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| 17:17 Uhr

Eisernes Jubiläum
Wie ein Hochsommertag in den Ehehafen führte

Ingeborg und Karl Küchenmeister haöten seit 65Jahren eisern zusammen.
Ingeborg und Karl Küchenmeister haöten seit 65Jahren eisern zusammen. FOTO: Ulrike Herzger
Hoyerswerda. Ingeborg und Karl Küchenmeister in Hoyerswerda feiern eiserne Hochzeit. Von Ulrike Herzger

. Auf stolze 65 Ehejahre blicken am 9. Mai Ingeborg (91) und Karl (88) Küchenmeister zurück. Beide stammen aus der Elsterwerdaer Ecke. Im Hochsommer 1951 sind sie sich  über den Weg gelaufen. Karl Küchenmeister war bei seiner Tante zu Besuch, die eine Obstmosterei bewirtschaftete und die junge Ingeborg besuchte ihre Freundin Edith, die dort beschäftigt war.

Im kühlen Schatten, bei Apfel-, Birnen- und Kirschsaft, ließ es sich nach Arbeitsschluss bestens plaudern, wobei für den jungen Mann diese Begegnung viel zu schnell verging. Denn die lustige Ingeborg, die Humor verstand und immer so keck lachte, hatte ihm auf den ersten Blick gefallen. Als gelernter Zimmermann war er natürlich ein Mann der Tat und verstand es, Ingeborg zu beeindrucken. Schon bald wurden beide ein glückliches Pärchen.

 Als Ingeborg sicher war, dass sie im September 1953 Nachwuchs erwartet, überlegten die Verliebten nicht lange und bestellten das Aufgebot.  
Beide Eheleute erinnern sich immer wieder gern an bestimmte Dinge. Runde Jubiläen eignen sich dafür perfekt. Denn inzwischen ist ihr Leben um viele Menschen reicher geworden. „Wir haben zwei Kinder, fünf Enkel und sieben Urenkel. Und es bringt Fröhlichkeit in die Runden, wenn wir einige Episoden Revue passieren lassen“, ergänzt Ingeborg Küchenmeister schmunzelnd.

 Unvergesslich blieb dem Paar sein Hochzeitstag. „Zur Trauung waren wir nur eine kleine Gesellschaft - unsere Eltern und die beiden Trauzeugen. Die zwei bestellten Taxis für die Heimfahrt nach der kirchlichen Trauung hätten gereicht. Aber nach ewigem Warten und der Nachfrage, wo die Taxis bleiben, schickte man uns einen großen Bus! Diesen Irrtum brauchten wir glücklicherweise nicht zu bezahlen.“

Ein weiteres Beispiel betraf den zu erwartenden Familienzuwachs. Das junge Paar wohnte in einem Zimmer und kleiner Küche bei Ingeborgs Eltern – ohne Telefon. Als die Geburt nahte, war Karl auf Montage. Die Mutter begleitete Ingrid deswegen ins Krankenhaus. Und weil die werdende Oma gleich wieder nach Hause ging, wusste in den nächsten Stunden niemand Genaueres. Umso überraschter waren alle, die junge Mutter eingeschlossen, dass es nicht bei der einen Geburt blieb, sondern nach einem Mädchen auch noch ein Junge das Licht der Welt erblickte. „Damals war man in der Medizin eben noch nicht soweit fortgeschritten “, resümiert Karl Küchenmeister.

Problemchen waren vorprogrammiert; es fehlte Platz und alles musste doppelt besorgt werden. Als Zimmermann Karl eine Arbeit im entstehenden Gaskombinat Schwarze Pumpe bekommen hatte, wurde alles entspannter. Schon bald wohnte er mit seiner Ingeborg und den Zwillingen in einer schönen fernbeheizten Wohnung in Hoyerswerda. „Meine Kollegen und ich gehörten damals zur ersten Rüsterbrigade der Aufbauleitung. Wir machten eine wichtige Arbeit, die auch körperlich anstrengend war“, erzählt er.

Ingeborg Küchenmeister ging als Verkäuferin erst wieder arbeiten, als die Zwillinge zehn Jahre waren. „Eigentlich hatten wir ja nur zwei Kinder. Aber bei uns war immer etwas los, weil die beiden meist ihre Schulkameraden mit nach Hause brachten“, erinnert sie sich. Und sie ergänzt, dass sie damit dem Rat ihres Vaters folgte, der meinte, dass es für ein Kind nichts Schlimmeres gäbe, als das Gefühl, dass sich niemand um einen kümmert.

Zur familiären Freizeitbeschäftigung gehörte auch ein Garten. Gemeinsam fuhr die Familie in den FDGB-Urlaub und kostete nach der Wende die Reisefreiheit aus. Wegen gesundheitlicher Einschränkungen muss das Paar Küchenmeister seit einiger Zeit kürzer treten. „Daher konnten wir zu unserem Jubiläum leider selbst nichts organisieren und lassen uns gern wieder einmal von unseren Kindern und Kindeskindern überraschen!“, erzählt das Jubelpaar. Darüber, dass der Oberbürgermeister zum Gratulieren kommen wird, sind sie jedoch informiert.