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Wettlauf mit dem Biber

Naturschutz-Bereichsleiter Hagen Rothmann steht vor dem Biber-Staudamm am Leipper Mühlgraben. Hier stehen fünf Hektar Land unter Wasser.
Naturschutz-Bereichsleiter Hagen Rothmann steht vor dem Biber-Staudamm am Leipper Mühlgraben. Hier stehen fünf Hektar Land unter Wasser. FOTO: cw
Hoyerswerda/Elsterheide/Lauta. Fast ausgerottet war der Biber einst in Deutschland: Von Meliorationsgräben und intensiver Landwirtschaft aus seinem Lebensraum vertrieben. Jetzt ist er wieder da. Catrin Würz

Auch in der Region um Hoyerswerda sind inzwischen zunehmend Spuren seiner Anwesenheit zu sehen. Ange nagte oder gefällte Bäume an Flussufern, mitten im Fließ errichtete Staudämme und unterhöhlte Böschungen sind untrügliche Zeichen: Der Biber - das größte Nagetier Europas und ein anpassungsfähiger Baumeister - ist in die Lausitz zurückgekehrt. Konflikte mit dem Menschen bleiben dabei erneut nicht aus.

Hagen Rothmann, Mitarbeiter bei der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Bautzen, kennt so ziemlich alle Biberreviere zwischen Königsbrück und Spreetal - in seinem 670 Quadratkilometer umfassenden Verantwortungsbereich. Auf 50 bis 60 Tiere in zehn Revieren schätzt er den Biber-Bestand im Gebiet der beiden Altkreise Hoyerswerda und Kamenz heute ein. "Die Flussgebiete an Spree, Schwarzer Elster, Pulsnitz und Großer Röder sind alle irgendwie vom Biber besetzt", erkärt der Naturschutzmitarbeiter. Für den gesamten Landkreis Bautzen gehen die Experten von derzeit zirka 200 bis 250 Tieren aus. Aber eine genaue Erfassung gibt es bislang nicht.

Als größte Biberpopulation in Hagen Rothmanns Bereich zählt wohl die Königsbrücker Heide. Auf dem Areal des einstigen Truppenübungsplatzes haben sich die pelzigen Nagetiere mit dem flachen Schwanz im Naturschutzgebiet ungestört neue Landschaften gestaltet.

Doch außerhalb der geschützten Gebiete treten die Aktivitäten der streng geschützten Biber gar nicht so selten in Konflikt mit menschlichen Interessen. So wie am Leipper Mühlgraben, der eigentlich ein kleiner unscheinbarer Vorfluter ist und aus dem Leipper Forst gespeist wird. Seit ein paar Monaten herrscht auf dem Feld am Leipper Mühlgraben allerdings "Land unter". Schon seit dem vergangenen Jahr steht ein großer Teil der Futterwiese unter Wasser. "Wir können da nicht drauf - weder mit Technik noch mit unseren Tieren", sagt Frank Groba. Der Landwirt bewirtschaftet das Pachtland, um Grünfutter für seine Rinderherden anzubauen. Eine Ernte war dieses Jahr aber noch nicht möglich. Denn ein schwimmender Baumeister macht dem Landwirt hier einen Strich durch die Rechnung. Eine Biberfamilie hat im Mühlgraben einen Staudamm errichtet. Der sorgt dafür, dass das Wasser an dieser Stelle aufgestaut wird und rund fünf Hektar Land überflutet sind. "Für mich ist das jetzt nutzloses Land", sagt Frank Groba.

Ganz klar, dass der Landwirt aus Schwarzkollm nicht gerade begeistert von der Rückkehr der stattlichen Nagetiere ist. "Mit den Nachteilen werden wir Bauern dann ja meistens allein gelassen", ist seine Überzeugung. Zwar gibt es von den Naturschützern Empfehlungen, wie die Auswirkungen der Biber-Bauten "entschärft" werden könnten. So darf der Landwirt den Staudamm verkleinern, wenn er über einen Meter Höhe errreicht hat. Oder er könnte mit dem Anbringen eines Elektrodrahtes den Biber davon abhalten, weiter in die Höhe zu bauen. "Aber das sind doch enorme technische Herausforderungen, mit denen die Landwirte wieder allein dastehen." Und Fakt sei es auch: Wenn der Bauer am Biber-Staudamm die erlaubten 20 Zentimeter abträgt und für Durchfluss sorgt, hat der Biber zwei Tage später 40 Zentimer neu aufgebaut. "Es ist ein ewiger Wettlauf mit den Tieren", sagt Frank Groba, der eigentlich die Kommunen in der Pflicht sieht, in den Gewässern zweiter Ordnung für Abfluss zu sorgen.

Für den Naturschutzmitarbeiter Hagen Rothmann ist die Rückkehr der Nagetiere dagegen eher ein Gewinn für die Natur im Ganzen. "Der Biber sorgt für eine höhere Vielfalt der Arten", so Rothmann. Für Schäden, die die geschützte Tierart an forst- und landwirtschaftlichen Kulturen anrichtet, könne es eine Abgeltung für den betroffenen Landwirt geben.

Zum Thema:
Biberschäden können über die sogenannte Härtefallausgleichsverordnung in der Regel bis zu 60 Prozent und ausnahmsweise bis 80 Prozent ausgeglichen werden. Eine besondere Härte im Sinne von § 38 Abs. 6 SächsNatSchG liegt vor, wenn durch eine wesentliche Erschwerung der land- und fischereiwirtschaftlichen Nutzung eines Grundstückes wirtschaftliche Nachteile in Höhe von mehr als 102,26 Euro pro Hektar und Jahr sowie durch eine wesentliche Erschwerung eines forstwirtschaftlich genutzten Grundstückes wirtschaftliche Nachteile in Höhe von mehr als 51,13 Euro pro Hektar und Jahr entstehen. Voraussetzung ist hierfür ein entsprechender Antrag des Geschädigten. Ein Rechtsanspruch auf Schadensausgleich besteht nicht. Der Ausgleich wird durch den Freistaat Sachsen gewährt. (Information der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Bautzen)