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| 16:30 Uhr

Kufa Hoyerswerda
Wenig Gäste bei „Strom & Wasser“

Die Musiker Enno Dugnus, Heinz Ratz, Burkard Puppaner bei ihrem Auftritt in der Hoyerswerdaer Kufa.
Die Musiker Enno Dugnus, Heinz Ratz, Burkard Puppaner bei ihrem Auftritt in der Hoyerswerdaer Kufa. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Die Kieler Musikgruppe zeigt in der Kufa Hoyerswerda Gesicht gegen Rechts. Die Künstler präsentierten die ganze Bandbreite ihres Könnens. Von Katrin Demczenko

Ska, Punk, Polka, Walzer und Rock mit Tiefgang: Mit diesem Potpourri hat die Kieler Band „Strom & Wasser“ in der Hoyerswerdaer Kufa aufgewartet. Allerdings wollten nur wenige Gäste das Konzert hören. Die Veranstalter hatten sich deutlich mehr Besucher versprochen. Der Songwriter, Sänger und Bassgitarrist Heinz Ratz, der Pianist und Keyboarder Enno Dugnus sowie der Schlagzeuger Burkard Ruppaner spielten vor Vertretern der Initiative „Hoyerswerda hilft mit Herz“ und lediglich einigen Besuchern aus Bautzen und Bischofswerda.

 Die Norddeutschen berichten über die Liebeserklärung eines jungen Mann und von einer Krebserkrankung, die die Kostbarkeit des Lebens vor Augen führt. Das schlechte Verhältnis des reichen Deutschlands zur Natur, zu Obdachlosen und Flüchtlingen spielt im Programm aber die Hauptrolle. Heinz Ratz prangert scharf deutsche Spießbürger an, denen nur ihr eigenes Fortkommen wichtig ist und die deshalb Geflüchtete als Bedrohung empfinden. Diese Ängste würden von Neonazis geschürt, die mit ihren Parolen und Vorurteilen immer mehr Menschen aus der Mitte der Gesellschaft erreichen. „Jede Verhärtung führt in den Untergang“, warnt der Musiker, der fest zur linken Szene gehört. Die Hoyerswerda-hilft-mit-Herz-Gründerin Grit Maroske fügt hinzu, dass sie die Mediengläubigkeit vieler Menschen gefährlich findet.

Im Jahr 2007, also lange vor der Flüchtlingskrise, schrieb Heinz Ratz in einem Lied: „Es werden die, die ihr wegwerft wie Dreck, plötzlich erscheinen in eurer kalten Welt aus Bilanzen...“ Seine Beschäftigung mit der Situation von Geflüchteten begann ausgerechnet durch den Hinweis eines Obdachlosen, erzählt Heinz Ratz. Er ging also in Heime, sprach mit Betroffenen und war entsetzt über die dort herrschenden Zustände. Um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, radelte der Musiker 7000 Kilometer durch Deutschland und sammelte Spenden. Da er unter ihnen gute Musiker traf, die vor allem wegen der fehlenden Arbeitserlaubnis nicht auftreten durften, organisierte seine Band mit 80 von ihnen eine Deutschland-Tour. Zuerst fand die Aktion keine Unterstützung. Die Polizei kontrollierte die Flüchtlinge, die sich wegen der Residenzpflicht im Land nicht frei bewegen dürfen, erzählt Heinz Ratz. Erst als die BBC von der Konzertaktion berichtete, war das Interesse geweckt. Nun entschied die Bundesregierung, dem Musiker für sein Engagement den Integrationspreis zu überreichen. Da dieses Gebäude aber nur mit gültigem Pass betreten werden darf, sollten die geflüchteten Musiker ohne Dokumente draußen bleiben. „Erst als ich drohte, den Preis abzulehnen, gab es eine Ausnahmegenehmigung“, erzählt Ratz zu Ende. Binnen elf Jahren sammelte die Band Strom & Wasser über 100 000 Euro Spenden.

 Nach weiteren Liedern erklärt er sein neues Projekt Büro für Offensivkultur (BOK), das er anno 2017 mit Konstantin Wecker gründete. „Das ist eine musikalische schnelle Eingreiftruppe und ein Netzwerk gegen jede Form von Unrecht, das sich nur über Spenden finanziert“, sagt der Musiker. Das BOK lebt von 20 000 Unterstützern. Bei Bedarf organisiert das Netzwerk in jedem deutschen Ort sofort ein Konzert gegen Ungerechtigkeiten oder Umweltdelikte. Mehr gibt es unter www.offensivbuero.de.