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| 14:38 Uhr

Hoyerswerda
Wie weit das Verzeihen geht

Rund 160 Damen haben am Frauenfrühstück teilgenommen. Die Veranstaltung hat es in Hoyerswerda jetzt zum siebenten Mal gegeben. Für den musikalischen Teil sorgte der Chor „Amici della musica“.
Rund 160 Damen haben am Frauenfrühstück teilgenommen. Die Veranstaltung hat es in Hoyerswerda jetzt zum siebenten Mal gegeben. Für den musikalischen Teil sorgte der Chor „Amici della musica“. FOTO: Herzger Ulrike
Hoyerswerda. Beim siebenten Frauenfrühstück in Hoyerswerda hat wohl jede der 160 Frauen ein ganz persönliches Beispiel im Kopf gehabt. Von Herzger Ulrike

Sich mit Frauen verschiedensten Alters über alltägliche Dinge auszutauschen und parallel dazu auch Erfahrungen mit Gott als Rückhalt und führenden Lebensbegleiter weiterzugeben, das liegt den Organisatorinnen für die deutschlandweiten Frauen-Frühstücksbewegungen am Herzen. In einigen Städten feiern diese ökumenischen Veranstaltungen dieses Jahr bereits das 30.Jubiläum.

Eine entscheidende Rolle spielten dabei die stets interessanten Themenangebote, die von den Referentinnen als Denkanstoß mitgebracht worden sind. Dieses Mal lautete es „Verzeihen ja, vergessen nie“. Referentin Christine Bartsch aus Frankenberg machte dieses Thema zum Ausgangspunkt für die anschließende Diskussionsrunde. „Was würden Sie hinter diesen Satz stellen? Ein Ausrufezeichen oder das Fragezeichen? Kann man vergessen, was andere Menschen einem antun? Kann man das einfach so wegwischen, aus dem Gedächtnis streichen? Oder hat eine Verletzung so weh getan, dass man sagt: Das verzeihe ich Dir nie – und vergessen kann ich es sowieso nicht! Mit Dir bin ich fertig!“

Sicherlich würde jede Frau hier schon ihre Erfahrungen mit Ungerechtigkeiten, Demütigungen oder Kränkungen haben; doch wie man damit umgeht, hat etwas mit dem Charakter und der Mentalität zu tun. So gebe es jene mit dem sogenannten „dicken Fell“ oder dem „breiten Kreuz“ und die „Sensibelchen“ mit ganz anderen Antennen. Sie „vertragen nicht so viel“. Das wiederum habe mit unserer Erziehung und den sozialen Kontakten sowie den Erbanlagen zu tun. Unbedachtes Handeln und unbedachte Worte werde es immer geben. Aber: Wie schnell passiert es, dass auch wir andere verletzen. So oder so. Gefühle von Bitterkeit, Ablehnung und sogar Hass lähmen, zermürben die verletzte Seele und können auch körperlich krank machen.

Christine Bartsch sparte nicht mit Beispielen und erntete viel zustimmendes Kopfnicken: Aber auch Nachdenklichkeit spiegelte sich auf einigen Gesichtern. „Und in einem letzten Winkel unseres Herzens ahnen wir, dass wir verzeihen sollten. . . aber das fällt so schwer. Was ist Vergeben eigentlich?“, stellte sie im zweiten Teil ihres Referates in den Raum und verdeutlichte, dass man es erst einmal Wollen muss. „Vergebung bedeute: Das Geschehene bleibt geschehen. Es lässt sich nicht ändern. Es wird auch nicht vergessen oder verdrängt – aber es spielt keine Rolle mehr!“ Das sei auch so, wenn man sich selbst etwas vergeben muss. „Ich muss es beiseite legen, damit ich frei werde.“ Manchmal seien eine Aussprache oder auch Abstand die beste Lösung. Und manchmal brauche man Hilfe durch eine dritte Person, der man vertraut, einer Freundin oder einem Seelsorger. Was ihr oft besonders geholfen habe: ihr Glauben.