ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:03 Uhr

Finale beim Bildhauersymposium in Hoyerswerda
Wenn das Material die Form diktiert

FOTO: LR / Rita Seyfert
Hoyerswerda. Alles geritzt! Vor der Finissage vom 12. Bildhauersymposium im Zoo Hoyerswerda klopften die Künstler noch schnell ihre Signaturen in die Skulpturen. Von Rita Seyfert

Animalische Gerüche von Affen, Eseln und Pelikanen mischten sich dieser Tage im ehemaligen Trampeltiergehege mit dem Odor von Schweiß, frischem Holz und Graffiti-Spray. Bei Hitze, Staub und dem Geklopfe von Hammer und Meißel legten sich die vier Künstler für den letzten Feinschliff ins Zeug, bevor es für die Finissage am Montagnachmittag noch fix unter die Dusche ging.

„Humanimal – Mensch, Seele, Tier“, so lautete das Thema vom 12. Bildhauersymposium im Zoo Hoyerswerda. Das Motto ließ Raum für künstlerische Freiheiten. Einer der Bildhauer, der bei der Arbeit spielerisch seiner Intuition folgte, ist Olaf Klepzig (56) aus Rabenau bei Dresden. „Die Skulptur hat sich Stück für Stück ergeben“, sagt er.

FOTO: LR / Rita Seyfert

Im Schaffensprozess ließ er sich leiten. Dabei diktierte ihm das Material die Form. Aus dem Modell seines abstrakten Elefanten, den er ursprünglich als Idee einreichte, wurde am Ende ein „Löwenschwänziger Mammutelefant mit Zebrastreifen“, wie er ihn taufte. So waren die Stoßzähne eigentlich nicht geplant. Doch die abgesägten Holzstücke vom Rüssel erinnerten den Künstler an das Elfenbein-Werkzeug der Dickhäuter. Also setzte er die Idee um. Auch vom geplanten Baken-Design in Rot-Weiß wich der Künstler ab. Statt mit Pinsel und Farbe bearbeitete er die Tierhaut fantasievoll mit der Säge. „Manch Betrachter sieht nur Fell“, sagt er. Doch wer etwas länger sinniert, erkennt in den Astlöchern die Augen von Fischen und Vögeln.

FOTO: LR / Rita Seyfert

Auch Bildhauer Silvio Ukat (46) aus Glauchau improvisierte. Eigentlich sollte seine „Giraffe im Boot“ ausladend und statisch nach vorne schauen. Doch nach der genaueren Inspektion vom Eichenstamm entschied er sich um. Nun hält sein afrikanisches Huftier den Hals gedreht und schaut nach hinten. Nicht nur die Form, auch seine Farbwahl variierte der Künstler etwas. „Knalliges Blau allein hätte wie Kunststoff gewirkt“, erklärt er. Um Akzente zu setzen, griff der Künstler auch zur roten Graffiti-Dose und warf die Schleifmaschine an. Heraus kam eine gefleckte, lebendige Maserung.

FOTO: LR / Rita Seyfert

Einer, der sich für seinen „Schamanen“ mehr Zeit gewünscht hätte, ist Bildhauer Dmitrii Fedin (35) aus Sankt Petersburg. Um dem Gesicht seiner Holzskulptur mehr Seele einzuhauchen, verzichtete er sogar auf sein Mittagessen. Zufrieden mit dem Ergebnis sei er aber. „Die Idee ist umgesetzt.“

FOTO: LR / Rita Seyfert

Sein älterer Bildhauer-Kollege Dimitri Verdianu (64) kennt das Problem mit der Zeit, wenn es aufs Ende zugeht. „Das ist immer so“, sagt er. Deshalb stellte er sich den Wecker heute schon um sechs Uhr. „Früh gelingt die Arbeit am besten“, sagt er. Ein Künstler brauche eben Ruhe zum Schauen und Überlegen, wie er seine Plastik formt.

Improvisieren musste er bei seiner Sandstein-Skulptur nicht. Nur die Füße seiner „kleinen Ente“ gestaltete der Künstler etwas massiver, damit die Statue sicher steht. So viel steht fest, besonders den jüngsten Zoobesuchern gefällt das niedliche Tier. Viele Kinder bleiben stehen und streicheln es.

FOTO: LR / Rita Seyfert

Immerhin, Interessenten für die einzelnen Plastiken gibt es bereits. Konkret verkauft wurde aber noch nichts. Kerstin Noack, Leiterin vom Schloss und Stadtmuseum: „Wir würden uns freuen, wenn die eine oder andere Skulptur im öffentlichen Raum der Stadt einen Platz findet.“ Der Erlös trägt zum Erhalt künftiger Symposien bei.