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Bernsdorf
Wiednitzer Chor in disharmonischen Zeiten

Bernsdorf. Bernsdorf will die Kosten für die Vereinsräume erhöhen. Einigen Mitgliedern stößt das bitter auf, der Vorstand hält sich zurück. Von Anja Hummel

Sie ist dick, die Luft zwischen einigen Wiednitzer Chorfreunden und der Bernsdorfer Stadtverwaltung. Der Grund für die schlechte Stimmung: die Finanzen. Am Donnerstag wird der Stadtrat über angepasste Nutzungsgebühren der Chorstätte, dem Wiednitzer „Jägerhof“, entscheiden. Die Chormitglieder sollen künftig mehr zahlen.

Einer, der sich über die Pläne der Stadt maßlos ärgert, ist Wolfgang Seiffert. Als Chormitglied sagt er klar und deutlich: „Das ist nicht akzeptabel.“ Dabei ginge es nicht um die Kostenerhöhung als solche, sondern „ums Prinzip“. Seiffert sagt: „Für eine alte Industriebrache werden Hunderttausende Euro verschleudert und eine Kultureinrichtung, wie es unser Chor nun einmal ist, muss bluten.“ Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel (CDU) schüttelt darüber nur den Kopf. „Zunächst einmal wird kein Verein kaputt gehen, der in einem städtischen Gebäude untergebracht ist“, kündigt Habel für den Notfall stets Unterstützung an. „Und den Vergleich zwischen Ausgaben für Wirtschaftsansiedlungen und kulturellen Veranstaltungen sollte man tunlichst sein lassen.“ Schließlich, so Habel, schaffe die Wirtschaftsförderung der Stadt auf lange Sicht Arbeitsplätze und halte die Jugend vor Ort.

Mit Blick auf die anderen Vereine der Stadt sei die Erhöhung der Nutzungsgebühr außerdem „nur fair“. „Wir können dem Chor nicht noch mehr entgegenkommen“, so Habel. Denn während beispielsweise Sportvereine wie die TSG Bernsdorf ihre Stätten selber bewirtschaften, sind dem Chor keine extra Arbeiten auferlegt. „Andere Vereine kümmern sich eigenständig um Reparaturen und Reinigung. Für den Jägerhof in Wiednitz werden diese Arbeiten von der Stadt übernommen“, erklärt Habel.

Der Grund für die „neue Rechnung“ ist simpel: Weil die Vereine der Stadt lange Zeit unterschiedlich hohe Summen für die Nutzung kommunaler Einrichtungen zahlten, beschloss der Stadtrat ein einheitliches Vorgehen. Während die Vereine nun 28 Prozent der Betriebskosten übernehmen, zahlt die Kommune 72 Prozent. Das brachte die ein oder andere Rechnung durcheinander. So auch die der Chorgemeinschaft Wiednitz. Hinzu kommt, dass die laufenden Kosten für den Jägerhof – von Heizung bis Reinigung – neu kalkuliert wurden. Das Ergebnis: Die Wiednitzer  Chorgemeinschaft soll nun statt 120 Euro pro Jahr 520 Euro zahlen – aufgeteilt auf 30 Mitglieder. Stadtrat Horst Schulze (Die Linke), selbst Chormitglied, legte im Stadtrat Veto ein und beantragte eine Minderung der Kosten. Sein Mitstreiter Wolfgang Seiffert sprach dank der höheren Kosten sogar von einer „Existenzbedrohung“ des Vereins. Er fordert eindeutige Aussagen von der Stadt. „Die Ansprachen vom Bürgermeister sind nur Beschwichtigungen. Wie wird uns denn konkret geholfen?“

Harry Habel dazu: „Wenn der Chor die Kosten zum Jahresende nicht bezahlen kann, soll er sich mit Offenlegung der Ein- und Ausgaben an die Verwaltung wenden.“ Außerdem gewähre die Stadt Fördermittel. „Jeder Verein kann die beantragen, der Wiednitzer Chor hat das bisher nicht getan“, so Habel.

Während einige Chormitglieder auf die Barrikaden gehen, hält sich der Vorstand der Wiednitzer Chorgemeinschaft bedeckt. Ralf Pieczonka kündigt auf RUNDSCHAU-Nachfrage an: „Wir werden erst auf der anstehenden Stadtratssitzung offiziell Stellung beziehen.“ Denn was der Chor nicht brauche, so Pieczonka, sei noch mehr Unruhe.

Die Bernsdorfer Stadträte kommen am Donnerstag, 15. Februar, um 18.30 Uhr im Rathaus zusammen.