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| 18:09 Uhr

Neue Idee in der Oberlausitz
Garnelenzucht im Schweinestall

 Gründer Friedrich Tietze steht hier am Rande eines der Tanks, in dem künftig Garnelen für den europäischen Markt produziert werden.
Gründer Friedrich Tietze steht hier am Rande eines der Tanks, in dem künftig Garnelen für den europäischen Markt produziert werden. FOTO: Uwe Menschner
Nebelschütz. Nebelschütz ist für ungewöhnliche Ideen bekannt. Diese stellt alle bisherigen in den Schatten. Anstelle von Sauen werden in einem Stall künftig Shrimps herangezogen. Von Uwe Menschner

Das soll groß werden: „Make Shrimps Great Again“, so lautet das Motto des Unternehmens Suburban Seafood mit Sitz in Nebelschütz. Shrimps sind begehrt. Schon heute stehen Garnelen – um solche handelt es sich auf gut Deutsch – gleich hinter dem Lachs auf Platz zwei auf der Liste der beliebtesten Meeresprodukte. Und bald wird es diese zu 100 Prozent aus Deutschland geben – dank Gründer Friedrich Tietze und seinen beiden Mitstreitern Roman Schwarz und Felix Kirsten.

Sie wollen nämlich nicht nur verzehrfertige Garnelen produzieren, sondern auch Larven für die Aufzucht derselben. „Bisher kommen diese fast ausschließlich aus den USA“, erklärt Friedrich Tietze. Doch seitdem 2017 in den Hauptaufzuchtgebieten ein Hurrikan wütete, gibt es Engpässe. Doch nicht nur dies stellt ein Problem dar: „Durch den Transport über diese weite Strecke sind die Babyshrimps einem erheblichen Stress ausgsesetzt, was sich natürlich auch auf die Qualität auswirkt.“

All dem will die Suburban Seafood GmbH vorbeugen und ganz „nebenbei“ auch noch große Mengen an CO2-Ausstoß vermeiden. Doch wie soll das gehen – in Nebelschütz? Ein Ortstermin steigert die Verwunderung zunächst noch. Am Ortsrand der sorbischen Gemeinde vor den Toren von Kamenz steht eine große Anzahl von Stallgebäuden – die berühmte Sauenzuchtanlage von Nebelschütz. Und in einem dieser Ställe werden künftig keine Schweine mehr gehalten, sondern – genau – Garnelen.

„Es gehört schon eine gewisse Verrücktheit dazu, sich so etwas auszudenken“, meint Markus Michailow. Doch er meint das absolut im positiven Sinne. Denn: Michailow ist Geschäftsführer der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Sachsen und als solcher felsenfest überzeugt von dem Nebelschützer Gründerprojekt, das seine Gesellschaft finanziell begleitet. „Suburban Seafood steht für nachhaltiges Wirtschaften, innovative Verfahren und ein bewusstes Investieren in den ländlichen Raum“, hat auch das Team des Gründerpreises Futuresax erkannt, in dessen Rahmen das Garnelenzuchtprojekt für den Publikumspreis nominiert ist.

Doch was steckt nun in dem Stall? Jedenfalls keine Boxen mehr, in denen die Sauen auf Spaltenböden stehen, fressen und ihr Geschäft verrichten. Vielmehr präsentieren sich dem Besucherblick Kunststofftanks, in denen die künftigen Shrimps – ihrem Alter entsprechend – gedeihen sollen. Unter tropischen Klimabedingungen werden Elterntiere zur Paarung gebracht und die Garnelenlarven ausgebrütet. Und nicht nur sie – auch das benötigte Futter, zu dem Mikroalgen und Zooplankton zählen, soll unter den Dächern des früheren Sauenstalls heranwachsen. Die Wasserreinigung erfolgt nach einem selbst entwickelten Verfahren mithilfe von Würmern und Algen, die zugleich auch als Nahrung dienen. Die Wärmeisolierung muss ganz speziellen Anforderungen entsprechen: „Sie wurde für die Luftfahrt entwickelt und wirkt wie eine große Thermoskanne“, erläutert Friedrich Tietze. Ein weiterer Vorteil besteht in der Schattenfreiheit, die durch die reflektierende Außenhaut der Dämmschicht hervorgerufen wird. Zu den Gimmicks der Anlage zählt ein Eimer, der schlappe 7000 Euro kostet – dafür aber auch gleich die im Wasser schwimmenden Larven exakt abzählt.

Einen großen Stellenwert nimmt beim künftigen Betrieb die Hygiene ein, weshalb für Besucher auch in der Regel bereits im vorderen Stallbereich „Schluss“ ist. Doch noch ist es nicht ganz so weit, denn die Anlage soll erst im Oktober mit dem Erstbesatz in Betrieb gehen.

 Gründer Friedrich Tietze steht hier am Rande eines der Tanks, in dem künftig Garnelen für den europäischen Markt produziert werden.
Gründer Friedrich Tietze steht hier am Rande eines der Tanks, in dem künftig Garnelen für den europäischen Markt produziert werden. FOTO: Uwe Menschner