fazit: Er hat die Rückkehr in die Lausitzer Heimat nicht bereut. Von Sascha Klein

Toni Züchner und Gerd Sprecher stehen hinter dem Bedientresen des Hoyerswerdaer Kinos und besprechen die letzten Details. Es ist 14.30 Uhr, für Sprecher ist jetzt Feierabend. Eigentlich ist der langjährige Kinoleiter inzwischen in Rente, aber das Kino lässt ihn einfach nicht los. „Ich bin eher der Frühaufsteher“, sagt Sprecher. „Ich kümmere mich morgens um den technischen Part.“ Toni Züchner kann mit dieser Art Arbeitsteilung bestens leben – immerhin ist der 27-Jährige nicht selten bis 1.30 Uhr im Kino. Züchner ist sich sicher, bei der Rückkehr nach Hoyerswerda die richtige Entscheidung getroffen zu haben. „Ich war vorher in Pirna. Und dort bin ich nie richtig angekommen.“ Von daher war er froh über die Job-Chance in der Heimat.

Seit Februar ist der Hoyerswerdaer jetzt Kinoleiter. Zeit für eine erste Bilanz. Die eine Sache sagt der alte Chef gleich selbst: „Das Büro hat er mir schon nach einer Woche aus der Hand genommen“, sagt Gerd Sprecher. „Ist aber auch richtig so.“ Sprecher freut sich über seinen Nachfolger – und sein Nachfolger über den Elan des Vorgängers.

Die Ausrichtung des Kinos aus der Cinemotion-Gruppe bleibt jedoch weitestgehend unverändert: „Wir wollen Familienkino bleiben“, sagt Züchner, der einst Kulturmanagement in Görlitz studiert hat und dort mit dem Arbeitsort Kino in Kontakt gekommen ist. „Das Angebot von guten Kinderfilmen wird von Jahr zu Jahr größer“, sagt Züchner. Sein Ziel: solche Filme in Hoyerswerda zu spielen, die sowohl Kinder als auch Eltern berühren.

Was das Publikum in Hoyerswerda gern schaut: deutsche Filme, vor allem auch Komödien. Auch französische Streifen liefen gut. Ein Film hat zuletzt jedoch alles getoppt: „Fack ju Göhte 3“. In den ersten Tagen nach Erscheinung wollten sehr viele Zuschauer den Streifen mit Elyas M’Barek sehen. Was in Hoyerswerda nicht so gut läuft: Horrorfilme. Ausnahme: die Neuverfilmung von „Es“. Da war sogar Kino-Insider Züchner verwundert, wie viele Gäste diesen Film sehen wollten.

Was Toni Züchner verändern will: „Wir wollen die Konzertschiene etwas erweitern.“ Das bedeutet: Schon jetzt zeigt das Hoyerswerdaer Kino ausgewählte Opern auf der großen Leinwand. Das Motto: Man muss nicht nach New York fliegen, um eine Oper genießen zu können. Künftig sollen auch andere Musikstile dazukommen. Die Tests mit den Übertragungen von Rammstein in Paris, David Gilmour aus Pompeji und Geiger David Garrett seien sehr erfolgreich gewesen.

Auch an der „Hardware“ will der neue Kinoleiter basteln. „Es gibt Überlegungen, an den Stuhlkonzepten in unseren Sälen zu arbeiten.“ Das bedeutet: Ein Teil der Sitzreihen könnte zugunsten von Tischen und anderen Sitzecken verschwinden. Das Motto: etwas mehr Individualität und Luxus für den Kinogast. Dafür könnte es insgesamt etwas weniger Plätze geben. Doch mit den vier Sälen lasse sich gut arbeiten, sagt Züchner.

Was im Kino läuft, kann Toni Züchner nur bedingt steuern: „In der Regel wird zentral für unsere Kinokette entschieden, was in welchen Kinos läuft“, sagt er. Da die Filmverleiher bestimmen könnten, welche Filme wann und wie oft liefen, müsse das Unternehmen genau abwägen, welche Kinos welche Filme erhielten. Generell läuft das mit den Filmen auch anders als früher. Heute würden die Festplatten mit den Filmen per Post verschickt. Das Bild von großen Filmrollen war gestern.

Neu in Hoyerswerda ist: Vorbestellungen laufen seit rund zwei Wochen über eine neue Ticket-Hotline. Das bedeutet: Direkt im Kino sind Vorbestellungen nur noch persönlich möglich. Auch per Telefon könnten sich Gäste spezielle Plätze aussuchen. Der Unterschied sei nur, dass sie nicht mehr im Kino anrufen, sondern in einem Callcenter (03871 2114090).

Für Toni Züchner bedeutet das Leben als Kinoleiter vor allem eines: viel Arbeit. Das Hoyerswerdaer Kino hat fünf Festangestellte und zwei Aushilfen und jede Menge Aufgaben im Hintergrund. Der 27-Jährige, ein Fan von Quentin-Tarantino-Filmen und Marvel-Action-Klassikern, ist ständig auf der Suche nach weiteren Mitarbeitern. Dazu kommt der normale Verwaltungsaufwand. „Da kommt der Job, vorne Popcorn zu verkaufen und mit Gästen über Filme zu reden, manchmal etwas zu kurz“, sagt er und lacht.

Toni Züchner ist seit etwas mehr als einem halben Jahr Kinoleiter in Hoyerswerda. Auf einen Höhepunkt freut er sich in diesem Jahr noch: dem Start des achten Teils von Star Wars.
Toni Züchner ist seit etwas mehr als einem halben Jahr Kinoleiter in Hoyerswerda. Auf einen Höhepunkt freut er sich in diesem Jahr noch: dem Start des achten Teils von Star Wars. FOTO: Sascha Klein / LR