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Wenn aus der Heimreise ein Urlaub wird

Es ist vorerst der letzte Brief in die Heimat, den Jesus gemeinsam mit den Simmanks dem Briefkasten anvertraut.
Es ist vorerst der letzte Brief in die Heimat, den Jesus gemeinsam mit den Simmanks dem Briefkasten anvertraut. FOTO: hir1
Bernsdorf. Nach einem Jahr in Bernsdorf kehrt Jesus Quintana aus Ecuador zurück in die Heimat. Fürs Studium möchte er bald wiederkommen. Heinz Hirschfeld

(hir1) Nach fast zwölf Monaten in Bernsdorf bei Pfarrersfamilie Simmank ist es am Mittwoch soweit: Der 18-jährige Jesus Quintana aus Ecuador steigt ins Flugzeug. Von Dresden geht es zurück in seine südamerikanische Heimat Ecuador. Doch womöglich wird aus der ursprünglichen Heimreise nur ein Urlaubsbesuch.

Denn die Chancen stehen gut, dass der junge Mann im Herbst als Student der Werkstoffwissenschaften an der Technischen Universität Dresden eingeschrieben ist. Dass er dann wieder bei Gerd und Monika Simmank leben kann, steht außer Frage. Denn Jesus, der fast ein Jahr bei der Familie wohnte, um im Hoyerswerdaer Gymnasium zu lernen und seine deutschen Sprachkenntnisse zu vertiefen, hat sich für das Studium beworben. Nun muss er abwarten.

Familie Simmank ist guter Dinge. Die ganzen Vortests zum Studium hat Jesus, der in den vergangenen Monaten zu einem ausgeglichenen jungen Mann reifte, mit Bravour bestanden. Ecuadorianische Gelassenheit, gepaart mit dem festen Glauben an Gott und Tugenden wie Zielstrebigkeit, Verlässlichkeit und Respekt, zeichnen ihn aus. Darauf ist Pfarrer Gerd Simmank sehr stolz. Er meint: "Das Schöne bei Jesus ist, dass er will. Und zwar von sich aus. Er will in Deutschland lernen und die Sprache aufsaugen." Selbst wenn der Pfarrer vier Gottesdienste mit ähnlicher Predigt hält - Jesus ist immer dabei, obwohl es manchmal ein wenig hektisch zugeht. "Dank Jesus brauche ich mich nicht mehr um die passende Literatur am Predigtplatz zu kümmern. Bei den Liederbüchern ist sogar schon die richtige Seite aufgeschlagen", schwärmt Gerd Simmank. Dem Jungen sei es einfach eine Freude, anderen Menschen zu helfen.

Ehefrau Monika Simmank betrachtet das Ganze von einer anderen Seite: "Als Jesus zu uns kam, bestand seine Welt aus Büchern und Theorie. Mittlerweile sind viele praktische Dinge dazugekommen wie zum Beispiel auch die Arbeit im Garten". Und Jesus, der inzwischen ganze sieben Kilo zugenommen hat, bemerkt im Gegenzug weitere Vorteile des familiären deutschen Zusammenlebens. "Monika ist eine hervorragende Köchin. Sie kann wunderbar Fleisch zubereiten", sagt der Feinschmecker. Einzig die sauren Eier seien nichts für seinen Gaumen. Jesus hat sich als Mensch gezeigt, der die Geselligkeit mit anderen sucht. So hat er mit seiner schönen Stimme die Kirchenchöre von Laubusch und Hosena bereichert. Dort hat er in Sachen Disziplin und Unterordnung einiges gelernt. Neue Freunde hat er bei der "Jungen Gemeinde" kennengelernt, die in Bernsdorf gerade eine neue Gruppe aufgebaut hat. Mit seinen "Eltern auf Zeit" hat Jesus viel von Deutschland gesehen. Da der junge Mann die Musik sehr liebt, haben Simmanks ihn in ihr Konzertanrecht involviert. Dadurch konnte Jesus die klassische Musik kontinuierlich genießen.

Doch nicht alle "deutschen Gewohnheiten" haben bei Jesus Begeisterung hervorgerufen. So war er Silvester bei Freunden in Spremberg eingeladen. Strammer Alkoholgenuss ist gar nicht sein Ding. Denn er sagt: "Es war mir vielmehr eine große Ehre am darauffolgenden Vormittag beim ersten Freiluftgottesdienst der Region dabei zu sein." Trotz der tollen Erfahrungen in den vergangenen Monaten freut er sich nun auch auf seine Familie in Ecuador. Gleichzeitig bleiben die Daumen gedrückt - Jesus wie die Simmanks hoffen, dass es eine baldige Rückkehr gibt.