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| 17:10 Uhr

Ich kaufe regional
Übersichtlich, thematisch, blumig

Anke Küttner, Inhaberin des Schuhhauses Weser in der Hoyerswerdaer Altstadt, weiß von ihrer Kundschaft, wie wichtig eine ansprechende Schaufenster-Ausstattung ist.
Anke Küttner, Inhaberin des Schuhhauses Weser in der Hoyerswerdaer Altstadt, weiß von ihrer Kundschaft, wie wichtig eine ansprechende Schaufenster-Ausstattung ist. FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda. Hoyerswerdas Altstadt hat sich mit schöneren Schaufenstern hervorgetan. Die sind zwar ein optischer Pluspunkt, aber kein Kundenmagnet als solcher. Von Anja Hummel

Über der Tür, rechts und links daneben und im Schaufenster – dekorative Blumen kommen bei Anke Küttner nicht zu kurz. Passend zu ihrer Ware: Die weißen und roten Blüten sprießen aus zwei großen Holzschuhen empor. Seit 1997 gibt es das Schuhhaus Weser in Hoyerswerdas Altstadt. Inhaberin Anke Küttner hat es von ihren Eltern übernommen.

Das Schaufenster, sagt sie, ist für den Verkauf mittlerweile sehr wichtig geworden. „Die Kunden holen sich darüber ihre Anregungen“, weiß die 48-Jährige. Was für sie entscheidend ist: Übersichtlichkeit. „Und es muss ein Thema zu erkennen sein.“ Drei große Schaufenster hat sie, direkt an der Schlossstraße gelegen. „Natürlich gestalten wir die je nach Wetterlage, meistens im wöchentlichen Wechsel“, sagt die Hoyerswerdaerin. Während im ersten Fenster Sommerschuhe mit floralem Muster zu sehen sind, im zweiten elegante Sandalen und Schuhe für das „Abendprogramm“, haben die Männer Schaufenster Nummer drei „abbekommen“. „Viele sehen etwas beim Vorbeischlendern, kommen dann in den Laden und fragen direkt nach der Größe eines speziellen Modells“, erzählt Anke Küttner und macht deutlich, wie wichtig die Schaufenstergestaltung für den Verkauf ist.

Diese Erkenntnis hat nicht nur sie ereilt. Erst in diesem Juni haben viele der Einzelhändler in Hoyerswerda aufgerüstet und ihre Schaufenster verschönert. Der Antrieb dafür kam von Citymanagerin Dorit Baumeister. Für das Projekt „Boulevard Kirchstraße“ sprach sie die Händler und Dienstleister in der Altstadt gezielt an. Der gewünschte Effekt: auffallen und Kundschaft anlocken. Viel Überzeugungsarbeit habe Dorit Baumeister dafür bei den Gewerbetreibenden leisten müssen. Aber es hat sich gelohnt: „Wir haben nun attraktive und individuelle Schaufenster in der Altstadt“, erklärt die Citymanagerin im Juni auf einem Treffen mit Fachkollegen aus anderen sächsischen Städten. Viele Komplimente habe es schon gegeben. „Es bewirkt einfach etwas bei den Menschen, die dort vorbeilaufen“, so Baumeister. Mit ihrer Expertise als Architektin konnte sie dem einen oder anderen Händler bei der Dekoration unter die Arme greifen.

Auch bei Anke Küttner kam sie vorbei. „Sie hat uns alle angeregt, mit ins Boot zu steigen“, erzählt die Schuhhaus-Inhaberin. Das Brautmodengeschäft direkt nebenan habe ebenfalls mitgemacht. Den Vorher-Nachher-Effekt findet Anke Küttner erstaunlich. Sie selber hat bereits an einer entsprechenden Deko-Schulung teilgenommen und lässt sich sonst auch gerne von anderen inspirieren. „Wenn ich unterwegs bin, schaue ich natürlich auch in die Schaufenster der Kollegen“, sagt sie.

Insgesamt beobachtet sie einen leichten Aufwärtstrend im Einzelhandel. „Die Leute wünschen sich mittlerweile immer öfter ein gemütliches und individuelles Ambiente“, hört Anke Küttner vermehrt von ihren Kunden. Für sie steht fest: Es müssen einfach mehr Leute in die Innenstadt gelockt werden. Dass das nicht allein durch schöne Schaufenster gelingt, ist ihr klar. Vor allem die Seenland-Touristen müssten noch mehr „hergeholt“ werden. Und das sei Aufgabe von allen – Gewerbetreibenden, Stadt, Tourismusverband. Die Schaufenster sind da nur ein kleiner optischer Pluspunkt.

Dass die Zukunft der Schaufenster-Kultur eine ganz andere Richtung einschlagen wird – davon ist Gunnar Hoffmann überzeugt. Der Dresdner Unternehmer sprach erst im Juni vor dem Hoyerswerdaer Citymanagement über Möglichkeiten der Innenstadtbelebung. Das große Stichwort: virtuelle Einkaufswelten. Schaufenster sind demnach bald nicht mehr nur zum Gucken da, sondern bieten den kompletten Einkaufsservice. „Nach Feierabend, wenn die Geschäfte geschlossen haben, ist das ideal“, so Gunnar Hoffmann. Auf einem virtuellen Schaufenster könnten sich die Waren unabhängig von den Ladenöffnugszeiten angeschaut und letztendlich auch gekauft werden. Frank Graumüller vom Citymanagement Hoyerswerda äußerte sich positiv: „Die Investition in digitales Shopping stürzt den Einzelhandel nicht in den Ruin. Man muss einfach versuchen, seine Ware rund um die Uhr zu präsentieren.“

Für Hoyerswerdas Innenstadt scheint das noch entfernte Zukunftsmusik zu sein. Das nächste große Ziel: Das Projekt „Boulevard Kirchstraße“ im kommenden Jahr zu wiederholen. Heißt: Die Kirchstraße soll wieder zur Flaniermeile werden, Händler dekorieren nicht nur die Schaufenster, sondern auch den Außenbereich, die Altstadt wird zu einem lebendigen Aufenthalts- und Erlebnisort. Nach dem Modell „Shared Spaces“, auf deutsch „gemeinsamer Raum“, teilen sich Autofahrer, Radler und Fußgänger die Straße. In verkehrsberuhigter Zone soll eingekauft, flaniert, gegessen und geschlürft werden. Der Plan steht. Dass solch ein Konzept aber Zeit braucht, um in die Köpfe der Bürger zu kommen und sie tatsächlich dauerhaft anlockt, darüber sind sich Gewerbetreibende und Citymanagement einig.

Sandalen mit floralem Muster in Pastelltönen: Hauptsache das Schaufenster ist übersichtlich gestaltet. Thematisch sollte es auch passen, findet Anke Küttner.
Sandalen mit floralem Muster in Pastelltönen: Hauptsache das Schaufenster ist übersichtlich gestaltet. Thematisch sollte es auch passen, findet Anke Küttner. FOTO: LR / Anja Hummel
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Ich kaufe regional 4c FOTO: LR