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| 13:03 Uhr

Ich kaufe regional
Wenn der Laden auf das Dorf kommt

Anneliese Kränzel (69) aus Tätzschwitz hat ihren Einkaufskorb schon gut gefüllt und nimmt von Verkäuferin Katrin Winkler von der Feinbäckerei Mevius noch Brötchen entgegen.
Anneliese Kränzel (69) aus Tätzschwitz hat ihren Einkaufskorb schon gut gefüllt und nimmt von Verkäuferin Katrin Winkler von der Feinbäckerei Mevius noch Brötchen entgegen. FOTO: Anja Guhlan
Hoyerswerda. Frische Waren werden im ländlichen Raum direkt vor der Haustür angeboten. Die Verkaufswagen haben viele zufriedene Kunden. Von Anja Guhlan

Da werden so manche Kindheitserinnerungen wach – an den Eier- oder Milchmann, der mit lautem Glockengebimmel durch die Straßen fuhr. „Die Ausschellglocke gibt es heute noch“, sagt Katrin Winkler von der Feinbäckerei Mevius aus Laubusch. Die Verkäuferin bringt seit zwei Jahren mit dem mobilen Verkaufswagen die frischen Backwaren direkt vor die Haustür mancher Kunden. Die Feinbäckerei hat drei solcher Fahrzeuge und fährt wöchentlich drei Touren.

„Der ländliche Raum ist größtenteils unterversorgt. Viele vor allem ältere Einwohner besitzen keine Mobilität. Deshalb fahren wir bewusst kleine Dörfer an, um dort die Einwohner mit unserer Ware zu versorgen“, erklärt Inhaberin Sabine Trautmann. Seit der politischen Wende  hat sich der Familienbetrieb darauf spezialisiert mit Lieferwagen von Dorf zu Dorf fahren. Speziell für ältere Leute ist dieses Angebot ideal.

Katrin Winkler fährt mit Leidenschaft den Bäckerwagen. „Das Verkaufen im Wagen macht mir großen Spaß. Dabei ist das Kommunizieren mit dem Kunden total wichtig“, sagt sie.  Es gibt einen festen Kundenstamm. „Einige sind dem Verkaufswagen schon seit über 20 Jahren treu“, erzählt Winkler. So wie Anneliese Kränzel (69) aus Tätzschwitz.

Die Verkäuferin hat sich besonders auf ältere Kundschaft eingestellt: Sie spricht mal lauter, ist behilflich beim Bezahlen und bringt manche gefüllten Beutel auch mal in den Rollator.

Auch Karl-Heinz Heduschka (66) aus  Geierswalde nutzt das Angebot gerne. „Ich habe kein Auto. Deshalb ist es sehr hilfreich wenn die Läden die Dörfer anfahren.“ Und Renate Marusch (79) aus Geierswalde schwärmt: „Ich komme jede Woche. Auch zum Fleischer-Wagen oder zum Spargel-Wagen gehe ich regelmäßig.“

Die Feinbäckerei Mevius ist nicht das  einzige Unternehmen mit diesem Angebot. So fährt die Proschimer Landfleischerei regelmäßig ihre Touren, um Fleischwaren auf die Dörfer zu bringen. Sie besitzt vier Fahrzeuge und bedient vier Touren. „Da sich der Einzelhandel größtenteils aus den Dörfern zurückgezogen hat, übernehmen wir mit dem direkten Angebot“, erklärt Inhaber und Geschäftsführer Hagen Rösch.

„Die Wagen sind in der Anschaffung nicht ganz billig. Zudem müssen Touren gut konzipiert und aufgebaut sein. Bei uns darf zum Beispiel die Kühlkette niemals unterbrochen werden“, so Rösch und fügt hinzu: „Wir werden weiterhin für den ländlichen Raum da sein, wir kommen ja quasi selbst aus ihm, sind also Teil des Ganzen und machen weiter.“

Die Landwirtschafts-GmbH Bergen-Bluno hat sich ebenfalls entschieden, die umliegenden Dörfer mit ihrem Spargel zu versorgen. „Wir fahren seit vergangenem Jahr auch die Dörfer an. Momentan probieren wir uns noch mit dieser Methode aus. Ob es Bestand haben wird, bleibt abzuwarten. Das hängt auch vom Ertrag ab“, erklärt Anke Waurisch als mobile Verkäuferin.

Für Matthias Domanja und seinen familiengeführten Bauernhof aus Hoske bei Wittichenau  hat sich herauskristallisiert, dass er mit seinen vier Fahrzeugen lieber die großen Märkte in Hoyerswerda, Kamenz, Wittichenau oder Dresden anfährt. Seiner Meinung nach versammeln sich viele der älteren Leute auch auf solchen Wochenmärkten, weil dort alles mit einmal zu bekommen sei. Vorstellen könne er sich auch die mobilen Touren über die Dörfer. Doch dazu brauche er Personal, was zum einen mit den Verkaufswagen rangieren könne und zum anderen bereit sei, sich mit den Kunden gerne zu unterhalten. Denn auch er bestätigt: „Persönliche Kommunikation mit Smalltalk und  Beratung ist im mobilen Verkauf  heute wichtiger denn je.“