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Wenn ein Krankenhaus in den Ruhestand geht

Hoyerswerda.. Wenn jemand in den Ruhestand geht, dann tut er dies zumeist mit einer gewissen Wehmut. Er schwelgt in Erinnerungen an sein Arbeitsleben, wobei die guten im Vordergrund stehen. Nicht anders war es am vergangenen Freitagabend an der Frentzelstraße in Hoyerswerda. Nur war es hier kein einzelner Mensch, der in den Ruhestand übertrat, sondern gleich ein ganzes Krankenhaus. Von Uwe Menschner

Der Gründervater der Hoyerswerdaer Orthopädie, Professor Günther Mayer, wünschte dem heutigen Team viel Erfolg für die neue Ära. „Ein Krankenhaus geht in den Ruhestand - nach 108 Jahren.“ So waren auch die Erinnerungen von Chefarzt Dr. Dietrich Lorenz überschrieben, als er ein letztes Mal in den Räumlichkeiten der Orthopädischen Klinik vor seine Mitarbeiter trat. Nicht weniger als 183 Personen hatten sich in der Turnhalle der im gleichen Gebäudekomplex befindlichen Krankenpflegeschule eingefunden - Ärzte, Schwestern und Pfleger, technisches und Verwaltungspersonal aus der heutigen Zeit, aber auch aus früheren Tagen. Sie kamen zu einer Feier, um sich von dem altehrwürdigen Krankenhausgebäude zu verabschieden, das den Lebensweg eines jeden von ihnen mehr oder weniger stark geprägt hat. Als besonders herzlich begrüßter Gast erschien Professor Günther Mayer, den man als Gründervater der Orthopädischen Klinik Hoyerswerda bezeichnen kann.
Wie so oft, so ist auch hier der Abschied gleichzeitig ein Neubeginn. Die Tradition der Orthopädie endet nämlich nicht an dieser Stelle, sondern tritt in eine neue Ära ein. Unter dem Dach des Klinikums Hoyerswerda werden Dr. Dietrich Lorenz und seine Kollegen auch künftig ihre Patienten betreuen. Diese kommen nicht nur aus Hoyerswerda und der näheren Umgebung, sondern auch aus Bautzen, Kamenz oder gar aus Cottbus. „Bereits zu DDR-Zeiten hatte die Hoyerswerdaer Orthopädie einen hervorragenden Ruf, der weit über die Grenzen des damaligen Bezirkes Cottbus hinausreichte“ , betont der Chefarzt. 1970 war es, als sich die Orthopädische Klinik im Gebäude des früheren Kreiskrankenhauses an der Frentzelstraße ansiedelte. Dieses wiederum öffnete 1897 seine Pforten. Dr. Lorenz versäumte es nicht, in seinem Vortrag ausführlich auf die Entwicklung der Klinik einzugehen. Zahlreiche der von Dr. Dietrich Lorenz erwähnten Episoden sorgten bei den Zuhörern für Schmunzeln und Gelächter. Beispielsweise, als die Sprache auf intubierte Schafe kam - in Zusammenarbeit mit dem Zoo testete man eine neue Betäubungsmethode zunächst an den Vierbeinern. Diese dankten es dem Operateur mit einer „Ladung“ mitten ins Gesicht.
Die Hoyerswerdaer Orthopäden waren oftmals Vorreiter, wenn es um den Einsatz neuer Behandlungsmethoden ging. Untrennbar verbunden ist dies mit dem Namen von Chefarzt Dr. Günther Mayer, der später dem Ruf an die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald folgte und dort den Lehrstuhl für Orthopädie übernahm. Am Freitag kehrte er zurück an seine einstige Wirkungsstätte und ließ es sich nicht nehmen, seinem Nachfolger und dessen Team viel Erfolg für die weitere Arbeit zu wünschen.
Die Zukunft im neuen Domizil sorgt bei den Mitarbeitern der Orthopädischen Klinik für gemischte Gefühle. „Natürlich verbessern sich die Arbeitsbedingungen in vielerlei Hinsicht“ , meint beispielsweise Dr. Felix Tobian. „Hier jedoch waren die Abläufe überschaubarer.“ Vieles, was man bislang in Eigenregie managte, muss nunmehr mit den anderen Abteilungen des Klinikums koordiniert werden. „Es war allerdings von Anfang an nur eine Frage der Zeit, wann der Umzug unter das Dach des Klinikums erfolgen würde“ , erklärt Dr. Dietrich Lorenz. Letztendlich habe sich dieser weitaus länger hinausgezögert, als zunächst vermutet. Und so waren dem Krankenhaus an der Frentzelstraße deutlich mehr als 100 Jahre beschieden, ehe es in den Ruhestand trat.