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Wie die Namen der Fußballligen zu Geld gemacht werden

Der Geschäftsführer des Westlausitzer Fußballverbandes Gojko Sinde vor der Geschäftsstelle in Kamenz. Foto: Augustin
Der Geschäftsführer des Westlausitzer Fußballverbandes Gojko Sinde vor der Geschäftsstelle in Kamenz. Foto: Augustin FOTO: Augustin
Kamenz/Hoyerswerda. Seit der Fusion zum Westlausitzer Kreisverband vor zwei Jahren haben die Fußball-Ligen in der sächsischen Lausitz einen Vornamen bekommen. Firmen dienen als Namensgeber für Kreisoberliga, Kreisliga, oder A-Junioren-Kreisklasse. Der Verband finanziert mit dieser Art der Vermarktung seine Geschäftsstelle in Kamenz. Von Jan Augustin

Als der südkoreanische Automobilhersteller Kia vor vier Jahren die Namensrechte aller 125 Kreisligen in Hessen erwarb, ist der unterste Amateurfußball in ein neues kommerzielles Zeitalter eingetreten. Die Kreisliga Odenwald hieß auf einmal Kia-Kreisliga Odenwald. Die Vereine bekamen einen Trikotsatz geschenkt und der Hessische Fußballverband (HFV) Geld. Es sei eine "ordentliche Summe" gewesen, sagt HFV-Geschäftsführer Gerhard Hilgers. Ein Jahr dauerte das Engagement an.

Allerdings regte sich Widerstand bei den Vereinen. Ihre lokalen Sponsoren, darunter auch Autohäuser, hatten nicht mehr die gewünschte Aufmerksamkeit auf der Brust der Spieler.

Eine Saison dauerte das Experiment von Kia an. Danach sponsorte der Konzern noch den "Kia"-Pokalwettbewerb - aber dann war die Zusammenarbeit beendet. "Es war ein Versuch gewesen", sagt Hilgers. Auch der Deal mit Lotto Hessen währte nur zwei Jahre. Heute gibt im hessischen Kreisfußball kein Unternehmen mehr für Geld seinen Namen her. Bedauerlich? "Ja, natürlich", sagt Hilgers, "das war ein Zubrot auch für die Vereine." Trotz alledem, Hilgers empfiehlt das Vermarktungs-Modell der Namensrechte auch für andere Fußball-Verbände.

Auf der Internetseite des Westlausitzer Fußballverbandes (WFV) wünscht ein Fußball spielender Schneemann den Förderern des Sports eine besinnliche Weihnachtszeit. Über dieser Grafik läuft ein schmales Band, auf dem die Logos von Sponsoren abgebildet sind. Am oberen Rand, fast in der Mitte und größer als auf dem Banner, prangt das rote Firmenzeichen eines Kreditinstituts. Seit der Fusion der drei Fußballkreise Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda zum WFV gehört nicht nur die Vermarktung von Werbeflächen auf der Homepage zum Geschäftsmodell des Verbandes.

System stammt aus Kamenz

Auch die 35 Staffeln von den G-Junioren bis zu den Alten Herren werden seit der Spielzeit 2010/11 mit einem Sponsor versehen. Die Kreisoberliga nennt sich "Sparkassen-Kreisoberliga". Und die Damen-Kreisliga heißt "Druckerei Schütz-Kreisliga". "Wir haben das System der Kamenzer übernommen, den Ligen entsprechende Namen zu geben", erklärt WFV-Vorsitzender Axel Görner. Das Sponsoring in Sachsen beschränkt sich auf die Vergabe der Namensrechte der Ligen, die Präsenz im Internet oder bei Veranstaltungen des Verbandes, wie beispielsweise das ewag-kamenz-Feriencamp. Logos auf den Spielertrikots gibt es aber nicht.

Professionelle Geschäftsstelle

Das Geld, das durch das Sponsoring eingenommen wird, verwendet der Verband für seine Geschäftsstelle in Kamenz. Dort sind mit Gojko Sinde ein hauptamtlicher Geschäftsführer sowie eine Teilzeitkraft für die Buchhaltung angestellt. Görner schätzt das Jahresbudget für den Verband auf etwa 110 000 bis 120 000 Euro ein. "Mehr als die Hälfte brauchen wir für die Geschäftsstelle", sagt Görner. Er betont aber, dass das Geld nicht nur für die Beschäftigung gebraucht werde. Spielbetrieb, Schiedsrichterkosten, Qualifizierungsmaßnahmen - alles, was an Kosten im WFV anfällt, wird durch die Geschäftsstelle abgesichert. Von den Sponsoren werde mehr als die Hälfte des Bedarfes abgedeckt.

Das Verständnis für diese Art des Geldbeschaffens ist bei den Vereinen in und um Hoyerswerda vorhanden. "Ich habe kein Problem damit", sagt Thomas Leberecht, Präsident des BSV 1997 Lohsa. Ein Kreis in dieser Größe brauche eben einen hauptamtlichen Geschäftsführer - "Ehrenamt hin oder her". Im Konkurrenzkampf mit dem Verband um Sponsoren glaubt sich Leberecht nicht. "Wir leben eher von Kleinunternehmen", sagt er. Außerdem seien die aktuellen Sponsoren des Verbandes nicht in seiner Region aktiv - Kannibalisierungseffekte sind also ausgeschlossen.

Als "eine gute Sache" bezeichnet auch der Sportliche Leiter des FC Lausitz Hoyerswerda, Bernd Ziemann, das Finanzierungskonzept des WFV. "Der Verwaltungsaufwand ist gestiegen. Demzufolge braucht man mehr Geld", folgert Ziemann. Der Verband sollte dennoch Rechenschaft gegenüber den Vereinen ablegen, zum Beispiel bei der Jahreshauptversammlung. "Transparenz schadet nicht", sagt Ziemann.

Verband macht keinen Gewinn

Gewinn macht der Verband jedenfalls nicht, sagt Axel Görner. "Unser Ziel ist es, eine schwarze Null zu erreichen. Im Moment schaffen wir das." Görner hofft, dass das Vermarktungs-Konzept noch ein paar Jahre Bestand hat. "Umso professioneller wir arbeiten, desto leichter haben es die Vereine. Die sollen sich nur darum kümmern, dass die Leute von der Straße kommen und Fußball spielen und ihren Spaß haben." Im Frühjahr wird darüber abgestimmt, ob die sächsischen Fußball-Fachverbände, die momentan noch juristisch selbstständig sind, in den Landessportbund sowie in die Kreis- oder Stadtsportbünde aufgenommen werden. Der WFV hätte dann auch wieder die Möglichkeit an öffentliche Fördergelder zu kommen. Die Sponsoren müssten in diesem Fall nicht mehr so viel an den Verband überweisen, erklärt Geschäftsführer Sinde. Der Vertrag mit den Sponsoren ist bis zum Sommer 2012 befristet.

Was denken Sie über diese Form des Sponsoring? Schreiben Sie an hoyerswerda@lr-online.de