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| 15:32 Uhr

Knappenrode
Wie Industriekultur verbindet

Frieder Schreier vom Förderverein der Energiefabrik Knappenrode erklärt den Sprembergern Christiane Zitzke (35) und Chris Weidenbach (25) sowie dem Leipziger Christian Grube (31) und Rudolf Schuba (33) aus Weißenfels mehr über die Arbeitsbedingungen der ehemaligen Brikettfabrik.
Frieder Schreier vom Förderverein der Energiefabrik Knappenrode erklärt den Sprembergern Christiane Zitzke (35) und Chris Weidenbach (25) sowie dem Leipziger Christian Grube (31) und Rudolf Schuba (33) aus Weißenfels mehr über die Arbeitsbedingungen der ehemaligen Brikettfabrik. FOTO: Anja Guhlan
Knappenrode. Letzte Feier vor dem Umbau: Die Energiefabrik hilft beim Brücken schlagen. Von Anja Guhlan

Das Herbstfeuerfest am Wochenende in der Energiefabrik in Knappenrode lockte wieder tausende Besucher auf das Museumsgelände. Eingebettet in die backsteinrote Kulisse der imposanten Brikettfabrikgebäude erwartete den Besucher unter anderem ein Markt zum Trödeln, die Modelleisenbahner mit ihrer offenen Werkstatt sowie Kinderbastelstände und jede Menge Versorgungsstände. Im Mittelpunkt stand jedoch abermals die Industriekultur: Zahlreiche Baustellen- oder Sonderführungen, fachkundige Betreuungen der Ausstellungen sowie technischen Führungen durch die historische Brikettfabrik standen auf dem Programm.

Im Pressenhaus der historischen Brikettfabrik stehen vier junge Menschen und lassen sich gerade von Frieder Schreier den damaligen Arbeitsvorgang des Pressens erklären. Alle vier Besucher stammen ursprünglich aus Leipzig. Chris Weidenbach (25) und Christiane Zitzke (35) haben sich allerdings vor drei Jahren dazu entschlossen, von Leipzig in die Lausitz zu ziehen und wohnen inzwischen in Spremberg. „Wir wollten uns mit unserer neuen Heimat vertraut machen und fingen an mehr über die Region in Erfahrung zu bringen und zu lernen. Erlebnisorte wie die Energiefabrik in Knappenrode helfen da ganz gut“, meint Chris Weidenbach. Seine Partnerin Christiane ergänzt: „Wir sind bereits zum zweiten Mal hier und es vermittelt sehr gut die Industrielage in der damaligen Zeit.“ Immer öfter laden sie die Familien oder Freunde aus Leipzig in die Region ein, um sich selbst einen Eindruck zu vermitteln. An diesem Wochenende sind Rudolf Schuba (33) aus Weißenfels und Christian Grube (31) aus Leipzig zu Besuch und stehen mit im Pressenhaus in Knappenrode. „Wir interessieren uns sehr für Industriekultur. Deshalb machen wir vier derzeit eine private Kohle-Energie-Tour, bei der wir die Energiefabrik Knappenrode, das Kraftwerk Schwarze Pumpe sowie das Kraftwerk in Plessa anschauen“, berichtet Christian Grube. Allen vier Besuchern gefällt es in der Energiefabrik sehr gut. Es gibt Technik zum Anfassen, die teilweise auch akustisch zum Leben erwacht, aber auch die Zeitzeugenberichte und die Erklärungen von Frieder Schreier vom Förderverein, der damals in der Fabrik als Schichtleiter tätig war: „Wir können hier gut nachvollziehen, wie aus Rohkohle Briketts wurden und bekommen sehr authentisch einen Eindruck von den harten Arbeitsbedingungen der Kumpel“, so Rudolf Schuba. Auch Frieder Schreier ist begeistert, so interessierte und junge Besucher vor sich stehen zu haben, die neugierig Fragen stellen und sich mit dem Thema beschäftigen.

Den beiden Leipzigern gefällt es so gut, dass sie überlegen, noch weitere Male in die Region zu kommen. Zahlreiche Fotos werden zur Erinnerung geschossen. Aber sie nehmen auch viel neues Wissen über die Region der Lausitz mit nach Hause. „Wir wollen gerne unserem Bekanntenkreis mehr über die Region vermitteln, in der wir jetzt leben. Gerade in Zeiten des Strukturwandels wollen wir quasi um ein bisschen Verständnis von außerhalb für Leute in der Region bitten“, so Christiane.

Die Energiefabrik verbindet am Ende nicht nur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, sondern es stärkt auch das Gefühl für Heimat und bringt Leute verschiedener Regionen zusammen und lässt gegenseitiges Verstehen aufkeimen.