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Werkstatt-Mitarbeiter schnuppern Zirkusluft

Silvia und Rüdiger üben mit dem Jonglierteller.
Silvia und Rüdiger üben mit dem Jonglierteller. FOTO: dcz1
Hoyerswerda. Behinderte Menschen können Artisten sein. Das haben 60 betreute Mitarbeiter der Lausitzer Werkstätten gGmbH Hoyerswerda bei einem Workshop des zirkuspädagogischen Zentrums Harlekids Brieske bewiesen. dcz1

Vom Montag bis Mittwoch dieser Woche haben sie für einen Tag ihren Arbeitsplatz mit dem bunten Zelt des Vereins getauscht und mit zwei Mitarbeitern verschiedene Zirkusnummern ausprobiert. Sie übten die Ball-Jonglage, den Umgang mit dem Jonglierteller, dem Diabolo sowie mit Pois - lange Stoffschläuche, in denen ein kleiner Ball steckt. Trainer Thomas Dieß gab den Teilnehmern einen Poi in jede Hand, die diese zunächst links und rechts vom Körper locker aus dem Handgelenk herumschwenkten. Später sollten beide Arme mit den artistischen Geräten gegenläufige Bewegungen ausführen oder ein Arm über dem Kopf kreisen. Das probierten Robert, Michelle und die anderen betreuten Mitarbeiter aus und freuten sich über erste Erfolge.

Während Robert mit den Pois gut zurechtkam, hatte Michelle den Jonglierteller für sich entdeckt. Sie trieb ihn mit sanften kleinen Bewegungen aus dem Handgelenk auf ihrem Stab an und gab ihn gekonnt an ihre Partnerin Manuela weiter. Die angehende Heilerziehungspflegerin Melanie Nowak, die als Praktikantin beim Zirkusprojekt den Umgang mit dem Diabolo und Jonglierbällen erklärte, sagte, dass zirzensische Übungen die Hand-Auge-Koordination verbessern und Konzentration auf jede gerade ausgeführte Bewegung einfordern.

Thomas Dieß benannte als Ziel des Workshops, Spaß und Abwechslung in den Alltag behinderter Menschen zu bringen und ihnen neue Möglichkeiten für die Freizeitgestaltung aufzuzeigen. Aus seiner Sicht fehle es genau daran.

Die Harlekids führen in Senftenberg und Cottbus ein regelmäßiges Zirkustraining mit behinderten Menschen durch, berichtete Dieß. Die Cottbuser Gruppe tritt seit 2013 beim Sommerfest der Lausitzer Werkstätten auf. Nun hatte Martin Rattke von den Hoyerswerdaer Werkstätten den ersten Zirkusworkshop organisiert. Sie erklärte zum Hintergrund des Projektes: "Die Teilnehmer sollen neue Anforderungen meistern, ihre Grenzen austesten und erkennen, was sie alles können. Das steigert ihr Selbstbewusstsein."

Finanziert wurde die dreitägige Veranstaltung von der Lausitzer Seenland Stiftung. Deren Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Delling übergab dem Hoyerswerdaer Werkstattleiter Eberhard Friese den symbolischen Scheck in Höhe von 922,50 Euro. Friese bedankte sich und stellte in Aussicht, dass die Zusammenarbeit mit den Harlekids weitergehen werde.