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Wie aus Janko der Mythos Krabat wurde

Die Raben in der Schwarzen Mühle (hier in einer Schülerarbeit) sind Teil des Krabat-Mythos. Mit dessen Entstehung aus einer realen Person beschäftigt sich das Sorbische Museum in diesem Jahr.
Die Raben in der Schwarzen Mühle (hier in einer Schülerarbeit) sind Teil des Krabat-Mythos. Mit dessen Entstehung aus einer realen Person beschäftigt sich das Sorbische Museum in diesem Jahr. FOTO: Uwe Menschner/ume1
Bautzen. Das Sorbische Museum Bautzen will sich in diesem und im kommenden Jahr intensiv mit Krabat beschäftigen. Für den Zeitraum vom 17. September 2017 bis zum 15. April 2018 ist eine Sonderausstellung zu diesem Thema geplant. Im Mittelpunkt soll dabei die historische Figur stehen, von der sich der heutige Krabat-Mythos abgeleitet hat. Uwe Menschner / ume1

Wer war Janko {Scaron}ajatovic? Bei dieser Frage an beliebige Menschen aus der Region wird man wohl derzeit noch nur wenige fundierte Antworten erhalten. Etwas besser dürfte es aussehen, wenn man den Namen Johann von Schadowitz nennt. Dabei handelt es sich um ein und dieselbe Person - in kroatischer und deutscher Namensversion.

Fragt man allerdings nach "Krabat", dann sollten die Antworten nur so sprudeln. Krabat, den großen Hexenmeister und Wohltäter der Sorben, kennt zwischen Groß Särchen und Kamenz, zwischen Wittichenau und Bautzen jedes Kind. Wie konnte es dazu kommen, dass sich der Mythos von Krabat so weit verselbstständigte, dass er heute weitaus bekannter ist als die reale Person? Und wie kam es überhaupt zur Herausbildung dieses Mythos? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Sorbische Museum Bautzen in einer Sonderausstellung, die für den Zeitraum vom 17. September dieses Jahres bis zum 15. April 2018 geplant ist.

"Ganz klarer Schwerpunkt ist die eigentliche historische Person des Janko {Scaron}ajatovic", erklärt Martin Brützke, Pressesprecher des Sorbischen Museums. "So lautet der Arbeitstitel der Ausstellung auch 'Janko {Scaron}ajatovic. Krabat z {Lstrok}u{zcaron}icy. - Janko {Scaron}ajatovic. Ein Krabat aus der Lausitz." Die Formulierung "ein Krabat" weist darauf hin, dass Janko nicht der Einzige war - wenn man den Begriff "Krabat" mit "Kroate" übersetzt. Erst im zweiten Schritt, so Martin Brützke, soll die Entwicklung des Krabatmythos dargestellt werden.

Mit dem Wittichenauer Hans-Jürgen Schröter hat das Sorbische Museum den wohl derzeit fundiertesten Krabat-Forscher für sein Ausstellungsteam gewinnen können. Schröter hat eine Biografie des "echten" Krabat - also des Janko {Scaron}ajatovic/Johann von Schadowitz verfasst und dabei klar herausgearbeitet, dass sich dessen Leben auch abseits von Hexerei und Schwarzer Mühle höchst interessant gestaltet hatte. Dr. Susanne Hose vom Sorbischen Institut obliegt es, den Wandel vom "realen" Krabat zum Mythos zu analysieren und darzustellen. Weiterhin wirken André Köhler vom Regionalmanagement des Leader-Gebietes Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft (er beschäftigte sich mit der Vermarktung der Krabat-Figur) und Konservator Holger Schuckelt von der Türckischen Cammer Dresden mit. Letzterer stellt mehrere Objekte aus der Lebenszeit des "echten" Krabat zur Verfügung. Ziel der Ausstellung ist es keineswegs, den Mythos Krabat zu entzaubern - doch das Wissen um Herkunft und Zusammenhänge ist sicher nicht von Schaden für die regionale Identifikation.