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| 10:48 Uhr

"Wer gemeinsam lacht, denkt besser und lebt länger"

Dr. Ilona Walter ist seit 2002 Amtsärztin in Hoyerswerda. Vorher praktizierte sie als Chirurgin. Seit mehreren Jahren beschäftigt sich die Ärztin mit Alzheimer und Demenz, hielt zahlreiche Vorträge zu diesem Thema. Die RUNDSCHAU fragte bei der Ärztin unter anderem nach, wie sich ältere Menschen vor Alzheimer schützen können, welche Symptome auftreten und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Mit ILONA WALTER sprach Lars Hartfelder

Frau Dr. Walter, wie sieht die ärztliche Versorgung in Hoyerswerda für ältere Menschen aus, die sich auf Alzheimer untersuchen lassen wollen? Ein großes Problem für Hoyerswerda ist, dass es hier keinen niedergelassenen Gerontologen gibt. Also keinen Facharzt, der sich speziell mit den Krankheiten des Alters auskennt und vor allem eine mögliche Demenz frühzeitig und sicher diagnostizieren könnte. Auch unter den Hausärzten gibt es meines Wissens niemanden, der sich intensiv mit Alzheimer und Demenz beschäftigt. Das heißt, ein Hausarzt kann eine Demenz im Anfangsstadium möglicherweise nicht erkennen? In der Regel erkennt er sie. Für eine genaue Diagnose sind aber umfangreiche Untersuchungen nötig. Es müssen sowohl körperliche als auch psychologische Tests durchgeführt werden. Sollte der Verdacht einer beginnenden Demenz bestehen, empfiehlt es sich in unklaren Fällen auf eine Überweisung zum Spezialisten, einen Geronto-Psychologen, zu bestehen.Können sich ältere Menschen überhaupt vor Alzheimer schützen? Eine gesunde Lebensweise wirkt dieser Erkrankung vor. Viel Bewegung ist dabei von großer Bedeutung. Wer rastet, der rostet. Dieses Sprichwort trifft auf jeden Fall zu. Dass heißt, täglich mindestens eine halbe Stunde lang zügig spazieren gehen. Aber auch die Ernährung muss ausgewogen und vitaminreich sein. Alkohol sollte nur in Maßen getrunken und auf Nikotin gänzlich verzichtet werden. Ganz wichtig ist auch, dass ältere Menschen ihre Denkfabrik pflegen. Also zum Beispiel jeden Tag ein neues Gedicht lernen? Das ist nicht unbedingt nötig. Wichtig sind das regelmäße Lösen von Aufgaben, bei denen das Gehirn zum Arbeiten angeregt wird. Kreuzworträtsel ausfüllen oder ein Buch lesen, fördern ebenso die Gedächtnisleistung. Welche Rolle spielen soziale Kontakte beim Älterwerden? Die regelmäßige Kommunikation mit Freunden und Verwandten ist ein ganz entscheidender Faktor. Wer jeden Tag allein vor dem Fernseher sitzt und sich kaum mit anderen unterhält, dessen Denkvermögen verliert automatisch an Leistungsfähigkeit. Deshalb gilt der Grundsatz: "Wer gemeinsam lacht, denkt besser und lebt länger." Ist Alzheimer heilbar? Trotz moderner Medizin gibt es für Alzheimer-Patienten noch kein Heilmittel – die Krankheit kann nur hinausgezögert werden. Deshalb ist es besonders wichtig, Demenz-Erscheinungen schon im Frühstadion zu erkennen, da den Menschen dann mit Antidemenzia-Medikamenten noch gut geholfen werden kann. Ist eine mögliche Demenz im Anfangsstadium überhaupt zu erkennen? Es gibt Anzeichen, die von den Familienangehörigen ernst genommen werden sollten. Wenn ältere Menschen häufiger kurz zurückliegende Ereignisse vergessen oder zunehmend Schwierigkeiten haben, sich in vertrauter Umgebung zurechtzufinden, dann könnten das erste Warnzeichen für eine Demenz sein. Nachlassendes Interesse an Hobbys, Probleme bei der Ausübung gewohnter Tätigkeiten, aber auch Schwierigkeiten beim Treffen von Entscheidungen sind Anzeichen für einen beginnenden Verfall der geistigen Leistungsfähigkeit. Und wie sehen die Symptome im fortgeschrittenen Stadium aus? Der Charakter und die ursprüngliche Persönlichkeit verändern sich sehr. Die Menschen erkennen Familienmitglieder nicht mehr, können aggressiv, misstrauisch und unruhig werden.Zum Thema Wichtige Adressen: Informationen zum Thema Alzheimer und Demenz gibt es bei: Gesundheitsamt Hoyerswerda, S.-G.-Frentzel-Straße 20, Telefon: 03571 /45 74 70. Selbstshilfezentrum Hoyerswerda, Schulstraße 5, Telefon: 03571/42 65 99, Frau Bernsdorf. Deutsche Alzheimer-Hilfe für Betroffene, Telefon: 0180/33 66 33.