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Werden Rosenthaler Wölfe abgeschossen?

Wird dem Antrag des Bautzener Landrats auf "Entnahme", sprich: Abschuss, von Wölfen entsprochen, wäre das der erste Fall im Freistaat.
Wird dem Antrag des Bautzener Landrats auf "Entnahme", sprich: Abschuss, von Wölfen entsprochen, wäre das der erste Fall im Freistaat. FOTO: Julian Stratenschulte/dpa
Bautzen/Ralbitz-Rosenthal. Der Bautzener Landrat Michael Harig (CDU) fordert drastische Maßnahmen gegen das Rosenthaler Wolfsrudel. Er hat einen entsprechenden Antrag an das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft gestellt. Uwe Menschner / ume1

Landrat Michael Harig will erreichen, "dass rechtliche Grundlagen für die Entnahme der betroffenen Tiere aus der Natur" geschaffen werden. Das hat er während der jüngsten Sitzung des Kreistags erklärt. Im Klartext bedeutet dies den Abschuss. "Es geht um einen fairen Ausgleich zwischen den Interessen des Artenschutzes und denen der Nutztierhalter", so der Landrat.

32 Schafe gerissen

In den vergangenen Wochen war es im Bereich Ralbitz-Rosenthal zu mehreren Übergriffen auf Schafherden gekommen, die dem Rosenthaler Rudel zugeschrieben werden. Allein zwischen dem 4. und dem 6. Oktober waren bei drei Attacken 32 Schafe gerissen worden.

Die Sicherung der Herden hatte dabei den Anforderungen an den Mindestschutz entsprochen. Dieser sieht Festzäune mit einer Mindesthöhe von 120 Zentimetern vor. Nach Angaben des Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz mit Sitz in Rietschen (Kreis Görlitz) waren die Schafe jeweils durch 140 Zentimeter hohe Zäune geschützt, die von den Wölfen überwunden wurden. "Es besteht Anspruch auf Schadenausgleich", stellt das Kontaktbüro fest.

Gleichwohl sei die Sicherung allein durch Festzäune unzureichend: "Sie verfügen über keine abschreckende Wirkung, sondern stellen nur eine rein physische Barriere dar." Besser geeignet seien durch Flatterband ergänzte Elektrozäune. Größere Betriebe sollten zudem den Einsatz von Herdenschutzhunden erwägen.

Tradition geht verloren

Für Landrat Harig stehen geeignete Schutzmaßnahmen und Entschädigungen nicht im Zentrum der Debatte. "Mit jeder aufgegebenen Nutztierhaltung geht ein Stück Tradition im ländlichen Raum verloren", betont er. Gleichwohl ist er sich dessen bewusst, "dass wir nicht viel erreichen werden". Es gehe jedoch darum, "ein Zeichen zu setzen".

Die "Entnahme" von Wölfen, die ein problematisches Verhalten zeigen, ist in Sachsen grundsätzlich möglich, aber an strenge Voraussetzungen geknüpft. Die Entscheidung trifft letztlich das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft. Sollte dem Antrag des Bautzener Landrats stattgegeben werden, so wäre dies der erste entsprechende Fall im Freistaat Sachsen.