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| 08:33 Uhr

Wetterdienst
Hoyerswerda ist ein Wetter-Mekka

Wetter Extremwerte
Wetter Extremwerte FOTO: LR / Elisabeth Wrobel
Hoyerswerda. Gute Prognosen, präzise Technik: Die Stadt Hoyerswerda hat eine der modernsten Wetterstationen der Region. Von Anja Hummel

Knapp zehn Grad Celsius, schwacher Südwind, tief hängende Wolken, weder Regen noch Sonne. Petra Fude steht im Container, dem „Herzen der Wetterstation“, und blickt auf den Computerbildschirm. Sie trägt eine dicke Winterjacke, auf dem Kopf eine graue Mütze. Ihre Wettereinschätzung, auch ganz ohne Blick auf die elektronischen Daten: „Heute ist ein trüber Tag.“

Einmal im Jahr verschlägt es die Dresdnerin nach Hoyerswerda. Zumindest beruflich. Sie ist Wetterfachkraft beim Deutschen Wetterdienst (DWD). Seit 2009 gibt es für sie auch etwas in Hoyerswerda zu tun. Im Dezember vor neun Jahren hat der DWD in der Stadt eine Wetterstation aufgemacht. Wolkenhöhenmesser, Schneehöhensensor, Thermometerhütte, Windmast, Niederschlagsmonitor, Sichtweitensensor – all die Technik misst voll automatisch all diese Daten. Die werden wiederum in die DWD-Zentrale nach Offenbach geleitet. Dort, so Petra Fude, werden die Rohdaten gesammelt, Wettervorhersagen errechnet, wenn nötig Warnhinweise rausgeschickt. „Hier in Hoyerswerda hatten wir eine Lücke“, sagt Fude, während sie vor dem Wolkenmessgerät steht. In Dresden und Görlitz gebe es die nächsten Stationen. Sie selbst ist vor Ort, um die Lage zu überprüfen – im wahrsten Sinne des Wortes: „Wir schauen, ob sich um die Messstation herum etwas verändert hat.“ Rings um die Station: Feld und Wiese, in der Ferne ein Wald, ein flacher Damm. „Horizontfreiheit ist wichtig. Neuer Bewuchs oder Bebauung würden unsere Ergebnisse verfälschen“, erklärt Petra Fude.  In Hoyerswerda gab es beim Prüfrundgang aber keine Überraschung. Petra Fude steht immer noch vor dem Wolkenmessgerät, spricht von hochsensibler Sensorik, von standardisierter Technik, von Laserstrahlen. „Das Messgerät sendet alle zehn Sekunden einen Laserstrahl nach oben. Die Laufzeit zurück zum Boden ist der Wert, der die Wolkenhöhe angibt“, sagt sie und blickt nach oben. Besonders für die „Fliegerei“, die Rettungshubschrauber etwa, ist der Bedeckungsgrad wichtig.

Die Temperaturen werden nicht nur in der Luft gemessen - auch die Daten wenige Zentimeter über dem Boden sowie unter der Erde werden abgespeichert.
Die Temperaturen werden nicht nur in der Luft gemessen - auch die Daten wenige Zentimeter über dem Boden sowie unter der Erde werden abgespeichert. FOTO: LR / Anja Hummel

Die angewandte Messtechnik ist hochsensibel. „Schon bei Spinnweben kann es zu Fehlmessungen kommen.“ Deshalb müsse hier regelmäßig entstaubt werden. Das übernimmt eine Fremdfirma. Unabhängig davon gibt es eine DWD-Technikgruppe mit Sitz in Potsdam und Leipzig. Die kommt zur regelmäßigen Wartung der Sensorik vorbei – oder wenn es Störungen gibt. Das aber komme nur sehr selten vor, versichert die Fachfrau. Seit 42 Jahren arbeitet sie beim DWD, neben den regelmäßigen Prüfungen der Stationen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen leitet sie die Flugwetterwarte in Dresden. Wetter war schon immer ein Thema für sie, „weil mich Mathematik und Physik als Grundlagen interessieren“. Das für sie Spannendste daran: „Die anstehenden Überraschungen, der Wechsel.“ Eigentlich mag sie hohe Temperaturen, den durchgängig viel zu trockenen und heißen Sommer fand sie aber langweilig. Mit prüfendem Blick zieht sie von Messgerät zu Messgerät.

Wie die Geräte aufgestellt sind, ist vollkommen standardisiert. „Das ist geregelt über die Weltorganisation der Meteorologie“, so Fude. Wichtig ist die Vergleichbarkeit. Daraus werden schließlich die Vorhersagen errechnet. „Daran hängen riesengroße Rechenmodelle“, erklärt Petra Fude. Aufgabe des Meteorologen ist es dann, aus diesen Ergebnissen Rückschlüsse auf das anstehende Wetter zu schließen. Allgemeine Kritik an der Arbeit von Sonnenfee und Regenfrosch kann sie nicht nachvollziehen: „Die Genauigkeit hat zugenommen. Vor allem der Prognosezeitraum hat sich stark ausgeweitet.“ Wohl eine der wichtigsten Aufgaben des DWD: die Vorhersage von Unwettern und die Zusammenarbeit mit Feuerwehr und Katastrophenschutz. „Man sollte solche Warnungen nicht abtun. Auch wenn sie nicht immer zu 100 Prozent eintreffen. Das ist nun mal die Natur.“

Petra Fude steht mittlerweile vor der Thermometerhütte. Geschützt vor der Sonne wird hier die Lufttemperatur gemessen. Eine digitale Anzeige gibt es hier nicht. „Alles ist verkabelt, die Daten werden direkt übertragen und weitervermittelt“, erklärt Fude. Während die Lufttemperatur standardisiert auf zwei Meter Höhe gemessen wird, gibt es auch ein Erdbodenmessfeld. „Für die Agrarmeteorologie“, so Fude. Bis zu einem Meter tief wird die Temperatur gemessen. Für die „Winddaten“ hingegen geht es in die Höhe. Zwölf Meter hoch ist er, der Mast, der Windrichtung und Windgeschwindigkeit mittels Ultraschall misst. „Früher“, erinnert sich Petra Fude, „gab es dafür einfache Windräder und Fahnen“. Als sie beim DWD anfing, wurde die Temperatur noch mit dem Glasthermometer gemessen und mit dem menschlichen Auge abgelesen. Heutzutage: alles vollautomatisch. „Dafür liegen uns jetzt natürlich sehr viele genaue Daten vor. Aber die digitale Technik muss akribisch geprüft werden“, so Fude. „Wenn sich ein Tier auf den Niederschlagsmesser setzt, gibt es plötzlich Dauerregen.“ Das wiederum kann dann doch nur durch den Blick nach draußen widerlegt werden.

Petra Fude vom Deutschen Wetterdienst checkt die Messwerte. Übertragen werden in Echtzeit Daten wie Luftdruck, Wolkenhöhe und natürlich die Temperatur.
Petra Fude vom Deutschen Wetterdienst checkt die Messwerte. Übertragen werden in Echtzeit Daten wie Luftdruck, Wolkenhöhe und natürlich die Temperatur. FOTO: LR / Anja Hummel