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| 16:27 Uhr

Hoyerswerda
Wie Künstler entdeckt werden

Kunst-Begabtenförderung am Léon-Foucault-Gymnasium Hoyerswerda: Elena Dubau, Jessica Phönix Hadam (beide aus Klassenstufe acht), Nico Bilik und Sophia Keck aus der zwölften Klasse, Merle Mierzwa (Klasse acht) sowie Kunstlehrerin Kristin Partusch (v.l.).
Kunst-Begabtenförderung am Léon-Foucault-Gymnasium Hoyerswerda: Elena Dubau, Jessica Phönix Hadam (beide aus Klassenstufe acht), Nico Bilik und Sophia Keck aus der zwölften Klasse, Merle Mierzwa (Klasse acht) sowie Kunstlehrerin Kristin Partusch (v.l.). FOTO: Sascha Klein / LR
Hoyerswerda. Das Léon-Foucault-Gymnasium setzt bewusst auf Kunst. Die Schule versucht akribisch, die größten Talente herauszufinden und gezielt zu fördern. Hinter dem Schlagwort Begabtenförderung steckt jahrelange Arbeit. Von Sascha Klein

Talente entdecken, fördern, für die Kunst begeistern, neugierig auf Neues machen: Das sind einige der Aufgaben von Kunstlehrerin Kristin Partusch. Wenn sie ein Talent in den Reihen ihrer Schüler entdeckt, überlegt sie: Ist der oder die jemand für die Begabtenförderung? Wobei Kristin Partusch dabei gerne Einstein zitiert: „Ein Prozent ist Talent, 99 Prozent ist harte Arbeit.“ Das sei auch in der Kunst so.

Trotzdem findet die Kunstlehrerin in jedem Jahrgang Schüler, bei denen sie etwas Besonderes ausmacht. Einer ist Nico Bilik aus Dörgenhausen. Der 18-Jährige macht in diesem Jahr Abitur und ist im Kunst-Leistungskurs. Schon als Kind habe er Interesse an Kunst gehabt, erzählt er. Eine seiner Erinnerungen: Seine Oma habe manchmal selbst mitten in der Nacht mit ihm basteln müssen. Auch bei Sophia Keck (17) aus Groß Särchen hat es mit Basteln und Malen begonnen. Sie ist sich sicher, dass ihr ihre Mutter das Interesse für Kunst mitgegeben hat.

Nico Bilik und Sophia Keck sind zwei Schüler, die die Begabtenförderung im Foucault-Gymnasium durchlaufen. „Wir starten mit Begabtenförderung in Klasse fünf und bieten dieses Zusatzangebot, das eine Stunde Kunst pro Woche umfasst, bis zur Klasse sieben an. Hier entdecken wir ohne Notendruck neue Techniken und widmen uns individuellen Projekten“, sagt Lehrerin Kristin Partusch. Danach gebe es die Möglichkeit, das künstlerische Profil und dann den Leistungskurs Kunst zu besuchen. Zusätzlich gibt es in Klasse zehn einen Vorkurs als AG-Angebot, in dem sich noch die Schüler intensiver auf den Leistungskurs vorbereiten können. Grundschüler der vierten Klassen sind eingeladen, „Foucault for Kids – Junge Künstler“ zu besuchen. Dieses Angebot gibt es auch für Sportler, Matheprofis und junge Forscher.

Doch: Wie entdecken die Lehrer das Talent einzelner Schüler? „Künstlerische Begabung zeigt sich oft bereits sehr früh: in einer besonderen Wahrnehmungsgabe beispielsweise, oder in der Sensibilität für Materialien, in fantasievollen Denken und natürlich in der Fähigkeit, Gedanken und Erlebnisse selbst künstlerisch auszudrücken“, sagt Kristin Partusch.

Bleibt die Frage: Wieviel Einfluss können die Lehrer im normalen Schulalltag auf ihre Schüler nehmen? „Wir können auf zwei Ebenen unterstützen: Zum einen geben wir ihnen Arbeitsmethoden an die Hand: Wie lege ich eine Bildkomposition an? Wie entwickle ich meine Bildidee weiter? Zum anderen begleiten wir Sie auf ihrem persönlichen Weg: Wie gehe ich mit Misserfolgen um? Wie kann ich mich motivieren? Wie kann ich mich überwinden und selbst festgelegte Grenzen überschreiten?“, erklärt Kristin Partusch. Dieser zweite Teil finde oftmals „nebenbei“ statt, sei jedoch ein wichtiger Bestandteil der Arbeit.

Das Positive für die Schüler: Ihre Werke bleiben nicht unbetrachtet. Jahr für Jahr gibt es eine neue Schulhausausstellung. Zudem präsentiert der Leistungskurs unter Leitung von Kunstlehrerin Ines Lenke jährlich eine Ausstellung – dieses Jahr im März im Schloss Hoyerswerda.

Doch: Wird aus jedem Kunst-Leistungskursler auch ein Kunststudent? Kristin Partusch sagt, es gibt in jedem Jahrgang Schüler, die diesen Weg einschlagen. Im Fall von Nico Bilik und Sophia Keck aber eher nicht. „Mich würde ein Kunststudium schon interessieren“, sagt der 18-Jährige. „Aber mir ist das zu gewagt. Die Perspektive danach ist schlecht.“ Auch die 17-Jährige aus Groß Särchen wird nicht Kunst studieren. Doch ein großes Hobby wird es bleiben. Dass viele Kunst-Leistungskursler nach dem Abi in eine andere Richtung gehen, ist für Lehrerin Kristin Partusch jedoch gar kein Widerspruch: „Kreatives Denken, handwerkliches Können, Denken über Grenzen hinweg, selbstständige Arbeitsweise: Das alles wird auch in anderen Berufszweigen gebraucht.“