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| 02:46 Uhr

Wie Sprache laufen lernt

Der Logopäde Helge Rühle kümmert sich als Sprachförderkraft in der Kita West in Lauta um die Sprachentwicklung der Kinder. Spielerisch lernen sie vor allem das Zuhören.
Der Logopäde Helge Rühle kümmert sich als Sprachförderkraft in der Kita West in Lauta um die Sprachentwicklung der Kinder. Spielerisch lernen sie vor allem das Zuhören. FOTO: Anja Guhlan/ang1
Lauta. Seit April 2012 nimmt die Kindertagesstätte West in Lauta an dem Bundesprojekt "Frühe Chancen – Sprache und Integration" teil. Die Zwischenbilanz der Kita ist zufriedenstellend: Nicht nur Kinder lernen richtig sprechen und vor allem zuhören, sondern auch Pädagogen erweitern ihre Einstellungen. ang1

Anliegen der bundesweiten Offensive ist die Stärkung der kindlichen Sprache im pädagogischen Alltag. Jedes Kind soll von Anfang an die Chance haben, Sprache zu lernen und damit ein wichtiges Grundelement der Bildung zu erfahren. Denn mehr als elf Prozent der Kinder bis 14 Jahre haben Sprach- und Sprechstörungen, die Werte im Kreis Bautzen liegen knapp darunter. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, nehmen deutschlandweit 4000 Kitas an dem Modellprojekt teil. Im Landkreis Bautzen sind es sieben Einrichtungen - darunter auch die Kita West in Lauta.

So wurde in der Kita West eine zusätzliche Fachkraft mit einer halben Stelle als "Sprachexperte" eingestellt. Die Aufgabe der sprachlichen Förderung in der Kita übernimmt der selbstständige Logopäde Helge Rühle. Er kümmert sich darum, den Kindern alltagsintegriert zu helfen. "Richtig zuhören zu lernen, ist die Grundlage für das Sprechen lernen", meint Helge Rühle. Mal wieder betreut er eine Gruppe und spricht mit den Kindern. Tierlaute stehen an diesem Morgen im Mittelpunkt. Die Kinder hören ein "Iah" oder ein "Miau" und ordnen es korrekt dem Esel und der Katze zu. Helge Rühle schult mit diversen Aufgabenstellungen spielerisch das Zuhören. Doch nicht immer werden die Anweisungen von Rühle von den Kindern verstanden, weil sie nicht richtig zugehört haben.

"Kinder sind Entdecker, die die Sprache vom Zuhören nach und nach erlernen", erklärt der Logopäde. Deshalb haben vor allem Pädagogen aber auch Eltern eine Vorbildfunktion beim Erlernen des Sprechens. In dem Modellprojekt werden deshalb nicht nur die Kinder in der Sprache gefördert, sondern auch Pädagogen. "Unsere Erzieherinnen werden durch das Sprachprojekt nebenbei auch von Herrn Rühle beobachtet. Sie bekommen Tipps, und ihr Sprechverhalten mit den Kindern wird widergespiegelt", erklärt Felicitas Borch, die Leiterin der Kita. So werden nicht nur die rund 70 Kinder der Kita für die Sprache sensibilisiert, sondern auch die Erzieherinnen. Die gewonnenen Kenntnisse werden dann alltagstauglich umgesetzt und an Eltern weitergegeben.

Auch Juliane Niemann profitiert als Mutter mit ihrem dreijährigen Sohn von dem Sprachprojekt. "Mir gefällt das Projekt sehr gut. Im normalen Sprechverhalten mit meinem Sohn bin ich manchmal etwas betriebsblind gewesen. Inzwischen wurde ich noch mal für dieses Thema sensibilisiert", erklärt die 30-Jährige. Sie erzählt, dass nach Bedarf ein reger Austausch zwischen Kita, der Sprachförderkraft und den Eltern stattfinden kann. "Eltern müssen bei der Sprachförderung natürlich auch mitziehen", erklärt Helge Rühle. Felicitas Borch nickt. Schließlich verbringen die Kinder ihre meiste Zeit zu Hause in der Familie. "Viel sprechen ist das A und O", sagt Rühle. Wobei der Logopäde und auch die Kita-Leiterin wissen, dass Eltern im Alltag immer wieder an Grenzen stoßen.

Ende des Jahres läuft das Programm "Frühe Chancen" aus. Die Kita hofft, dass das Programm weitergeführt wird. Doch selbst wenn es keine Förderung mehr vom Bundesfamilienministerium geben wird, wollen Erzieherinnen der Kita auch künftig die Sprachkompetenz der Kinder weiter fördern. Wie es geht, haben sie ja jetzt gelernt.