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| 17:43 Uhr

Wie Unbegreifliches greifbar wird

Großschweidnitz. 5700 Psychiatriepatienten sind in der ehemaligen Landesanstalt in der Zeit des Nationalsozialismus verstorben oder wurden ermordet. Im Gedenken an die Opfer und zur Erinnerung an deren Schicksal wird nun die Geschichte der ehemaligen Landesanstalt Großschweidnitz aufgearbeitet. red/br

"Es ist wichtig, die Gräuel aus der nationalsozialistischen Vergangenheit weiter aufzuarbeiten. Die Schicksale der Opfer geben den begangenen Verbrechen ein Gesicht, machen das Unbegreifliche auch für die jüngere Generation greifbar. Deshalb ist es wichtig, dass diese nun in den Blick der Öffentlichkeit gelangen", sagte Staatsministerin Barbara Klepsch.

Der Verein Gedenkstätte Großschweidnitz hat dazu in einem ersten Schritt mit der namentlichen Erfassung aller zwischen 1939 und 1945 verstorbenen oder ermordeten Psychiatriepatienten begonnen, teilt die Pressesprecherin des Sozialministeriums, Annett Hofman, mit. Bis Ende dieses Jahres sollen alle der über 5700 Patienten, deren Namen und Biografien bislang größtenteils unbekannt sind, in einer Datenbank erfasst sein, so Hofmann weiter.

In Kooperation mit der Stiftung Sächsische Gedenkstätten/Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein werden die im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden verwahrten Patientenakten von Historikern ausgewertet.

Die Namen der Opfer sollen in das Gedenkbuch für die sächsischen Opfer der NS-Krankenmorde aufgenommen werden, um an die in Großschweidnitz zu Tode gekommenen Patienten namentlich zu erinnern und dieser Menschen gedenken zu können.

Das Projekt ist für die Gedenkstätte ein zentrales Vorhaben. Es wird mit knapp 43 000 Euro durch das sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz gefördert.

Langfristig soll auf dem ehemaligen Anstaltsfriedhof Großschweidnitz für die dort immer noch namenlos Ruhenden ein würdiger Gedenkort entstehen.

Möglich wurde die Umsetzung dieses für die Gedenkstätte zentralen Vorhabens durch die Förderung des sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz (SMS) innerhalb eines Interessenbekundungsverfahrens für "Projekte zur Erinnerungskultur für den Ersten und Zweiten Weltkrieg als Teil der historisch-politischen Bildung im Freistaat Sachsen".

Mit dem Vorhaben wird die Grundlage für die künftige Dauerausstellung und die historisch-politische Bildung der noch im Aufbau befindlichen Gedenkstätte Großschweidnitz gelegt. Zugleich können damit die zunehmenden Anfragen Angehöriger präziser und schneller beantwortet werden, heißt es in der Pressemitteilung.

Durch die begleitende Forschung zur Geschichte der Landesanstalt Großschweidnitz im Nationalsozialismus und insbesondere zum ehemaligen Anstaltsfriedhof sollen die durch überdosierte Medikamente, Vernachlässigung und systematische Unterernährung begangenen Krankenmorde umfassend aufgearbeitet werden.