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Wenn Facebook bei Tiersuche hilft

Frauchen Anne-Kathrin Weber freut sich: Fridolin ist wohlauf. Genau wie Bruder Oscar (r.), der weitervermittelt werden soll und noch einen Besitzer sucht.
Frauchen Anne-Kathrin Weber freut sich: Fridolin ist wohlauf. Genau wie Bruder Oscar (r.), der weitervermittelt werden soll und noch einen Besitzer sucht. FOTO: ahu
Lauta. Viele Menschen, die schnell reagieren: Ein Notruf über das Internet bringt Hund Fridolin zurück zum Frauchen nach Lauta. Der Tierschutzverein Hoyerswerda gibt Tipps, wie sich Tierbesitzer im Ernstfall am besten verhalten. Anja Hummel

Es ist im Bruchteil einer Sekunde passiert: Anne-Kathrin Weber lässt die Leine los, Hund Fridolin springt aus dem Auto. Er rennt geradewegs auf die Hauptstraße, als ein Lkw angefahren kommt und ihn zur Seite auf den Gehweg schleudert. Aber Fridolin bleibt nicht liegen. Der einjährige Hund steht auf und rennt los. Immer weiter und weiter. Der spanische Podenco ist verschwunden. Ein Horrorszenario für jeden Hundehalter.

Anne-Kathrin Weber aus Lauta musste genau das durchleben. "Ich bin ihm noch hinterhergerannt, aber er war einfach weg", erzählt die 29-Jährige. Ganze zwei Stunden hat sie unter größter Panik nach ihrem Hund gesucht, bis sie am Abend vergebens nach Hause zurückkehrte.

Dort tippte sie folgende Zeilen in ihr Handy: "Hund entlaufen. Bitte helft mir ihn wiederzufinden. Über jeden Hinweis und jede Sichtung bin ich unendlich dankbar!" Den Text mit Bildern von Fridolin veröffentlicht sie auf Facebook. Die junge Frau ahnt zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass ihr diese Aktion Fridolin noch in derselben Nacht heil zurückbringen würde.

Auch der Tierschutzverein Hoyerswerda nutzt die soziale Online-Plattform Facebook regelmäßig für die Suche nach ausgebüxten Tieren. "Über das Internet bekommt man sehr schnell wichtige Informationen, wo sich das Tier gerade aufhält", sagt Vorsitzende Sabine Pechstein, die zu diesem Schritt nur raten kann. "Ansonsten kann man das Tier chippen lassen oder ein Halsband mit aufgedruckter Adresse umlegen." Auch der Griff zum Telefonhörer ist wichtig. "Entscheidende Vermittler sind Bürgeramt, Polizei und Feuerwehr. Die haben alle Möglichkeiten, um das Tier einzufangen", so Sabine Pechstein.

Während Anne-Kathrin Weber weiter um ihren Fridolin zittert, steht ihr Handy kaum noch still. "Es haben sich unzählige Leute bei mir gemeldet, einige kamen sogar gleich vorbei und haben bei der Suche mitgeholfen." Gerührt von der Anteilnahme auch von einigen ihr bis dato komplett unbekannten Leuten, sagt die Hundefreundin: "Im akuten Notfall ist Facebook wirklich eine echte Chance. Das hat unser Fall gezeigt."

Zwar wurde Fridolin an verschiedenen Stellen gesichtet, mit Einbruch der Dunkelheit hatte sie ihren Vierbeiner jedoch immer noch nicht zurück. Besonders dramatisch: Fridolin ist ein spanischer Straßenhund, lebt erst seit zwei Wochen bei Anne-Kathrin Weber und hat erst eine Woche zuvor eine Operation am Samenleiter gehabt.

Weil sie Fridolin in der Nähe eines Waldes in Lauta vermutet, positioniert sich die besorgte Frau auf gut Glück mit Futter und Hundekörbchen. "Kurz nach Mitternacht bekam ich dann einen Anruf", erzählt die Lautaerin. Am Telefon war ein alter Bekannter. "Ich bin zwischen Leippe und Torno, dein Hund steht gerade vor mir", hört sie ihn sagen. Wind bekommen hat er von dem Ausreißer über den Facebook-Hilferuf.

Gemeinsam mit Fridolins Hundebruder Oscar macht sich das Frauchen auf den Weg. "Und da stand er dann", fällt ihr selbst beim Erzählen abermals ein Stein vom Herzen. "Er ist unter Schock die ganze Zeit durchgerannt, hat sich die Pfoten aufgeschürft." Vom Zusammenstoß mit dem Lkw hat Fridolin glücklicherweise nur Prellungen davongetragen. "Ich weiß nicht, wie viele Schutzengel wir hatten", sagt Anne-Kathrin Weber. Als sie in der Nacht überglücklich, aber vollkommen fertig zu Hause einkehren, hat Frauchen Anne-Kathrin noch eine Aufgabe zu erledigen: "Er ist wieder daheim. Ich danke von tiefstem Herzen allen, die mich heute mit ihrer Suche unterstützten. Ich bin überwältigt", schreibt sie auf Facebook.